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Luzerner Kandidaten sind joggend und fahren auf Stimmenfang

Die Ständerats- und Nationalratskandidaten versuchen, im Wahlkampf besonders kreativ zu sein. Ein Experte schätzt die Methoden ein.
Roseline Troxler

An Wahlpodien auftreten, Flyer verschicken und von Plakatwänden lächeln. Das scheint im aktuellen Wahlkampf nicht mehr zu reichen. Ausgefallen muss es sein. Und bewegen soll es – und wenn nur die Politiker selber.

Gleich mehrere Luzerner Anwärter für den Stände- und Nationalrat reisen mit speziellen Gefährten in die Luzerner Gemeinden. Damian Müller (FDP) und Andrea Gmür (CVP), welche ins Stöckli gewählt werden wollen, sind mit einem Dreirad unterwegs. Gmür besuchte mit ihrem Piaggio etwa Beromünster, Emmen oder Hergiswil.

Und Ständerat Damian Müller tuckert mit seinem «Müller-Mobil» unter anderem nach Willisau, Menznau und Wolhusen.

Motorisiert «on Tour» ist auch die SVP mit Ständeratskandidat Franz Grüter. Das Ziel ist der Besuch aller 83 Luzerner Gemeinden per Postauto.

Die SVP ist mit ihrer Sonne und Kandidaten «on Tour», um Wähler zu gewinnen - wie hier in Vitznau. (Bild: PD)

Die SVP ist mit ihrer Sonne und Kandidaten «on Tour», um Wähler zu gewinnen - wie hier in Vitznau. (Bild: PD)

Nationalratskandidatin Monique Frey (Grüne) hingegen fuhr im Sommer die Luzerner Gemeinden an – natürlich mit dem Velo.

Noch mehr ins Schwitzen gekommen ist wohl SP-Kantonsrat Hasan Candan, der ebenfalls einen Sitz im Nationalrat holen will. Sein Plan: Joggend alle Gemeinden im Kanton Luzern zu besuchen. Videos von seinen Läufen hat er auf Youtube publiziert:

Auch den Grüne Nationalrat Michael Töngi zieht es raus auf die Landschaft. Er organisiert gar eine ganze Veranstaltungsreihe – zu Themen, die ihm wichtig sind, wie er im Flyer schreibt. Diese reichen von der Stadtentwicklung im Krienser Zentrum über die Rolle der Luzerner Landzeitungen bis hin zur Zukunft der Landwirtschaft. Wie er unterwegs war, ist allerdings nicht bekannt.

Nebst der Reise von A wie Altbüron bis Z wie Zell geben sich die Kandidaten und Parteien allesamt naturnah. Die Jungen Grünen veranstalteten beispielsweise einen Aktiven Samstag mit dem Ziel, den Bireggwald von Abfall zu befreien:

(Bild: PD)

(Bild: PD)

Nachhaltigkeit in den Fokus setzt auch FDP-Nationalratskandidatin Priska Hafner. Statt Geld für Wahlflyer einzusetzen, wolle sie Landwirten und Privaten 100 Hochstammbäume schenken. Bäume pflanzen scheint bei Kandidaten generell in zu sein – diverse CVP-Politiker griffen ebenfalls zur Schaufel.

«Unkoordinierter Sprinkler statt gezielter Strahl»

Louis Perron, Politikwissenschaftler und politischer Berater, sagt zum Wahlkampf der Luzerner Kandidaten: «Die Methode ist nicht neu. Die Kandidaten gehen wie jeher zu den Wählern – ob das nun fahrend, mit dem Velo oder joggend ist.» Diese Art von Wahlkampf erachtet der Experte allerdings als zu wenig strategisch. «In verschiedenen Dörfern Gipfeli verteilen oder eine Standaktion in der Einkaufsstrasse sind wie ein unkoordinierter Wassersprinkler, der zufällig bewässert. Stattdessen sollten Parteien oder Kandidaten besser gezielt einen Strahl spritzen und mobilisieren, wo es sich lohnt.» Perron berät zahlreiche Kandidaten – allerdings keine Luzerner. Immerhin meint er, dass sich der Gang zu den Wählern in einem mittelgrossen Kanton wie Luzern eher auszahlen kann als etwa in Zürich. Er betont, dass Nationalratskandidaten vor allem ihre eigene Klientel mobilisieren müssten. Und Louis Perron führt aus:

«In der Vergangenheit ist das der SVP am besten gelungen. Erfolg versprechen nun grundsätzlich auch die Hausbesuche der FDP oder Telefonanrufe der SP bei ihren Wählersegmenten.»

Anders als bei den Nationalratswahlen, die Proporzwahlen sind, sieht es bei den Ständeratswahlen aus, wo das Majorzsystem gilt und Kandidaten weit über die Parteigrenzen hinaus punkten müssen, um Chancen zu haben. «Ich bin gespannt, ob SVP-Ständeratskandidat Franz Grüter Erfolg haben wird. Mit Bundesrat Ueli Maurer hat er zwar einen prominenten Unterstützer. Dieser kommt aber vor allem bei der eigenen Basis an.»

Social Media ermöglicht direkten Kontakt

Die Luzerner Kandidaten setzen auch auf Social Media. Eine hohe Präsenz zeigen auf Facebook, Twitter oder Instagram etwa Damian Müller (FDP), Ylfete Fanaj oder David Roth (beide SP). Und diverse Kandidaten – etwa der parteilose Polit-Quereinsteiger Florian Studer – sind auf Youtube präsent.

Perron findet: «Social Media lohnt sich vor allem bei den Nationalratswahlen, um die eigene Basis zu mobilisieren.» Es könne helfen, auf der Parteiliste panaschiert und kumuliert zu werden.

«Dank Social Media kann man mit den eigenen Unterstützern ungefiltert kommunizieren und wiederholt präsent sein. Bei den Ständeratswahlen hingegen ist Social Media ein Nebenschauplatz.»

Denn je breiter die Zielgruppe sei, desto unwichtiger seien die sozialen Medien. Generell dürfe deren Bedeutung nicht überschätzt werden: «Der Durchschnittswähler ist in der Schweiz deutlich älter als der Konsument.»

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