Interview

Wahlkampfleiter der Luzerner CVP verspricht: «Wir haben die nötige Demut»

Der Mann hinter den Erfolgen der Luzerner CVP bei den National- und Ständeratswahlen heisst Pirmin Jung. Der 51-jährige frühere Parteipräsident hat als Wahlkampfleiter für einen steigenden Wähleranteil gesorgt. Er sagt, wie ihm das gelungen ist. Und warum seine Partei jetzt nicht abhebt.

Lukas Nussbaumer
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Pirmin Jung, hier fotografiert im Büro seiner Holzbau-Ingenieurfirma in Rain, trat im Frühjahr 2017 als CVP-Präsident zurück. Zwei Jahre später übernahm er die Wahlkampfleitung für die nationalen Wahlen. (Bild: Nadia Schärli, 26. April 2017)

Pirmin Jung, hier fotografiert im Büro seiner Holzbau-Ingenieurfirma in Rain, trat im Frühjahr 2017 als CVP-Präsident zurück. Zwei Jahre später übernahm er die Wahlkampfleitung für die nationalen Wahlen. (Bild: Nadia Schärli, 26. April 2017)

Pirmin Jung, zwischen 2012 und 2017 Präsident der CVP des Kantons Luzern, ist Baumeister der Erfolge seiner Partei bei den nationalen Wahlen: Der 51-jährige Holzbauingenieur aus Eschenbach hat als Wahlkampfleiter dafür gesorgt, dass die CVP wieder stärkste politische Kraft wird im Kanton Luzern und die SVP überholen konnte. So steigerte die CVP ihren Wähleranteil um 1,6 Prozentpunkte und verteidigte ihre drei Sitze im Nationalrat, während die SVP eines ihrer drei Nationalratsmandate verlor und 3,7 Prozentpunkte Wähleranteile einbüsste.

Damit hat Jung eine Scharte aus dem Jahr 2015 ausgewetzt. Er nahm den damaligen Wähleranteilsverlust von 3,2 Prozentpunkten bei den Nationalratswahlen auf seine Kappe. Grund: Er habe zu spät mit der Kandidatensuche begonnen, so der verheiratete Vater von drei Kindern bei seinem Rücktritt als CVP-Präsident Ende April 2017 gegenüber unserer Zeitung.

Wie haben Sie die CVP zurück auf die Erfolgsspur geführt?

Pirmin Jung: Indem wir in der Partei ein Feuer entfachen konnten. Nach den Frühlingswahlen waren sich alle in der Partei bewusst, dass wir einen Kraftakt vollbringen müssen, um drei Nationalratssitze zu sichern. Daraus hat sich ein starker Drive entwickelt, der Glaube, das Ziel zu erreichen, war gross. Alle haben dafür unglaublich viel gearbeitet. So gelang es uns, aussergewöhnlich gut zu mobilisieren.

Sie hätten auch scheitern können, denn in der neuen Legislatur verliert der Kanton Luzern eines seiner zehn Nationalratsmandate. Und die CVP konnte ihren dritten Sitz 2015 ja nur knapp halten.

Die Übernahme der Wahlkampfleitung war eine spannende Herausforderung. Ich war aber immer überzeugt, dass wir es schaffen.

Und wenn Sie gescheitert wären?

Dann hätte ich den Verlust unseres dritten Sitzes im Nationalrat sehr bedauert. Aber ich hätte damit leben können.

Sie sagen, in der CVP brenne das Feuer wieder. Warum?

Zum einen ist es uns gelungen, unsere Themen zu kommunizieren. Zum andern gelang es uns, sehr gute Kandidaten für die Hauptliste und viele bekannte Namen für die Unterlisten zu motivieren. Schliesslich waren auch die Ortsparteien extrem aktiv. Das war vor vier Jahren viel weniger der Fall. Auch national war der Herbst-Wahlkampf ein Erfolg. Ich glaube, viele Wähler sind sich bewusst geworden, dass mit Polpolitik nichts zu erreichen ist. Ich bin sehr zuversichtlich, dass in der nächsten Legislatur in Bern mehr konstruktive Politik im Sinne der CVP gemacht wird.

Erfolgreiche Parteien laufen Gefahr, träge zu werden. Wie wollen Sie Gegensteuer geben?

Wir werden uns nicht auf den Lorbeeren ausruhen, weil wir die nötige Demut haben. Übermut ist fehl am Platz, das ist nicht nur der Parteileitung und mir als Wahlkampfleiter bewusst, sondern auch der Basis.

Die CVP ist mit der FDP wie schon vor vier Jahren eine Listenverbindung eingegangen. Profitiert davon hat jetzt die CVP, während die FDP einen ihrer beiden Nationalratssitze verloren hat. Was war mit der FDP los?

Sie war sich offenbar zu sicher, ihre beiden Mandate halten zu können. Dieser Misserfolg der Freisinnigen wird uns eine Warnung sein.

Die CVP hätte ihre drei Mandate im Nationalrat auch ohne die FDP verteidigt. Sie können künftig auf Listenverbindungen verzichten.

Nein. Wir verfolgen ähnliche politische Ziele. Die Verbindung in der Mitte macht also nur schon aus thematischer Sicht Sinn. Wie gewinnbringend Listenverbindungen sein können, weiss ja auch die GLP. Sie hätte ihren 2015 an die SVP verlorenen Sitz im Nationalrat ohne Schulterschluss mit SP und Grünen nicht zurückerobern können.

Ihre Zeit als Wahlkampfleiter geht mit der stillen Wahl von Andrea Gmür in den Ständerat drei Wochen früher als geplant zu Ende. Werden Sie innerhalb der CVP künftig eine andere Funktion übernehmen?

Nein, auf absehbare Zeit ist das nicht vorgesehen. An Ostern 2020 gebe ich auch das Präsidium der Wahlkreispartei Hochdorf ab. Ich konzentriere mich wieder vermehrt auf meine Firma.

Sie haben als Wahlkampfleiter vorab im Hintergrund gearbeitet, die öffentlichen Lorbeeren heimsen andere ein. Stört Sie das nicht?

Überhaupt nicht, denn ich muss nicht im Mittelpunkt stehen. Die frohen Gesichter, die ich an der Delegiertenversammlung unserer Partei am Dienstagabend gesehen habe, sind meine grösste Genugtuung.