Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Luzerner Vertreter in Bundesbern: Das Hinterland liegt zuhinterst

Der Wahlkreis Willisau ist im Nationalrat gemessen an der Bevölkerungszahl stark untervertreten. Das stört Hinterländer aber nicht – weil sie in der Regierung sehr präsent sind.
Lukas Nussbaumer

Nur 2 der 25 Nationalräte, die den Kanton Luzern in den letzten 20 Jahren in Bern vertreten haben, stammen aus dem Wahlkreis Willisau: die amtierende, wieder kandidierende Ida Glanzmann aus Altishofen und der 2003 abgewählte Karl Tschuppert aus Ettiswil. Die CVP-Frau politisiert seit 2006 in der Grossen Kammer, der FDP-Mann reiste 20 Jahre lang nach Bern.

Bezogen auf die Bevölkerungszahl, ist der Wahlkreis Willisau nach dem Entlebuch der zweitkleinste – und der am stärksten untervertretene. Umgekehrt ist es im Wahlkreis Sursee, der mit acht Bundesparlamentariern in 20 Jahren deutlich übervertreten ist, wie die folgende Grafik zeigt.

Wahlkreis Willisau ist sehr gut in Regierung vertreten

Minderwertigkeitsgefühle kommen im Hinterland deswegen aber nicht auf, wie Ludwig Peyer sagt. Eine Region empfinde ihre politische Vertretung breiter, beziehe also auch den Regierungsrat mit ein, so der Geschäftsführer des Verbands der Luzerner Gemeinden (VLG) und CVP-Kantonsrat aus Willisau. Und was die Vertretung in der Regierung betrifft, kann Willisau wahrlich nicht klagen: Aktuell ist das Hinterland mit Guido Graf aus Pfaffnau (CVP) vertreten, bis in diesem Sommer und während acht Jahren sass zudem FDP-Vertreter Robert Küng aus Willisau, ausserdem zwischen 1995 und 2011 Küngs Parteikollege Max Pfister aus Nebikon.

Ludwig Peyer, der als VLG-Geschäftsführer weiss, wie empfindlich Regionen auf eine Untervertretung reagieren, betont einen weiteren Aspekt:

«Wichtig ist die Ausgewogenheit zwischen Stadt/Agglo und dem Land, nicht primär zwischen den Wahlkreisen.»

Und diese sei in Bundesbern gegeben. Damit hat Peyer Recht: Betrachtet man die Wahlkreise Willisau und Sursee als eine Grossregion und bezieht die geringen Unterschiede zwischen Anspruch und Realität in den anderen Wahlkreisen mit ein, wird die Luzerner Bevölkerung in Bern gut repräsentiert.

Politologe: Parteien können Einfluss nehmen

Auch Tobias Arnold, Politologe bei Interface Politikstudien Luzern, bezeichnet eine ausgeglichene Vertretung der Grossregionen Stadt/Agglo und Land als wichtig. «Das Parlament soll grundsätzlich das Volk repräsentieren. Es wäre aus demokratischer Sicht schlecht, wenn die Stadt oder das Land übervertreten wären.»

Wesentlichen Einfluss auf die Ausgewogenheit der Vertretung im National- und Ständerat hätten die Parteien. «Sie können bei der Gestaltung ihrer Listen die Regionen angemessen berücksichtigen», so Arnold. Weil die einst kantonsweit dominierenden CVP und FDP laufend schwächer würden, sei dies allerdings immer schwieriger umzusetzen.

Nur die CVP war in allen sechs Wahlkreisen vertreten

In den letzten 20 Jahren kann sich nur die CVP rühmen, in jedem der sechs Wahlkreise mindestens einen National- oder Ständerat gestellt zu haben. In drei Wahlkreisen war die grösste Luzerner Partei mit bloss einem Bundesberner Politiker präsent: im Wahlkreis Luzern-Land mit dem abtretenden Ständerat Konrad Graber aus Kriens, im Wahlkreis Entlebuch mit dem 2015 zurückgetretenen Nationalrat Ruedi Lustenberger aus Romoos, und im Wahlkreis Willisau mit der aktuellen Vertreterin Ida Glanzmann aus Altishofen. Die CVP bringt es in 20 Jahren auf neun National- und auf zwei Ständeräte.

Die FDP als ehemals zweitstärkste Luzerner Politkraft und jetzige Nummer 3 war in den letzten fünf Legislaturen ausser im Entlebuch in jedem Wahlkreis mit mindestens einem Parlamentarier vertreten. Die Freisinnigen wurden in den letzten fünf Legislaturen von drei Stände- und fünf Nationalräten vertreten, wobei der 2015 abgetretene Stadtluzerner Georges Theiler sowohl der Grossen (16 Jahre) als auch der Kleinen Kammer (4 Jahre) angehörte.

Die SVP stellte bis jetzt fünf Nationalräte – je zwei aus den Wahlkreisen Luzern-Land und Sursee sowie mit dem erneut kandidierenden, in Emmenbrücke wohnhaften Felix Müri einen aus Hochdorf. Müri ist mit 16 Jahren Präsenz im Nationalrat der amtsälteste Luzerner Bundesparlamentarier, gefolgt von Ida Glanzmann (13 Jahre) und Parteikollegin Yvette Estermann (12 Jahre).
Die Vertreterinnen und Vertreter von SP (zwei) und Grünen (drei) stammen aus je zwei Wahlkreisen, der bislang einzige Vertreter der GLP, Roland Fischer aus Udligenswil, vertrat zwischen 2011 und 2015 den Wahlkreis Luzern-Land. (nus)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.