Wahlen: Luzerner Jugendparlamente empfehlen Papierunterlagen

Wie bewegt man Junge zur Teilnahme an Wahlen und Abstimmungen? Patentlösungen gibt es nicht. Jetzt schalten sich Jugendliche selbst in die Diskussion ein – und widersprechen den Ideen der Luzerner Regierung.

Ismail Osman
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Die Plattform Easyvote bietet Abstimmungs- und Wahlinformationen - sowohl digital wie auch in Papierform - für junge Stimmbürger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Plattform Easyvote bietet Abstimmungs- und Wahlinformationen - sowohl digital wie auch in Papierform - für junge Stimmbürger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Die Zukunft ist digital. Dieses allgegenwärtige Mantra unserer Zeit wird an der Luzerner Kantonsratssession von nächster Woche einmal mehr zum Tragen kommen. Grund dafür ist ein Postulat von Kantonsrat Jörg Meyer (SP, Adligenswil), das die «Politikbeteiligung bei Jugendlichen» fördern soll.

Konkret soll der Kanton, mit Blick auf die Wahlen 2019, ein Jahresabonnement der Abstimmungshilfe Easyvote flächendeckend an alle stimmberechtigten Jugendlichen versenden. Die Easy­vote-Broschüren fassen Abstimmungsvorlagen und Wahlen kurz zusammen und sollen Jugendliche optisch und inhaltlich ansprechen. Auf der entsprechenden Online-Plattform bestehen Pendants in Videoform.

Die Luzerner Regierung beantragt, Jörg Meyers Postulat nur teilweise erheblich zu erklären («Luzerner Zeitung» vom 20. November). Die Regierung argumentiert unter anderem, dass die prognostizierten Kosten von rund 50000 Franken nicht tragbar seien – die Kosten sollten mit Mitteln aus dem Lotteriefonds gedeckt werden. Weiter stützt sich die Regierung auf eine Studie der Universität Bern, welche Videoclips einen höheren Beachtungswert als Drucksachen zuspricht. Entsprechend könne sich die Regierung vorstellen, in die Produktion von Online-Videoclips zu investieren. Damit wäre man dann wieder beim Leitspruch «die Zukunft ist digital».

Zielpublikum muss Videos erst noch finden

Vertreter der Luzerner Jugendparlamente appellieren nun jedoch dafür, die Gegenwart nicht aus den Augen zu verlieren: «Solange die Wahl- und Abstimmungsunterlagen noch in gedruckter Form erscheinen, ist es einfach sinnvoller, dass an Jugendliche gerichtete Informationen, wie jene von Easyvote, direkt mit dem Wahlcouvert versendet werden», sagt Jonas Ineichen, Co-Präsident des Jugendparlaments Kanton Luzern. Gemeinsam mit den Jugendparlamenten Surental und jenem der Stadt Luzern wurde ein Schreiben an alle Kantonsräte verfasst. Darin begrüsst man zwar die Idee von Videoclips, weist aber darauf hin, dass das Zielpublikum diese erst noch finden muss: «Der Antwort der Regierung nach scheint man eigens produzierte Clips ins Auge zu fassen. Wo werden diese hochgeladen?», fragt Ineichen. «Auf der Seite des Kantons oder von Easyvote? Wie viele Jugendliche besuchen realistischerweise von sich aus diese Seiten?» In einem ersten Schritt solle deshalb mit Papierunterlagen auf das Angebot von Easyvote aufmerksam gemacht werden, sind sich die Jungparlamentarier einig und bitten die Kantonsräte, das Postulat zu unterstützen.

Meyer selbst hat bereits angekündigt, auf einer vollständigen Überweisung seines Vorstosses zu beharren.