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Wakeboard-Anlage in Ettiswil: Luzerner Regierung vollzieht verblüffende 180-Grad-Wende

Die Luzerner Regierung beurteilt Wake & Camp in Ettiswil positiver als zuvor ein ganz ähnliches Projekt in Ruswil. Wie eine Vorstossantwort aber auch zeigt, hat die Freizeitanlage noch so einige Hürden zu überwinden.
Evelyne Fischer
Erfrischend: Ein Wakeboarder geniesst in Nordrhein-Westfalen den Ritt auf den Wellen. (Bild: Federico Gambarini/Keystone, 17. Mai 2017)

Erfrischend: Ein Wakeboarder geniesst in Nordrhein-Westfalen den Ritt auf den Wellen. (Bild: Federico Gambarini/Keystone, 17. Mai 2017)

Auf diese Worte dürften die Initianten Bruno Zemp (40) und Willi Bernet (48) gehofft haben: Geht es nach dem Regierungsrat, so ist ihre geplante Wakeboard-Anlage in Ettiswil «innovativ» – und nicht nur dies: «Zusammen mit dem Camping kann ein neues Tourismusangebot geschaffen werden. Dieses trägt zur Steigerung der Wertschöpfung im ländlichen Raum bei und kann zudem einen wirtschaftlichen Anschub für andere Tourismusangebote in der Region Willisau/Wiggertal anstossen.» Bei Wake & Camp, das während Mai bis Oktober 10'000 Besucher anlocken dürfte, würden bis zu acht Sportler auf einem Brett übers Wasser gezogen. Später soll ein Camping mit 70 Stellplätzen, 14 Bungalows und Zelten dazukommen. Für diese Gäste ist ein Badebereich geplant.

Zur Erinnerung: Bei Wake & Camp verschmelzen zwei Ideen. Der Willisauer Willi Bernet wollte 2013 den «Napfpark Wiggertal» realisieren, einen Hotel-, Camping- und Freizeitkomplex. Bruno Zemp plante bis 2012 in Ruswil einen Wakepark. Damals schrieb die Regierung: «Die Anlage ist nicht von übergeordneter kantonaler Bedeutung. Die Anlage überwiegt die wichtigen Interessen an der Sicherstellung der Fruchtfolgeflächen nicht.»

Mehr als doppelt so viele Fruchtfolgeflächen betroffen

Sowohl 2012 als auch 2018 hatte der Grüne Andreas Hofer (Sursee) eine Anfrage eingereicht – entsprechend überrascht ist er über die jetzige Stellungnahme der Regierung: «Zu Ruswil hielt sie unmissverständlich fest: Es sei nicht gerechtfertigt, für die dortige Anlage 3,3 Hektaren Fruchtfolgeflächen zu opfern. Mit Blick auf die knapp 7 Hektaren, die nun in Ettiswil betroffen wären, kann ich die Kehrtwende nicht verstehen», sagt Hofer. Zumal das Projekt – durch den Campingplatz – weit grössere Dimensionen annehme: In Ruswil war ein Parkplatz für 80 Autos geplant, gerechnet wurde mit maximal 200 PW-Fahrten pro Tag in der Hochsaison.

«In Ettiswil sind es nun rund 200 Parkplätze und 450 Fahrten täglich.»

Wie der Verlust der Fruchtfolgeflächen kompensiert wird – es geht um knapp zehn Fussballfelder – ist noch offen. Klar ist hingegen: Der 150 mal 250 Meter grosse, künstliche See muss durch Regenwasser gespiesen werden. Für die angepeilte Tiefe von 1,80 Metern wirds 32'600 Kubikmeter brauchen. Fällt der Wasserstand unter 1,20 Meter, muss der Betrieb temporär eingestellt werden. Die Wasserqualität soll sich stets selber regulieren. «Das stellen sich die Initianten zu einfach vor», sagt Hofer, «gerade wenn ich an die Sonnencreme-Rückstände der Badegäste und an die Algenblüte im Hochsommer denke.» Er staunt, dass noch keine Anwohner opponieren. «Der Lärm vom See und vom Gastrobetrieb wird beträchtlich sein.»

Initianten sehen sich durch Regierung bestärkt

Lauter Widerstand fehlt bislang tatsächlich: Der Gemeinderat unterstützt das Projekt. In einer Umfrage, an der 829 Ettiswiler teilgenommen haben, sprachen sich gemäss einem Bericht des «Willisauer Boten» kürzlich aber 54,4 Prozent gegen «Wake & Camp» aus. Davon lassen sich die Initianten nicht beirren. Im Gegenteil. Die Vorstossantwort bestärkt sie. Bruno Zemp sagt:

«Es freut uns, dass die Regierung die Bedeutung der Anlage erkennt. Der regionale Entwicklungsplan sieht die Förderung und Entwicklung von sanftem und nachhaltigem Tourismus vor. Unsere Anlage erfüllt die Kriterien.»

Der Kanton hat das Projekt im Herbst erstmals beurteilt und eine Überarbeitung verlangt. Der Bericht enthält laut Initianten viele Aspekte, die eine Realisierung «erheblich erschweren», wie sie auf ihrer Webseite schreiben. Zemp: «Für den Kanton macht es keinen Unterschied, ob Land zubetoniert oder ob ein Naherholungsgebiet geschaffen wird.» Welche Verzögerung die Überarbeitung bringt, lässt der Ruswiler offen. «Wir hüten uns mittlerweile vor Zeitangaben. Denn auch für uns gibt es keine Planungssicherheit.»

Auch Rollstuhlsportler sollen wakeboarden

Auf sieben Hektaren Land, die eine Ettiswiler Bauernfamilie im Baurecht abgeben will, soll «Wake & Camp» entstehen. Für den Wake-Park samt Betriebsgebäude rechnen die Initianten mit 2,7 Millionen Franken Investitionen, 3 Millionen bräuchte es für den Campingplatz.
Geprüft wird eine Zusammenarbeit mit dem Schweizer Paraplegiker-Vereinigung. Laut den Initianten hat diese Interesse, die Sportart den Rollstuhlsportlern anzubieten. Auch die Stiftung Cerebral wolle sie bei der Realisierung eines behindertengerechten Campingplatzes unterstützen.

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