Wakeboardanlage in Ettiswil ist definitiv Geschichte

Nach sechs Jahren Arbeit lassen die Initianten ihr Wakeboard-Projekt «Wake & Camp» in Ettiswil fallen. Sie können den Anforderungen des Kantons mit den vorhandenen finanziellen Mitteln nicht gerecht werden.

Linda Leuenberger
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Spritzig: Eine Wakeboarderin bei Lausanne im Genfersee. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (16. August 2018))

Spritzig: Eine Wakeboarderin bei Lausanne im Genfersee. (Bild: Jean-Christophe Bott/Keystone (16. August 2018))

Es hätten sich zwei gefunden gehabt: Willi Bernet und Bruno Zemp arbeiteten seit 2013 am Projekt «Wake & Camp». Darin haben die beiden gelernten Handwerker ihre Visionen fusioniert: eine Wakeboardanlage auf einem künstlichen See in Ettiswil, an einem Campingplatz mit Holzblockhütte. Für den Wake-Park samt Betriebsgebäude rechneten die Initianten mit 2,7 Millionen Franken Investitionen, 3 Millionen bräuchte es für den Campingplatz.

Daraus wird nun nichts: Die Initianten gaben gestern in einer Mitteilung bekannt, dass sie trotz der hohen zeitlichen und finanziellen Aufwände das Projekt einstellen. Der Grund: das Ergebnis der kantonalen Vorprüfung. Dem Bericht sei unter anderem zu entnehmen, «dass die Voraussetzungen für die Einzonung von Fruchtfolgeflächen ausführlicher zu erbringen sowie eine Kompensation darzulegen sei». Weiter wären ein Rückbaukonzept und eine entsprechende Kaution nötig. Und: Die Lärmsituation müsste vertiefter aufgezeigt und die Verkehrserschliessung überdacht werden.

Messlatte des Kantons liegt zu hoch

Bernet und Zemp waren gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar. In der Mitteilung sprechen sie von einer «verpassten Chance» auf eine «einmalige Tourismus- und Freizeitanlage mit überregionaler Ausstrahlung». Doch die Gesetze hätten sich in den letzten Jahren «laufend verschärft» und es bestehe ein grosses Risiko, dass die Politik nicht mitziehe. Deswegen mache es keinen Sinn, weiter Geld in das Projekt zu investieren.

Solche Bedenken haben sich bereits im März herauskristallisiert: Der Tenor im Kantonsrat anlässlich einer Diskussion über Wake & Camp war unverkennbar kritisch bis ablehnend. Auch die interessierten Parteien räumten ein, dass sich die Gegner «berechtigte Sorgen» machen.

Unter anderem hielt man in der Politik die benötigte Wassermenge von 33 Millionen Liter für den künstlichen See für bedenklich und befürchtete grosses Algenwachstum. Darüber hinaus machte die Verbauung von sieben Hektaren fruchtbarem Kulturland Sorgen – vor allem in Anbetracht dessen, dass es sich bei Wakeboardern um eine relativ kleine Randgruppe handle. Zudem wurde der langfristige Erfolg der Anlage in Frage gestellt.

«Projekt hätte neue Impulse gesetzt»

In ihrer Mitteilung schreiben Bernet und Zemp, die Ängste von Seiten der Politik, der Tourismusfachleute und der Anwohner seien verständlich. Es hätte sich immerhin um die schweizweit erste Anlage dieser Art gehandelt. Und doch: Die beiden sind überzeugt, das Projekt hätte im Hinterland neue Impulse gesetzt.

Diese Erkenntnis hätte die Sorgen bezüglich Boden, Lärm und Verkehr zu relativieren vermocht, sind sich die Initianten sicher. Mit einem Elektromotor wäre die Anlage lärmfrei gelaufen. Durch das Wakeboarden gelange zudem viel Sauerstoff ins Wasser, wodurch sich das Algen-Bedenken erübrigt hätte. Der Verkehr hätte sich über den Tag verteilt und die Anlage wäre auch auf ökologischer Ebene ein Plus gewesen: Denn sie hätte sieben Personen zu ziehen vermocht – und wäre damit weit nachhaltiger gewesen als ein Motorboot, das nur einen Sportler zieht.

Auch wenn es theoretisch möglich wäre, den Anforderungen des Kantons gerecht zu werden, fehlt laut Bernet und Zemp die Planungssicherheit. Es bestehe ein grosses Risiko, dass die Politik einen Riegel schiebe, sich die Bevölkerung gegen eine Umzonung ausspreche oder am Schluss Einsprachen und Gerichtsverfahren das Projekt verzögern würden.