WALD: Förster freuen sich über Frost

Die Bedingungen für die Forstarbeit sind aktuell ideal. Insgesamt hemmt der feuchte Winter aber den Holzschlag. Ausgerechnet ein Schädling sorgt für Entlastung.

Stephan Santschi
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Forstunternehmer Sepp Bättig fällt, entastet und zersägt mit dem Vollernter im Wald in Neudorf Tannen und Fichten. (Bild Manuela Jans-Koch)

Forstunternehmer Sepp Bättig fällt, entastet und zersägt mit dem Vollernter im Wald in Neudorf Tannen und Fichten. (Bild Manuela Jans-Koch)

Es wird wieder geholzt in den Luzerner Wäldern – so, wie es im Winter üblich ist. Da die kalte Jahreszeit ihrem Namen aber erst im Verlauf dieser Woche gerecht wurde und davor mit tiefen Temperaturen geizte, kam die Forstarbeit nicht richtig in Schwung. «Die Nässe bereitete uns Schwierigkeiten», sagt Erwin Meier, der Leiter des Staatsforstbetriebs im Kanton Luzern. Wenn die Böden nicht gefrieren, kann das Holz nicht vom Wald an die Waldstrassen transportiert werden. Zu gross wären die Schäden, welche die Forstfahrzeuge am weichen Untergrund verursachen würden. «Mit unseren Maschinen waren wir darum bisher vor allem auf den befestigten und gut ausgebauten Strassen im Einsatz», berichtet Meier.

«Waldbesitzer sind zurückhaltend»

So wie ihm ging es bis vor kurzem den meisten Waldbewirtschaftern. «Mit Ausnahme von Vorbereitungsarbeiten wie dem Fällen und Entasten von Bäumen war der Betrieb eingestellt», sagt Christian Siegrist. Er ist Förster bei der IG Wald Oberseetal – einer von zehn regionalen Organisationen, denen ein grosser Teil der insgesamt 12 000 Waldbesitzer angeschlossen ist. Das Wetter sei aber nicht der einzige Grund für die bescheidene Holzernte, erzählt Siegrist und führt aus: «Der Herbst war trocken und damit ideal für den Holzschlag. Fast besser gar als auf gefrorenen Böden. Doch die privaten Waldeigentümer zeigten sich bereits da sehr zurückhaltend.» Das führe er unter anderem auf den angeblich schlechten Holzpreis zurück, wie es in Fachzeitschriften zu lesen sei. «Doch verglichen mit 2011 ist dieser in den schwachen Sortimenten fast identisch.»

Feuchte Bedingungen hin, schlechter Holzpreis her, Fakt ist: Für die meisten privaten Luzerner Waldbesitzer ist das Holzgeschäft ein Nebenerwerb und kann bei ungünstigen Bedingungen auch mal vernachlässigt werden. Als Konsequenz wäre anzunehmen, dass die hiesigen Sägewerke zu wenig Rohmaterial für ihre Arbeit haben. Doch dem ist grundsätzlich nicht so. Roland Birrer, Leiter des Sägewerks der Tschopp Holzindustrie AG aus Buttisholz, sagt beispielsweise: «Wir haben genug Holz.»

Woran liegts? Birrer lobt die gute Zusammenarbeit mit den langjährigen Lieferanten und erwähnt den trockenen und heissen Sommer des letzten Jahres: «Der Borkenkäfer sorgte dafür, dass wir zu grossen Mengen Zwangsnutzungsholz gelangten.» Das eigene Sortiment erlaube dessen Verwendung, «bei Schalungsplatten, Kisten oder Paletten spielt es nicht so eine Rolle, ob das Holz einige Qualitätsverluste aufweist». Ohne diese Vorräte wäre die Situation nun aber sehr angespannt. «Trotz aller Widrigkeiten benötigen wir auch für das Jahr 2016 wieder 100 000 Kubikmeter Rundholz zur Verarbeitung, und dies möglichst aus der Region», betont Birrer. Das entspreche pro Tag 18 bis 20 Lastwagenladungen.

Holzmangel in Schüpfheim

Prekärer gestaltet sich die Situation bei der Schibi-Holz AG. Im Gegensatz zu Tschopp hat sich der Holzverarbeiter aus Schüpfheim als einer der wenigen im Kanton Luzern auf qualitativ hochwertiges Rundholz spezialisiert. Er ist auf die besten Stücke des Baums, sprich den unteren Teil des Stamms, angewiesen. Daraus entstehen beispielsweise Türrahmen und Fensterkanteln – Produkte also, denen sichtbare Schäden nicht gut anstehen. «Im Moment ist es ganz mühsam, wir haben zu wenig Holz», sagt Urs Distel, der operative Geschäftsführer von Schibi-Holz. Er bedauert, dass die Grossunternehmer der Region, die derzeit über genug Holz verfügen, keine Signale an die Waldbewirtschafter aussenden würden, trotz schwieriger Bedingungen Holz zu schlagen. «Wenn diese Signale nicht kommen, wird wenig geholzt. Das bekommen wir zu spüren.»

Bäume wären anderer Meinung

Distel hofft deshalb ebenso wie Förster und Forstunternehmer, die auf den Schlag von frischem Holz angewiesen sind, dass die aktuell tiefen Temperaturen noch eine Weile anhalten – damit geplante und neue Holzschläge ausgeführt werden können. «Vier Wochen mit minus fünf Grad würden uns glücklich machen», sagt Erwin Meier vom Luzerner Staatsforstbetrieb.

Anders würden sich indes die Bäume äussern, wenn sie sprechen könnten. «Ihnen wäre ein feuchter Winter durchaus recht. In den Böden herrscht aufgrund des trockenen Sommers noch immer ein grosses Defizit an Wasser. Die Niederschläge der letzten Tage reichen da bei weitem nicht aus.» Für Meier steht deshalb fest: «Wer jetzt gegen Schnee und Regen wettert, argumentiert oberflächlich.»

Stephan Santschi