WALD: Grosse Nachfrage nach Forstarbeitern

In der Forstwirtschaft droht Personalmangel. Das Interesse am Beruf ist bei den Jugendlichen da. Doch es fehlen Lehrstellen.

Roseline Troxler
Drucken
Teilen
Stefan Schaller, der im ersten Lehrjahr zum Forstwart ist, setzt in einem Wald bei Wikon Kirschbäume. (Bild Nadia Schärli)

Stefan Schaller, der im ersten Lehrjahr zum Forstwart ist, setzt in einem Wald bei Wikon Kirschbäume. (Bild Nadia Schärli)

Im Wald in Wikon, ganz in der Nähe der Grenze zum Aargau setzt der Lehrling Stefan Schaller Kirschbäume in den feuchten Waldboden. Angeleitet wird er von Lehrmeister Bruno Vogel. Stefan Schaller liegt die Forstarbeit im Blut. Sein Vater leitet ein Forstunternehmen. «Ich mag die Arbeit im Wald. Holzschlagarbeiten gefallen mir am besten.» Stefan Schaller ist einer von rund 15 Lehrlingen im Kanton Luzern in der Forstwirtschaft. Die Lehrlinge werden an sechs Orten ausgebildet. Lehrstellen bieten die kantonale Forstverwaltung, Forstunternehmen, Forstbetriebe von Korporationen und eine regionale Organisation an. Waldberufe gibt es auf allen Stufen – vom Forstpraktiker mit eidgenössischem Berufsattest bis zum Master in angewandten Agrar- und Forstwissenschaften. Doch das Problem ist die Anzahl Ausbildungsplätze.

«Es braucht mehr Lehrstellen»

Erwin Meier, Betriebsleiter beim Staatsforstbetrieb, sagt: «Es braucht im Kanton Luzern mehr Lehrstellen.» Die Nachfrage bei den Jugendlichen wäre da. Sie würden die Arbeit in der Natur schätzen. Ähnlich klingt es bei Bruno Vogel, Forstwart beim Staatsforstbetrieb: «Wir werden überrannt mit Anfragen von Schülern, die eine Lehrstelle suchen.» Erwin Meier fordert zusätzliche Lehrstellen, «damit es zu keinem Engpass beim Forstpersonal kommt». Bereits jetzt gebe es zu wenig ausgebildetes Personal in der Forstwirtschaft. Dies bestätigt Werner Hüsler, Geschäftsführer des Verbands Luzerner Waldeigentümer. «Vor allem in den Gebirgsregionen zeichnet sich ein Fachkräftemangel ab.» Junge Berufsleute bevorzugen die Arbeit mit grossen Forstmaschinen, die vor allem im Mittelland Anwendung finden. «In den Gebirgsregionen braucht es aber Forstarbeiter, die vor allem mit Motorsägen arbeiten und Bäume mit Seilbahnen ins Tal transportieren.» Ein Grund für den Mangel an Forstarbeitern sei, dass immer weniger Landwirte als Nebenverdienst im Wald arbeiten. «Heute handelt es sich beim Beruf des Forstwarts oder des Försters um ein Vollamt. Wir müssen Grundlagen für die Jungen schaffen, damit sie auch 100 Prozent arbeiten können», erklärt Erwin Meier. Auch Werner Hüsler betont, dass es «zu wenig Betriebe gibt, welche Lehrstellen anbieten können».

Problem: Viele Privatwaldbesitzer

Grund sei, dass es im Kanton Luzern wenig Forstbetriebe im klassischen Sinn gebe. Der Luzerner Wald ist laut Erwin Meier sehr kleinstrukturiert. 70 Prozent der Waldfläche sind im Besitz von rund 12 000 Waldeigentümern. Die einzelnen Waldeigentümer können keine Ausbildungsplätze anbieten, so Meier. Die Eigentumsstruktur erschwere die Waldbewirtschaftung. Aus diesem Grund fördert der Kanton neue Strukturen, wie er auf seiner Website schreibt. Waldeigentümer sollen sich daher zu regionalen Organisationen zusammenschliessen. Dies sind private Unternehmen, die den Wald unter Führung einer Fachperson professionell bewirtschaften, das Holz kostengünstig bündeln und kundengerecht liefern. «Auch einzelne Korporationen planen den Zusammenschluss. Denn nur so ist die Waldbewirtschaftung effizient», sagt Meier. Die Anschaffung von Maschinen, welche hoch spezialisiert seien, lohne sich nur bei einer grossen Waldfläche. «Mit dem Zusammenschluss von Korporationen könnten möglicherweise auch mehr Ausbildungsplätze angeboten werden.» Ganz anders als im Kanton Luzern gestalte sich die Situation etwa im Aargau, wo sich der grösste Teil des Waldes im Besitz der Gemeinden befindet. «Da das Waldeigentum im Kanton Aargau weniger kleinräumig verteilt ist, gibt es mehr Lehrstellen.»

Engpass bei den Kaderstellen

Besonders im mittleren und oberen Kader befürchten die Förster in der Zukunft einen Engpass. «Weil die Basis heute fehlt, werden zu wenig Berufsleute eine höhere Ausbildung in der Forstwirtschaft absolvieren. Daher wird qualifiziertes Fachpersonal in Zukunft fehlen», erklärt Bruno Vogel. Dies sieht auch Erwin Meier so: «Es gibt eine hohe Durchlässigkeit, das heisst viele Möglichkeiten zur Weiterbildung. Doch es braucht auch junge Berufsleute, welche diesen weiteren Weg gehen.» Mit der zunehmenden Professionalisierung der Forstwirtschaft – wie dem Zusammenschluss in regionale Organisationen – seien Berufsleute, die eine höhere Fachschule absolviert haben, umso gefragter.