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WALD: Luzern gehen die Fichten aus

Die wichtigste Baumart in der Holzverarbeitung zieht sich aus tiefen Regionen zurück. Der Klimawandel macht der Fichte zu schaffen – nun suchen Holzproduzenten nach neuen Lösungen.
Christian Hodel
Forstfachperson Patrik Hofer begutachtet einen Fichtenbestand im Gebiet Lifelen in der Gemeinde Schwarzenberg. (Bild Nadia Schärli)

Forstfachperson Patrik Hofer begutachtet einen Fichtenbestand im Gebiet Lifelen in der Gemeinde Schwarzenberg. (Bild Nadia Schärli)

Es ist der wichtigste Rohstoff in der Schweizer Bauholzverarbeitung: Fichtenholz. Es ist leicht, widerstandsfähig und trocknet schnell. Nun aber droht die Fichte in Teilen unserer Region zu verschwinden. Die Baumart werde im Mittelland vermehrt in Bedrängnis geraten, schreibt die «Schweiz am Sonntag». Der Klimawandel und damit die heisser werdenden Sommer setzt ihr arg zu.

Anfällig auf Borkenkäferbefall

«Reine Fichtenwälder mit grosser Ausdehnung sind im Kanton Luzern bereits heute eher selten», sagt Patrik Hofer, Forstfachperson der regionalen Organisation Pilatus Nord, auf Anfrage. Die derzeitige Hitze trockne die Böden aus. Die Fichte mit ihren nur flachen Wurzeln könne zu wenig Wasser aufnehmen und schwächelt. «Damit bietet sie eine Angriffsfläche für den Borkenkäfer, der den Baum zerstört», sagt Hofer. Andere Baumarten seien von diesem Schädling nicht betroffen.

Im Moment sei es in den Luzerner Wäldern noch relativ ruhig rund um den Borkenkäfer, sagt Alex Arnet, Leiter Fachbereich Waldnutzung der Dienststelle Landwirtschaft und Wald des Kantons Luzern.

Bestand nahm um 9 Prozent ab

Doch der Borkenkäfer ist nicht alleine schuld für den Rückgang des Fichtenbestands. «Er ist lediglich das Symptom, dass es den Fichten nicht gut geht», sagt Hofer. Im Kanton Luzern hat der Fichtenbestand in den vergangenen Jahren deutlich abgenommen. Betrug der Fichtenvorrat gemäss Daten des schweizerischen Landesforstinventars zwischen 1983 und 1985 noch 50 Prozent, fiel dieser zwischen 2009 und 2013 auf 41 Prozent (siehe Tabelle). Will heissen: Fichtenbäume machen derzeit rund 41 Prozent des Volumens des gesamten Baumvorrats im Kanton Luzern aus. Somit ist die Fichte noch immer die wichtigste und meistverbreitete Baumart im Kanton – gefolgt von der Tanne (29 Prozent) und der Buche (17 Prozent).

Reaktion auf Orkan «Lothar»

Dennoch: Das Waldbild im Kanton Luzern hat sich laut Werner Hüsler, Geschäftsführer des Verbands Luzerner Waldeigentümer, in den vergangenen 15 Jahren deutlich verändert. «Nach dem verheerenden Sturm ‹Lothar› im Jahr 1999 setzten die Waldeigentümer, auch aus Kostengründen, vor allem auf die Naturverjüngung.» Wo diese fehlte, wurde laut Hüsler hauptsächlich Laubholz und weniger Fichten angepflanzt. «Damit hat sich die Durchmischung der Wälder deutlich verbessert, und sie sind robuster gegen Sturmereignisse», sagt Hüsler.

Damals, am Stephanstag 1999, forderte der Orkan «Lothar» in der Schweiz 14 Todesopfer. Er fegte ganze Wälder um – laut Schätzungen fielen rund 15 Millionen Bäume zu Boden.

Zurück in natürliche Umgebung

Trotz der teils gewollten Abnahme des Fichtenbestands wird die Baumart «auch künftig in den tieferen Regionen vorhanden sein», sagt Arnet. Aber: Sie wird Mühe bekommen, sich durchzusetzen, weil sie das veränderte Klima nicht verträgt. Denn heimisch ist die Baumart eigentlich auf Höhen über 800 Metern, wo sie heute anzutreffen ist und sich laut Experten künftig weiter verbreiten wird.

Vor rund 150 Jahren begannen die Waldbesitzer die Fichte aber für die Holzverarbeitung grossflächig auch in tief gelegenen Wäldern anzubauen. «Sie ist der Brotbaum eines jeden Waldbesitzers», sagt Hofer von der regionalen Organisation Pilatus Nord. Will heissen: Die Fichte bringt den Produzenten als Massenware die besten Preise. Auch heute noch, obwohl die Preise in den vergangenen Jahren massiv gesunken sind. «Realisierte der Waldeigentümer in den 1970er-Jahren für einen Kubikmeter Fichtenholz noch bis 200 Franken, ist dies heute kaum mehr die Hälfte», sagt Werner Hüsler vom Verband der Luzerner Waldeigentümer. Trotz boomender Bautätigkeit in der Holzbranche: Immer mehr verarbeitetes Schnittholz wird laut Hüsler importiert. «Mengen, die dem Schweizer Wald abgehen.»

«Ganz Europa setzt auf Fichte»

Ein Problem sei, dass «die Fichtenwälder in der Schweiz nicht mehr mit neuen Fichten bepflanzt werden», sagt Ernest Schilliger, Verwaltungsratspräsident der Schilliger Holz AG, mit 320 Mitarbeitern und je einem Produktionsstandort in Haltikon bei Küssnacht, Perlen sowie im französischen Volgelsheim. Dies schade der ganzen Holzverarbeitungsindustrie.

Denn die Fichte, die in der Regel nach gut 50 Jahren gefällt werden kann, sei der wichtigste Baum für die Holzbranche. «Ganz Europa setzt auf diese Baumart. Alle Normen bauen auf der Fichte auf», sagt Schilliger. Dass die Bestände in unserer Region immer weniger werden, sei nicht nur dem Klimawandel zu schulden, so Schilliger. «Die Forstpolitik fördert seit gut 15 Jahren im Sinne der Biodiversität das Laubholz. Leider bleibt da die Industrie auf der Strecke.» Für Laubholz gebe es keinen Markt.

Derzeit wird an Schilligers Produktionsstandort in Frankreich Fichtenholz aus Frankreich und Deutschland verarbeitet – rund 240 000 Kubikmeter pro Jahr. An den Schweizer Standorten sind es etwas mehr, nämlich 280 000 Kubikmeter. Unter die Maschinen kommt hier nur Schweizer Holz. Ernest Schilliger sagt: «Wird der Bestand an Schweizer Fichtenholz weiter abnehmen, wird sich die nächste Generation überlegen müssen, auch ausländisches Holz zu verarbeiten.»

Weisstannen nehmen Platz ein

Damit auch künftig Schweizer Bauholz zur Verfügung steht, müssen neue Lösungen her. «Viele Waldbesitzer setzen auf eine Kombination der Baumarten», sagt Hofer. Fichten zusammen mit Douglasien und Weisstannen sei nebst Laubholz etwa eine bevorzugte Mischung. Weisstannen etwa haben laut Hofer ähnliche Eigenschaften wie die Fichte. «Jedoch braucht dieses Holz länger zum Trocknen und ist schwerer.» Klar ist ihr Vorteil: Die Weisstanne ist auch in tiefer gelegenen Wäldern heimisch und vom Klimawandel weniger betroffen.

Im Kanton Luzern teilen sich laut dem Verband der Luzerner Waldeigentümer rund 12 000 Eigentümer 40 000 Hektaren Wald. Dies entspricht rund 30 Prozent der Kantonsfläche und ist seit Jahren konstant.

Christian Hodel

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