Waldwirtschaft lohnt sich nicht mehr: Nun fordern Luzerner Waldkorporationen eine finanzielle Unterstützung

Der Klimawandel macht dem Luzerner Wald zu schaffen: Es wird wärmer und stürmischer. Das stellt Korporationen vor Herausforderungen. Sie müssen viel mehr arbeiten – mit viel weniger Ertrag.

Martina Odermatt
Drucken
Burglind richtete auch bei der Alpeliegg in Finsterwald im Entlebuch erheblichen Schaden an. Die Korporationen geraten aufgrund der veränderten Wetterverhältnisse immer mehr unter Druck.

Burglind richtete auch bei der Alpeliegg in Finsterwald im Entlebuch erheblichen Schaden an. Die Korporationen geraten aufgrund der veränderten Wetterverhältnisse immer mehr unter Druck.

Bild: Martina Odermatt (Finsterwald, 16. Dezember 2019)

Wenn dunkelgraue Wolken bedrohlich am Himmel hängen, der Regen auf den Asphalt peitscht und der Wind um die Häuserecken pfeift, dann sind erste Sturmschäden bereits am Tag danach zu erkennen: Äste und Laub auf den Strassen, umgeknickte Bäume im Wald.

Bis sich die Natur allerdings von diesen Schäden erholt, braucht es Jahre. Burglind blies uns vor gut zwei Jahren um die Ohren - und die Luzerner Waldeigentümer kämpfen noch immer mit den Folgen des Sturms. Aufgrund der Schäden wurde ausserordentlich viel Holz aus den Wäldern gezogen; der Markt war übersättigt, der Holzpreis sank. Rund 10 bis 15 Jahre dauert es, bis sich der Preis am Holzmarkt nach einem Sturm wie Burglind oder Lothar wieder normalisiert. Und die Branche kämpft mit einem weiteren Problem: Dem Borkenkäfer. Holz, das nicht sofort abtransportiert werden kann, bietet für ihn ein ideales Zuhause.

Aktuell stehen die Waldbesitzer vor zwei Herausforderungen: Einerseits sind dies die Temperaturanstieg und die Trockenheit. Die Baumgrenze steigt, es kommt häufiger zu starken Stürmen und somit auch zu Schadholz. Dieses zu beseitigen, ist aufwendiger und somit auch teurer, als normales Holz zu schlagen. Andererseits stelle sich die Frage, was man mit dem Holz mache. «Eigenes Holz fortführen und gleich wieder neues pflanzen, können sich viele gar nicht mehr leisten, denn man bekommt für Holz ja fast kein Geld mehr», sagte Joachim Zemp, Vorstandsmitglied des Verbands Luzerner Korporationen (VLK) und Präsident der Korporation Romoos gestern an der ersten Pressekonferenz des Verbandes überhaupt.

Verband fordert Politik

Die Korporationen schlagen Alarm: Kurz- bis mittelfristig sehe man schwarz für den Wirtschaftswald, wenn nicht jetzt Massnahmen ergriffen würden. Denn anders als beim Schutzwald, der subventioniert wird, arbeiten Korporationen lediglich mit dem Ertrag, den sie durch die Forstwirtschaft verdienen. «Der Wald ist für die Korporationen oft die existenzielle Grundlage», sagte Ludwig Peyer, (CVP-Kantonsrat, Willisau), Präsident des VLK gestern an der ersten Pressekonferenz des Verbandes überhaupt. «Wir machen uns grosse Sorgen. Wie geht es weiter mit dem Wald?» Die Korporationen besitzen ungefähr einen Fünftel der Luzerner Waldfläche

Um der Situation Herr zu werden, hat der Verband Forderungen formuliert, die er an die Politik stellt. «Es muss sich wieder lohnen, in den Wald zu investieren», sagte Joachim Zemp. Gäbe es bei einem Sturm Schäden, so gehe das Werk von drei Generationen kaputt. Und es dauere nochmals drei Generationen, bis aus Jungwald wieder Wertschöpfung generiert werden könne. «Was heute nicht angepflanzt wird, fehlt in 30 oder 50 Jahren schmerzlich.»

Das Kernanliegen der Korporation ist jedoch die Gleichstellung von Schutz- und Wirtschaftswald. «Während der Schutzwald vor allem Land und Siedlungen vor Erosion schützt, übernimmt der gesamte Wald, also auch der Wirtschaftswald, eine Schutzfunktion für das Klima, indem er CO2 bindet», so Zemp weiter. Waldpflege werde so auch im Wirtschaftswald zu einer wichtigen öffentlichen Aufgabe und sei deshalb auch gleichwertig zu finanzieren. Die herkömmliche Unterscheidung zwischen Schutzwald und Wirtschaftswald müsse hinterfragt werden.

Als Beispiel für eine sinnvolle staatliche Stützung nennt der CVP-Politiker etwa die Jungwaldpflege, welche von Bund und Kanton gegenwärtig mit einer halben Million Franken unterstützt wird. Peyer fordert, dass dieser Beitrag «massiv erhöht» wird. Er spricht von einer Verdoppelung. Gemeinsam mit WaldLuzern, dem Verband Luzerner Waldeigentümer, soll im Kantonsrat bald ein entsprechender Vorstoss eingereicht werden. Peyer ist zuversichtlich, dass dieser im Kantonsrat durchaus Chancen hat.

Ohne Unterstützung fehlt der Anreiz

Doch wieso soll der Staat Korporationen und andere private Waldeigentümer finanziell unterstützen, die mit der Forstwirtschaft Geld verdienen? «Wenn wir keine Unterstützung erhalten, fehlt der Anreiz, den Wald auch nachhaltig zu pflegen. Wenn man den Wald sich selbst überlässt, wächst Gestrüpp nach, kein Bauholz. Und dann haben wir irgendwann im schlimmsten Fall kein Luzerner oder Schweizer Holz mehr, um damit zu bauen, sondern müssen es vom Ausland importieren. Auch die CO-2 Speicherqualität des Waldes wäre dann schlechter».

Doch wieso soll der Staat Korporationen finanziell unterstützen, die mit der Forstwirtschaft Geld verdienen? «Wenn wir keine Unterstützung erhalten, fehlt der Anreiz der Förster, ihren Wald auch zu pflegen. Wenn man den Wald sich selbst überlässt, wächst Gestrüpp nach, kein Bauholz. Und dann haben wir irgendwann im schlimmsten Fall kein Luzerner oder Schweizer Holz mehr, um damit zu bauen, sondern müssen es vom Ausland importieren.»

Stichwort Bauholz: Der VLK fordert auch, dass die öffentliche Hand mehr in Holzbauten investiert, damit man das geschlagene Holz auch weiterverwerten kann. «Wir stellen eine Schlechterstellung von Schweizer mit ausländischem Holz fest», sagt Joachim Zemp. Daher werde heute aus Kostengründen leider viel Holz liegengelassen, das dann anfällig sei für Käferbefall. Auch würden die Flächen nicht mehr aufgeforstet. «Viele kleine private Waldbesitzer haben ihren Wald bereits aufgegeben.»

Der Luzerner Wald gehört zu einem Fünftel Korporationen, derzeit bestehen im Kanton 77 Korporationen. Sie wollen den Wald wirtschaftlich nutzen, doch in den Wald zu investieren, lohnt sich für sie je länger je weniger.