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Wandern: «Landschaftlich sind wir Schweizer äusserst verwöhnt»

Gut sieben Jahre hat Hans Wiesner den Wanderspezialisten Imbach-Reisen geprägt. Nun tritt er ab, blickt zurück und erklärt, weshalb eine Wanderreise in Italien schon am Busfahrplan scheitern kann.
Dominik Buholzer
Waschechter Wandervogel: Hans Wiesner. (Bild: Roger Grütter, 15. Mai 2018)

Waschechter Wandervogel: Hans Wiesner. (Bild: Roger Grütter, 15. Mai 2018)

Hans Wiesner ist in seinem Element. Er fuchtelt mit den Händen und lacht immer wieder laut. Ja, für die Einheimischen seien sie schon mal Sonderlinge. «Das, was wir in Italien oder Griechenland tun, würde ein Einhei­mischer nie machen», sagt er ­lachend. Es geht ums Wandern, die grosse Leidenschaft von Wiesner. «Es ist eine Lebensart», korrigiert er. Es gebe einem Raum, mache den Kopf frei und habe sich in den vergangenen zehn Jahren zusehends zu einem Gegentrend zur Digitali­sierung entwickelt. «Aus diesem Grund sind auch zusehends mehr Junge in den Bergen unterwegs», sagt er. Hans Wiesner (64) ist seit 2011 Geschäftsleiter von Imbach-Reisen. Das Unternehmen mit Sitz beim Löwencenter in Luzern hat sich auf Wanderreisen im Ausland spezialisiert und feiert heuer sein 50-Jahr-Jubiläum. Seit 2003 gehört Imbach-Reisen zur Twerenbold-Gruppe. Ende November übergibt Wiesner die Geschäftsführung an Martin Fehrlin.

Beim Wandern setzen Schweizer auf Swissness

In seiner Zeit als Geschäftsführer bei Imbach-Reisen hat Wandern einen Aufschwung erlebt. Das Gleiche gilt auch für Wanderreisen. Trotz des Booms: Es sei ein Nischengeschäft, stellt Wiesner klar. Das heisst, das grosse Geld ist damit nicht zu machen, aber dafür liegen auch die Erwartungen der Eigentümerfamilie tiefer. «Die Twerenbolds sind zufrieden, wenn Ende Jahr ein paar Äpfel im Korb liegen, und nicht noch eine Ananas oder Mangos.» Wiesner ist dies nur recht. Das Massengeschäft ist eh nicht sein Ding. «Das wird von den deutschen Konzernen bestimmt. Die können dank ihrer Grösse die Produkte billiger anbieten. Gegen die hätten wir keine Chance», sagt er. Imbach-Reisen profitiert davon, dass Schweizer auf die Karte Swissness setzen, wenn es ums Wandern geht. Dann zieht man die Gesellschaft von Landsleuten einer rein deutschen Wandergruppe vor. Im Wanderreise-Geschäft werden kleinere Brötchen gebacken, dafür steckt laut Wiesner mehr Herzblut drin: «Eine Wanderung auf Karpathos können Sie nicht auf booking.com buchen. Da müssen wir Mehrwert bieten.» Aus gutem Grund: Schweizer Reisende setzen nicht nur auf Qualität, sondern sind auch verwöhnt, und dies ist nicht im ­negativen Sinn zu verstehen. «Wenn Sie in der Schweiz wandern gehen, dann sehen Sie praktisch jede halbe Stunde etwas Neues. Das ist im Ausland nicht immer der Fall», sagt Wiesner. Auch lässt sich eine solche Reise nicht so einfach in eigener Regie zusammenstellen. «Finden Sie mal den aktuellen Busfahrplan auf Sardinien im Internet», sagt Wiesner. Da würden die Probleme bereits beginnen. Denn oft hänge an den Haltestellen noch der Fahrplan aus dem Vorjahr. Mit dieser Herausforderung ist Imbach-Reisen ständig konfrontiert: Es gilt, etwas Spezielles zu bieten. Das muss oft nichts Grosses sein. Es seien die kleinen, authentischen Begegnungen, die es ausmachen würden, sagt Wiesner. Der Besuch beim Bauern, der noch selber Käse herstelle, oder bei einem Wirt ohne Speisekarte, aber einem Tagesmenü aus lokalen Produkten. Spanien, Italien, Griechenland: Das sind des Schweizers ­beliebteste Wanderdestinationen im Ausland. Immer mehr gefragt sind die Algarve sowie Madeira. Aber auch Elba steht hoch im Kurs, wie überhaupt alle Inseln bei Schweizern einen Bonus haben. «Weil wir kein Meer haben, lieben wir Schweizer Inseln», sagt Wiesner. Angesprochen fühlen sich Personen zwischen 45 und 75 Jahren, jüngere sind zwar sehr willkommen, zählen aber nicht zum Zielpublikum. 30-Jährige hätten in der Regel noch andere Reisebedürfnisse. Der soziale Aspekt der Reisen ist nicht zu unterschätzen: Rund die Hälfte der Teilnehmer sind Alleinreisende.

Nächstes Ziel: Antarktis

Im November ist Schluss für Wiesner. Er wird dann die operative Führung abgeben. Die eine oder andere Wanderreise wird er aber weiterhin leiten, jedoch zuerst einmal zusammen mit seiner Frau auf eine Reise in die Antarktis gehen. Auf jeden Fall wird es ihm dann nicht mehr passieren, dass er am Morgen im Bahnhof neidisch wird, wenn er Wanderer aufbrechen sieht, während er ins Büro muss. «Ich werde dann ­vielleicht ein Foto von einem Berggipfel an meine ehemaligen Arbeitskollegen schicken.»

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