Wann darf das Kind zum Vater? Weshalb sich eine Mutter und ein Vater vor Gericht bekämpfen

Die Luzerner Behörden und Gerichte mussten sich gleich mehrmals mit einem Sorgerechtsstreit befassen.

Roger Rüegger
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Das Luzerner Kantonsgericht am Hirschengraben 16 in der Stadt Luzern.

Das Luzerner Kantonsgericht am Hirschengraben 16 in der Stadt Luzern.

Bild: Pius Amrein

Die Beziehung eines Paares war nach der Geburt der gemeinsamen Tochter zerbrochen. Anstatt dass sich die 40-jährige Frau und der etwa gleichaltrige Ex-Partner friedlich getrennt hätten, beschuldigen sie sich und prozessieren.

Zuletzt kreuzten sie letzte Woche im Luzerner Kantonsgericht die Klingen, notabene ohne sich dabei eines Blickes zu würdigen. Die Frau war als Beschuldigte anwesend, der Mann als Privatkläger. Es ging um die Betreuung des Kindes und um die Besuchszeiten. Die Frau hat ihrem Ex-Partner mehrere Male das Besuchsrecht der heute sechsjährigen Tochter verwehrt, beziehungsweise, sie brachte das Mädchen nicht zum verabredeten Zeitpunkt zum Vater. So hat sie das Kind einmal erst am Freitagmorgen übergeben. Vereinbarter Termin vom Kantonsgericht war jedoch der Donnerstagabend.

Daraufhin reichte der Mann Strafantrag wegen Entziehung von Minderjährigen ein. Das war vor eineinhalb Jahren. Den Kantonsrichtern sagte die Beschuldigte, ihre Tochter habe ihr von sexuellen Übergriffen des Vaters erzählt. Er soll sich nackt zu ihr ins Bett gelegt haben. Dann habe er sie mit dem Finger am Fudi berührt. «Ich wollte ihm das Kind nicht entziehen. Ich wollte nur das Kind schützen. Es hatte Angstzustände und wollte nicht zum Papi gehen», schildert sie den Grund für ihr Verhalten.

Einsprachen, Strafanträge und aufgehobene Urteile

Die Staatsanwaltschaft bestrafte die Frau im Juni 2018 wegen mehrfacher Entziehung von Minderjährigen mit einer bedingten Geldstrafe von 40 Tagessätzen zu je 60 Franken und einer Busse bei einer Probezeit von zwei Jahren. Die Beschuldigte erhob dagegen Einsprache. Die Staatsanwaltschaft hielt am Strafbefehl fest und überwies diesen ans Bezirksgericht Kriens. Nachdem ein erneuter Strafantrag des Vaters gegen die Frau wegen Entziehen von Minderjährigen erfolgte, erliess die Staatsanwaltschaft wieder einen Strafbefehl und verurteilte die Frau zu einer unbedingten Geldstrafe, worauf die Beschuldigte abermals eine Einsprache erhob.

In der Zwischenzeit reichte die Frau einen Strafantrag gegen den Privatkläger ein. An der Verhandlung am 21. März 2019 am Bezirksgericht Kriens wurde die Beschuldigte von den Vorwürfen der mehrfachen Entziehung von Minderjährigen freigesprochen. Gegen dieses Urteil meldete der Privatkläger Berufung an. Sein Vertreter beantragte einen Schuldspruch für die Frau, ausserdem eine Entschädigung für seinen Mandanten. Das Urteil wird den Parteien schriftlich zugestellt.

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