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Luzerner Kinder bleiben immer länger im Kindergarten

Im Kanton Luzern geht die Mehrheit der Kinder zwei Jahre oder sogar noch länger in den Kindergarten. Entsprechend spät werden sie eingeschult. Das ist nicht in jedem Fall gut, sagt eine Expertin.
Niels Jost
Kindergärtler in Kriens während des Unterrichts. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Kindergärtler in Kriens während des Unterrichts. (Archivbild Eveline Beerkircher)

Seit gut zwei Jahren gilt im Kanton Luzern ein neues Schulangebot. In allen Gemeinden haben Eltern die Möglichkeit, ihre Kinder zwei Jahre in den Kindergarten oder in die Basisstufe zu schicken – obwohl nur ein Jahr obligatorisch ist. Das Eintrittsalter für das obligatorische Jahr liegt beim erfüllten fünften Altersjahr, in den meisten anderen Kantonen ist es bei vier Jahren. Auf Gesuch hin ist auch ein früherer oder späterer Eintritt möglich, ebenso ein halbjährlicher Eintritt.

Neueste Zahlen aus dem Schuljahr 2017/18 zeigen jetzt: Nur etwa knapp die Hälfte der Kinder geht beim obligatorischen Eintrittstermin in den Kindergarten. Etwas weniger als die Hälfte wird schon mit vier Jahren losgeschickt, knapp 10 Prozent erst sechsjährig.

«Ein künstliches Zurückhalten ist wenig sinnvoll, weil dem Kind ein grosses kognitives, soziales und emotionales Anregungspotenzial vorenthalten würde.»

Lucia Amberg, PH Luzern

Die Zahlen zeigen auch, dass die Mehrheit der Kinder – über 60 Prozent – nicht nur das obligatorische Kindergartenjahr absolviert, sondern auch das freiwillige, zweite Jahr besucht. «Diese Zahl der zwei- und mehrjährigen Verweildauer im Kindergarten hat in den letzten zwei Jahren um zehn Prozent zugenommen, da nun alle Gemeinden dieses Angebot haben», sagt Charles Vincent. Der Leiter der Dienststelle Volksschulbildung rechnet in den nächsten Jahren mit einer weiteren Zunahme der zweijährigen Verweildauer im Kindergarten, wie die Entwicklung in anderen Kantonen zeige.

Individuelle Entwicklung ist entscheidend

Doch was ist besser – ein eher früherer oder späterer Schuleintritt? Ein Richtig oder Falsch gebe es nicht, sagt Erziehungswissenschaftlerin Lucia Amberg. Sie leitet den Studiengang Kindergarten/Unterstufe an der Pädagogischen Hochschule (PH) Luzern und betont, dass sowohl beim Eintritt in den Kindergarten als auch beim Übertritt in die Primarstufe der individuelle Entwicklungsstand des Kindes von zentraler Bedeutung ist. Diesen zu beurteilen sei sowohl die Aufgabe der Eltern als auch der Lehrperson.

Grundsätzlich hält Amberg fest: «Ein künstliches Zurückhalten ist wenig sinnvoll, weil dem Kind dadurch ein grosses kognitives, soziales und emotionales Anregungspotenzial vorenthalten würde. Kinder lernen bevorzugt von anderen, die ihnen eine Nasenlänge voraus sind.» Gleichzeitig sei aber auch eine verfrühte Einschulung nicht förderlich: «Wenn ein Kind gewisse Kompetenzen noch nicht aufbauen konnte, ist es angezeigt, auch über eine Rückstellung zu sprechen», sagt Amberg.

Basisstufen-Modell mit vielen Vorteilen

Das kann aber auch heikel sein. Eltern könnten ihr Kind ganz bewusst länger im Kindergarten lassen, damit es dann in der Schule reifer und besser ist als seine Mitschüler. So hätte es womöglich Vorteile bei der späteren Berufswahl oder beim Übergang ans Gymi. Diese Motivation blendet nach Lucia Amberg jedoch viele Aspekte aus. Sie sagt: «Für den späteren Übertritt auf die Sekundarstufe 1 ist auch die weitere Entwicklung während der Primarschulzeit und die Lernmotivation entscheidend. Darauf kann sich sowohl eine Über- wie auch eine Unterforderung negativ auswirken.»

Die Frage nach dem optimalen Eintritts- und Einschulungsalter kann Amberg zwar nicht pauschal beantworten. Sie streicht aber die Vorteile eines altersdurchmischten Unterrichten hervor. Dieses würde zum Beispiel mit dem Basisstufen-Modell umgesetzt. Die Basisstufe verbindet den zweijährigen Kindergarten und die ersten zwei Jahre der Primarschule. Alle Kinder werden also gemeinsam unterrichtet. «Mit dem Modell und der Aufhebung der strukturellen Trennung von Kindergarten und Primarschule besteht die Möglichkeit, den Unterricht noch konsequenter am Entwicklungs- und Lernstand der Kinder und nicht an ihrem Alter auszurichten», sagt die Erziehungswissenschaftlerin und fügt an: «Der Übergang von spielerischen Tätigkeiten zu stärker aufgabenorientiertem Lernen kann fliessend erfolgen.»

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