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War der Kaiman ein Wels? Die Aargauer Kantonspolizei zweifelt

Ein Wels-Fang bringt möglicherweise eine Wende in die Geschichte des noch immer nicht bestätigten Kaimans im Hallwilersee. Die Kantonspolizei hält die neue Theorie für «gewagt». Die Ermittlungen gehen weiter.
Eva Berger

Mitte Juli hat ein Fischer die Polizei alarmiert, weil er im Hallwilersee bei Beinwil am See ein exotisches Tier gesehen haben will. Etwa anderthalb Meter gross sei das Reptil gewesen, das plötzlich an der Wasseroberfläche erschienen und nach einer Jung-Ente geschnappt habe. Aufgrund der Beschreibung gingen Fachleute davon aus, dass es sich um einen Kaiman handeln könnte.

Die Suche war bislang erfolglos, ein krokodilartiges Lebewesen ging im Hallwilersee weder in ein Fischernetz noch in eine Fotofalle der Jagdverwaltung. Die Aufregung war gross, die Zweifel an der Geschichte ebenso. Ein Hecht habe einen ähnlichen Kopf wie ein Kaiman, eine simple Verwechslung könnte die Erklärung sein, hiess es etwa. Andererseits meldeten sich in den Tagen nach der ersten Sichtung weitere Personen, die den Kaiman gesehen haben wollen.

Wels hatte einen Haubentaucher im Magen

Am Sonntag nun meldete die «SonntagsZeitung», dass ein Fischer, der anonym bleiben möchte, wenige Tage nach der ersten Meldung über den Kaiman einen Wels aus dem Hallwilersee gezogen hat. Der Fischer hat in dem Tier – halb im Rachen, halb im Magen – einen Haubentaucher gefunden – ein Tier, das man mit einer jungen Ente verwechseln kann. Durch den Zeitpunkt des Fangs und die letzte Mahlzeit des Fisches liegt für die Zeitung der Schluss nahe: Kein exotisches Reptil, sondern ein einheimischer Fisch war es, der gesehen worden war.

Wie es aussieht, wenn ein Wels Vögel jagt, sehen Sie im Beitrag von «Tele M1»

Für die Polizei ändert sich vorerst nichts

Auf die Ermittlungen habe diese Meldung keinen Einfluss, sagt Roland Pfister, Dienstchef Kommunikation der Kantonspolizei Aargau. «Tatsache ist, dass der Kaiman bisher nicht gefunden wurde, verschiedene Leute aber gemeldet haben, einen solchen gesehen zu haben». Die Schilderungen seien glaubhaft gewesen und von Fachleuten entsprechend beurteilt worden. «Wir haben keine Beweise für die Existenz eines Kaimans im Hallwilersee, dass es ihn nicht gibt, kann aber auch niemand mit Sicherheit sagen», so Pfister. Er hält denn auch die Schlagzeile der «SonntagsZeitung», wonach der Kaiman ein grosser Wels sei, für «gewagt».

Entwarnung gibt es also nicht. Kaimane unterstehen dem Artenschutzübereinkommen. Wer sie als Haustiere halten will, braucht eine Bewilligung und ist entsprechend registriert. Unter anderem anhand dieses Verzeichnisses versucht man derzeit, herauszufinden, ob ein Tier vermisst wird oder ob eines ausgesetzt wurde. Letzteres wäre laut Pfister ein Straftatbestand. «Das Tier kann aber beispielsweise auch von jemandem aus dem Ausland eingeführt und nie hier registriert worden sein», so der Polizeisprecher. Es sei also durchaus möglich, dass nie abschliessend geklärt werde, um welches Tier es sich bei der Sichtung des Fischers gehandelt hat. Dieser war am Sonntag für die «Aargauer Zeitung» nicht erreichbar.

Rekordwels war 2,74 Meter lang

Der Wels kommt im Hallwilersee häufig vor. Laut kantonaler Fischfangstatistik wurden im Jahr 2017 dort 97 dieser Raubfische gefangen — auf dem gesamten Kantonsgebiet waren es sogar 753, wovon die meisten in den Flüssen angebissen hatten.

Der im Hallwilersee gefangene Wels war nach Angaben des Fischers 105 Zentimeter lang. Die Tiere können noch deutlich grösser werden. In der Schweiz wurde das bisher grösste Exemplar im Jahr 2015 im Murtensee gefangen. Der Raubfisch war 2,4 Meter lang. Der längste jemals offiziell vermessene Wels wurde 2017 aus einem Fluss im Süden Frankreichs gezogen. Er war 2,74 Meter lang.

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