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Warmer Empfang an der Wiedereröffnung des Tropenhauses in Wolhusen

Das Tropenhaus in Wolhusen feiert grosse Wiedereröffnung. Es ist die Geschichte vierer Menschen, die sich nicht suchten, dennoch fanden und jetzt gemeinsame Wege gehen.

Kilian Küttel
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Er fällt auf. Klar, da ist die Frisur. Da ist aber auch das Sakko. 11 Grad zeigt das Thermometer bei der Tankstelle am Dorfeingang. Ungleich wärmer ist es hier. Feuchter. Tropisch. T-Shirt-Temperatur.

Gregor Vörös steht im Tropenhaus Wolhusen. Wuschelkopf, grauer Kittel, weisses Hemd. Er diskutiert angeregt, ist ein gefragter Mann. An diesem Samstag wollen alle etwas von ihm. Kunststück. Das Tropenhaus feiert grosse Wiedereröffnung, nachdem es im Juni letzten Jahres schliessen musste.

Der Bauch hat entschieden

Weil sie die Anlage nicht mehr nachhaltig betreiben konnte, beerdigte Hauptaktionärin Coop ihr Prestigeprojekt. Tempi passati. Jetzt sind neue Betreiber am Werk, Vörös ist einer von ihnen. «Hier einzusteigen war ein Bauchentscheid», sagt der 38-Jährige, der auf der Rigi das Kräuterhotel Edelweiss betreibt.

Was aus diesem Bauchentscheid geworden ist, wollen am Samstagnachmittag geschätzt 200 Personen sehen. Zwischen Kurkuma und Wunderbeeren, Kokospalmen und Bananenbäumen stromern sie umher. Die Hände an Limonadenflaschen oder Weingläsern, den Blick in die Baumwipfel gerichtet, die Köpfe in den Nacken gelegt wie die erste Reihe im Kinosaal. Erdnuss, schwarzer Pfeffer, Ananas, Zimtbaum. Gut 600 Pflanzenarten wachsen hier auf 3'000 Quadratmetern.

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Besucher bestaunen einen riesigen Tausendfüssler.
Gastronom Gregor Vörös bei der Neueröffnung des Tropenhaus Wolhusen.

Philipp Schmidli

Schwyzer Knowhow in Wolhusen

Zu Vörös gesellen sich drei neue Verantwortliche für das Tropenhaus: Sabine Sonntag, Hansruedi Ackle und Primin Reichmuth. Letzterer ist der Verwaltungsratspräsident der neu gegründeten Tropenhaus Wolhusen AG.

Der 29-jährige Schwyzer entstammt einer Familie, die sich in den letzten Jahren mit Fernwärme-Netzen einen Namen gemacht hat. Die Kernkompetenz der Familie setzt er auch in Wolhusen um.

Nach wie vor wird die Anlage durch Abwärme geheizt, welche von der Gasverdichtungsstation der Nord-Süd-Pipeline stammt. Weil diese zu wenig Energie hergibt, ist das Tropenhaus zum Grossteil auf das normale Fernwärmenetz angewiesen. Das hat Coop dazu bewegt, das Tropenhaus zu schliessen.

Jetzt soll alles anders werden. «Unser Ziel ist eine CO2-neutrale Energieversorgung. Aktuell befinden wir uns in der Projektierungsphase, um unseren Vorsatz in die Tat umzusetzen», so Reichmuth. Anders als Vörös fällt er mit seinen kurzen, hellen Haaren und dem dunklen Hemd nicht auf. Dass sich die vier Neuen gefunden haben, spricht Reichmuth dem Zufall zu:

«Wir haben uns über gemeinsame Bekannte kennengelernt. Die Chemie hat von Anfang an gepasst, wir haben ein gutes Team.»

Das ist die Geschichte des neuen, alten Tropenhauses in Wolhusen. Die Geschichte vierer Menschen, die sich nicht suchten, gefunden haben und jetzt gemeinsame Wege gehen.

Wie ein Besuch bei Verwandten

Und die Geschichte vom Samstag ist nicht jene der spektakulären Neueröffnung mit viel Schall, Rauch und Selbstinszenierung. Das Gros der Besucher scheint schon vor der Schliessung regelmässig Gast im Tropenhaus gewesen zu sein. Eine alte Vertrautheit liegt in der Luft. Es ist wie ein Besuch bei einem Verwandten, der weit entfernt wohnt: Man hat länger nichts mehr voneinander gehört und freut sich über das Wiedersehen.

Die grössten Neuerungen dürften die Gastronomie unter Vörös’ Leitung betreffen: Mittags setzt man auf einfache Gerichte zu günstigen Preisen, abends werden fünf oder sieben Gänge serviert. Der Küchenchef stammt aus Deutschland und wurde dort mit 16 Gault-Millau-Punkten und einem Michelin-Stern dekoriert. Im edlen Diner bietet das Restaurant 24 Gästen Platz.

Die grösste Herausforderung sieht Gastronomieleiter Vörös darin, das Fine-Dining-Konzept zu positionieren:

«Wir sind auf Mund-zu-Mund-Propaganda angewiesen. Das heisst, wir brauchen zufriedene Gäste. Das ist unser grösstes Ziel.»

Gleichzeitig will Vörös seine Mitarbeiter glücklich machen, die sich 16 Vollzeitstellen untereinander aufteilen. Dafür nimmt er einiges in Kauf:

«Ich trage den Kittel nur, weil mein Team gemeint hat, das macht sich gut. Aber ganz ehrlich: Es ist schon heiss.»
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Pascal Studer