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Warmes Wetter beflügelt Borkenkäfer: Kanton Luzern warnt vor fatalen Folgen für Wälder

Wegen der warmen Temperaturen vermehren sich Borkenkäfer derzeit rasant. Gleichzeitig ist der Holzmarkt gesättigt. Dies könnte in den nächsten Monaten dramatische Folgen haben.
Niels Jost
Betriebsförster Christian Siegrist findet unter der Rinde einer Weisstanne Larven von Borkenkäfern. (Bild: Nadia Schärli, Rain 22. März 2019)

Betriebsförster Christian Siegrist findet unter der Rinde einer Weisstanne Larven von Borkenkäfern. (Bild: Nadia Schärli, Rain 22. März 2019)

Luzerns Waldbesitzer haben derzeit grosse Sorgen. Borkenkäfer machen sich seit dem trockenen Sommer im vergangenen Jahr in den Wäldern breit.

Jetzt akzentuiert sich das Problem gar: Wegen des niederschlagsarmen Winters und der warmen Temperaturen der vergangenen Tage vermehrt sich das fünf bis acht Millimeter kleine Insekt derzeit rasant. Die Waldbesitzer sind daher angehalten, befallene Bäume zu fällen und aus dem Wald zu schaffen oder zu entrinden.

Wegen Burglind ist Markt bereits übersättigt

Doch so einfach ist das nicht. Für das gefällte Holz finden die Eigentümer derzeit kaum einen Abnehmer. Denn der nationale wie europaweite Holzmarkt ist gesättigt. Grund sind die Altlasten aus dem vergangenen Jahr: Wegen Sturm Burglind, der im Januar 2018 Tausende Bäume zu Fall brachte, wurden Schweizer Rundholzverarbeiter regelrecht mit Holz überflutet. Zudem stehen noch einige Lager an Sturm- und Käferholz zur Abfuhr an Waldstrassen bereit.

Bleibt das Wetter trocken und verbreiten sich die Borkenkäfer weiter, muss erneut eine grosse Menge an befallenem Holz gefällt werden. Käferholz, das bereits in Übermass vorhanden ist. Gefragt wäre vielmehr Frischholz.

«Wir befinden uns in einem Dilemma», sagte daher Valentin Stäheli an der gestrigen Medienkonferenz im Herzigwald in Rain. Er ist Einkäufer bei der Schilliger Holz AG aus Haltikon bei Küssnacht, dem grössten Einkaufs- und Weiterverarbeitungsbetrieb von Rundholz der Schweiz. Mit Vertretern des Kantons und Betriebsförstern ist Stäheli der Einladung von Wald Luzern, dem kantonalen Verband der Waldeigentümer, gefolgt.

Bevölkerung und 11'000 Waldeigentümer sensibilisieren

Gemeinsam möchte die Wald- und Holzbranche auf die aktuell «prekäre Situation» aufmerksam machen, wie Bruno Röösli, Leiter der kantonalen Abteilung Wald bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, sagte.

Diese Aufklärungsarbeit in der Bevölkerung und bei den 11'000 privaten Waldeigentümern sei wichtig, denn die Gefahr ist derzeit noch unsichtbar, und zwar in zweierlei Hinsicht: Zum einen sieht man den Bäumen den Befall noch nicht an, erst wenige sind bereits abgestorben. Zum anderen befinden sich die meisten Borkenkäfer noch im Larvenstadium und verstecken sich unter der Rinde.

Käfer könnten sich exponentiell vermehren

Das könne sich aber schlagartig ändern, wie Christian Siegrist, Betriebsförster von Wald Seetal-Habsburg erklärte: «Ein weiblicher Borkenkäfer legt bis zu 80 Eier (siehe folgendes Bild). Es dauert dann etwa sechs bis zehn Wochen, bis sich die Larven zu Käfern entwickeln. Die Population nimmt dadurch exponentiell zu.»

(Bild: Nadia Schärli, Rain 22. März 2019)

(Bild: Nadia Schärli, Rain 22. März 2019)

Es gelte daher, rasch Massnahmen gegen die Ausbreitung zu ergreifen. «Wenn wir das Holz jetzt aus dem Wald bringen, können wir Schäden an der zehnfachen Fläche verhindern», rechnete Ruedi Gerber, Präsident von Wald Luzern, mit Blick auf die exponentielle Vermehrung vor. «Sonst stehen im Sommer reihenweise abgestorbene Bäume in unseren Wäldern.» Das könnte auch gefährlich werden, etwa wenn morsche Äste auf Waldstrassen oder Spazierwege herunter fallen.

Kanton soll für Sofortmassnahmen zahlen

Angesichts der prekären Lage fordert der Verband der Luzerner Waldeigentümer finanzielle Unterstützung vom Kanton. Dieser stellt 2019 gemeinsam mit dem Bund zwar bereits rund 1,2 Millionen Franken für die Überwachung und Bekämpfung der Käfer zur Verfügung, allerdings nur für Schutzwälder und deren direkte Umgebung, was ungefähr 25 Prozent des Waldanteils im Kanton ausmacht. Für die restlichen 75 Prozent Wirtschaftswald werden keine Gelder gesprochen.

Anders in Kantonen wie Bern, Zürich oder dem Aargau: Dort erhalten Waldeigentümer bis zu 40 Franken pro Hektare für Massnahmen wie Entrinden oder die Abfuhr der gefällten Bäume. «Wir verlangen gleich lange Spiesse», fordert Ruedi Gerber.

CVP-Kantonsrat fordert Regierung zum Handeln auf

Dieses Anliegen ist bereits in einen politischen Vorstoss geflossen. CVP-Kantonsrat Raphael Kottmann weist den Regierungsrat in einer Anfrage auf das Problem hin. Der Landwirt aus Oberkirch möchte wissen, welche kurz-, mittel- und langfristigen Massnahmen gegen die Käferplage ergriffen werden können und welche finanziellen Mittel für die Überwachung und für Sofortmassnahmen gesprochen werden können.

Ob die Anfrage als dringlich erklärt und gleich in der folgenden März-Session behandelt wird, entscheidet der Luzerner Kantonsrat kommenden Montag.

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