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Warum bauen die Luzerner nicht mehr Hanf an?

Warum bisher nur wenige Bauern auf die CBD-Welle aufgesprungen sind und welche Rolle dabei das Drogen-Image der Hanfpflanze spielt, erklärt Heinz Siegenthaler, Bauer und BDP-Nationalrat aus dem Kanton Bern. Er gehört zu den Schweizer Pionieren des Hanfanbaus und hat vor über zwanzig Jahren THC-haltigen Hanf angebaut, als dies noch legal war.
Interview: Raphael Zemp
Heinz Siegenthaler, BDP-Nationalrat Bern (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Heinz Siegenthaler, BDP-Nationalrat Bern (Bild: KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Heinz Siegenthaler, Sie sagen, Hanf biete für Bauern ein «riesen Potenzial». Vom gegenwärtigen CBD-Boom aber haben Ihre Luzerner Berufskollegen bislang kaum profitiert. Die Luzerner Behörden wissen bloss von einer einzigen Hektare, auf der CBD-Hanf unter freiem Himmel angebaut wird. Wie erklären sie sich diese Zurückhaltung?

Der Hauptgrund liegt wohl darin, dass der Anbau und Handel von CBD-Hanf in der Schweiz noch im Anfangsstadium steckt. Entsprechend unklar ist die Rechtsgrundlage. CBD-Hanf ist etwa offiziell noch kein Medizinalprodukt, trotz unbestrittener Wirkung.

Gibt es noch weitere Hürden, die Bauern den Anbau von legalem CBD-Hanf erschweren?

Ein besonderes Augenmerk gilt der Diebstahlproblematik. Im vergangenen Jahr habe ich versuchshalber ein kleines CBD-Hanf-Feld angepflanzt, ohne Umzäunung und Schutzmassnahmen. Davon wurde nicht weniger als ein Viertel gestohlen. Das ist extrem. Weitere Herausforderungen sind Ernte und Verarbeitung. Da stehen wir noch am Anfang.

Für den Anbau von Hanf gibt es keine Direktzahlungen vom Bund. Welche Rolle spielt das?

Für mich persönlich keine. Und ich bin mir sicher, dass viele unternehmerisch denkende Bauern sich ebenso wenig von den Direktzahlungen leiten lassen. Aber klar, wer knapp bei Kasse ist oder das Risiko scheut, für den sind solche Überlegungen womöglich wichtiger.

Und der Ruf von Hanf als Drogenpflanze?

Das ist sicherlich ein wichtiger Grund, warum viele Landwirte noch vor dem Hanfanbau zurückschrecken. Dabei lässt sich Hanf nicht nur als Droge missbrauchen. Es ist eine jahrtausendalte, vielfältig verwendbare Kulturpflanze. Ihre Samen liefern viel Protein und hochwertiges Öl, die Fasern lassen sich zu Stoff und Papier verarbeiten, ja gar zu erneuerbaren Kunststoff-Alternativen. Daneben finden Wirkstoffe der Hanfpflanze auch medizinisch Verwendung.

Für die meisten dieser Verwendungszwecke eignet sich legaler CBD-Hanf. Trotzdem verlangen Sie eine Legalisierung von THC-haltigem Hanf. Dieser soll gleich behandelt werden wie hochprozentiger Alkohol, verlangen Sie in einer kürzlich eingereichten Motion.

Das stimmt. Mein Vorstoss will mit der herrschenden Doppelmoral aufräumen. Es ist hinlänglich bekannt, dass auch Alkohol gesundheitliche Schäden verursacht und abhängig machen kann. Und trotzdem kann ihn jeder ab 18 Jahren legal kaufen. Die rund 200 000 bis 300 000 Kiffer, die es in der Schweiz gibt, hingegen kriminalisiert die aktuelle Politik. Zudem ist sie mit einem riesigen behördlichen Aufwand verbunden, der ohne grosse Wirkung bleibt. Eine Liberalisierung würde Ressourcen freisetzen, die andernorts und sinnvoller eingesetzt werden könnten. Mit Legalisierung meine ich aber nicht: Laissez-faire. Es braucht strenge Kontrollen, der Jugendschutz bleibt unantastbar.

Würde eine Legalisierung den Hanfanbau generell begünstigen?

Ja. Dem Hanf ergeht es momentan ähnlich wie dem Körnermais vor rund 70 Jahren. Damals baute diesen fast niemand an. Seither ist viel erforscht und erprobt und sind riesige Verbesserungen erzielt worden. Heute ist Mais eine bei uns unbestritten wertvolle Kulturpflanze. Ein gleicher Prozess muss auch beim Hanfanbau eingeleitet werden. Es braucht Entwicklungen, Pioniere und Innovation. Der aktuelle CBD-Hanf-Boom öffnet dazu die Tür, das Thema wird wieder öffentlich diskutiert. Damit aber das ganze Potential der Hanfpflanze genutzt werden kann, muss sie dringend raus aus der Illegalität.

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