Kolumne

Warum die Jogginghose hilft, das Homeoffice zu meistern

Homeoffice in Jogginghose? Kein Problem. Der bequeme Schlabberlook hat viele Vorteile – und keine negativen Auswirkungen auf die Arbeitsmoral.

Beatrice Vogel
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Beatrice Vogel

Beatrice Vogel

Zwei meiner Kollegen haben darüber geschrieben, dass sie im Homeoffice konsequent «richtige» Hosen anziehen. Auch bei allen Tipps zu diesem Thema liest man derzeit, man solle sich im Homeoffice kleiden, wie wenn man im Büro sässe, damit es sich nach Arbeit anfühlt. Ich gebe zu: Diesen Ratschlag befolge ich nicht. Seit Tag eins im Homeoffice trage ich eine Jogginghose – und dazu einen möglichst bequemen Pulli, bei Bedarf auch Wollsocken und einen Poncho aus Wolle. Dadurch ist mir in meinem Wohnzimmer (ich wohne in einem 90 Jahre alten Haus) bei den aktuell tiefen Temperaturen warm genug.

Ich sehe dadurch keinerlei Nachteile – im Gegenteil: Ich fühle mich ausgesprochen wohl. Die Arbeit fühlt sich für mich trotz Trainerhose wie Arbeit an. Wenn ich mit Politikern telefoniere, denke ich nicht daran, was ich anhabe, sondern daran, welche Fragen ich ihnen stellen will. Ausserdem muss ich genau wie im Büro laufend meine Artikel abliefern. Ich würde sogar behaupten, ich bin – mangels Ablenkung durch den Lärmpegel im Grossraumbüro – speditiver und produktiver. Ein weiterer Vorteil: Ich gehe im Trainer nicht vor die Tür, wodurch er kaum dreckig wird und ich ihn länger tragen kann. Deshalb wasche ich weniger, was den Wasserverbrauch und die Umweltverschmutzung durch Waschmittel reduziert. Aber keine Sorge, von wegen Verwahrlosung. Was ich drunter trage, wechsle ich natürlich täglich, und auch die Dusche frequentiere ich regelmässig.

Die Tatsache, dass ich mich so bequem kleiden kann, lässt mich zudem die Einsamkeit des Homeoffice besser ertragen – wenn ich schon zu Hause bin, dann mache ich es mir so gemütlich wie möglich. Denn mir fehlen der Rummel des Büros und die Plaudereien mit den Kollegen. Unter den fehlenden sozialen Kontakten, dem «Social Distancing», leide ich klar am meisten, was die Corona-Massnahmen betrifft. Ich pflege Kontakte im Normalfall nämlich, indem ich Freunde und Familie persönlich treffe. Notgedrungen habe ich nun angefangen, auf Telefonate umzusteigen. Das hilft ein wenig. Trotzdem hoffe ich, dass ich bald wieder Menschen persönlich treffen und zumindest ab und zu im Büro erscheinen darf. Dann natürlich in richtigen Hosen.

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