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Was der Ramadan für Luzerner Schulen bedeutet

Noch bis am 4. Juni fasten während des Ramadans auch in Luzern tausende Muslime. Darunter sind auch Jugendliche, welche noch die Schule besuchen. Dies kann Schüler und Lehrer herausfordern. Die Uni Luzern hilft nun mit einem Leitfaden.
Roseline Troxler
Zwei muslimische Schülerinnen beim Lernen. (Symbolbild: Petra Orosz/Keystone)

Zwei muslimische Schülerinnen beim Lernen. (Symbolbild: Petra Orosz/Keystone)

Rund vier Prozent der im Kanton Luzern Lebenden gehören islamischen Glaubensgemeinschaften an. Vor gut zwei Wochen hat für sie der muslimische Fastenmonat Ramadan begonnen. Er dauert dieses Jahr vom 5. Mai bis am 4. Juni. Während des Ramadan wird nur zwischen Sonnuntergang und Sonnenaufgang gegessen und getrunken. Fasten sollen laut islamischem Glauben gesunde, gläubige Muslime ab der Pubertät, die genug reif sind.

«Ramadan ist für mich eine ganz wichtige Zeit»

Belkisa (16), Schülerin an der Kanti Alpenquai, fastet dieses Jahr nicht zum ersten Mal: «Ramadan ist die vierte Säule im Islam und für mich als Muslimin eine ganz wichtige Zeit.» Sie habe mehr Zeit für sich und komme Gott näher. «Während des Ramadan fokussieren wir uns stark darauf, dass andere weniger haben und werden dankbarer.» Sie verbringe in diesem Monat viel Zeit mit ihrer Familie. Letzteres sagt auch Timur (16), ebenfalls Schüler an der Kanti Alpenquai. Ausserdem besuche er häufig die Moschee. Er erzählt:

«Ramadan findet nur einmal im Jahr statt und hat deshalb eine ganz besondere Bedeutung.»

Belkisa verneint nicht, dass die ersten Tage in der Schule anstrengend sein können – ohne Essen und Trinken. «Es wird aber bald besser mit der Konzentration, ich gewöhne mich daran.» Timur findet es vor allem an heissen Tagen schwierig.

Bei Prüfungen machen die beiden auch mal eine Ausnahme und unterbrechen das Fasten. «Dann faste ich die Tage nach», erklärt Belkisa. Auch Timur handhabt dies so, «wenn die Noten knapp sind». Die Lehrer informieren die beiden nicht über das Fasten. «Nur im Sport habe ich es angesprochen», sagt Belkisa. Beide betonen, dass sie bei ihren Mitschülern auf Verständnis stossen.

Hohen Stellenwert auch als soziales Ereignis

Benno Bühlmann unterrichtet an der Kanti Alpenquai Religionskunde und Ethik. Er betont die Bedeutung des Ramadan für Muslime – auch für jene, welche den Islam nicht streng praktizieren. «Ramadan hat auch als soziales Ereignis einen hohen Stellenwert.» Muslimische Schüler würden das Fasten auch als Selbsterfahrung sehen und von den Eltern nicht selten Geschenke erhalten, wenn sie fasten. Bühlmann findet es wichtig, dass der Ramadan in der Schule thematisiert wird, damit Andersgläubige Verständnis aufbringen können. «Das baut Vorurteile ab.» Dass Muslime fasten und dies thematisieren, sieht er positiv.

«Es ist Ausdruck von Integration, wenn sich der Islam mit seinen Traditionen nicht versteckt.»

Benno Bühlmann macht für fastende Schüler keine Ausnahmen. «Es wäre im Schulalltag gar nicht praktikabel, während dreissig Tagen auf Prüfungen zu verzichten. Denn: Wann sollen die verpassten Prüfungen nachgeholt werden?» Das Fasten erlebt er im Schulalltag nicht als problematisch, was auch der Rektor bestätigt. «Natürlich spürt man bei einigen die Müdigkeit. Doch die Schüler verlangen keine Spezialregelung.»

«Schüler schlafen im Unterricht fast ein»

Andere Lehrpersonen berichten hingegen, dass «Schüler im Unterricht fast einschlafen». Ausserdem unterstreicht eine Sek-Lehrerin: «Es ist fast fahrlässig, fastende Schüler an Sporttagen oder Schulreisen mitmachen zu lassen.» Bei anstrengenden sportlichen Tätigkeiten fordert die Dienststelle Volksschulbildung Rücksicht auf Schüler, die konsequent fasten. Ansonsten macht die Dienststelle im Umgang mit dem Ramadan weder Vorgaben noch Empfehlungen.

Für Lehrer, Schulpsychologen und Berufsberater, welche allerdings Unterstützung in herausfordernden Situationen im Zusammenhang mit dem Islam brauchen, hat das Zentrum Religionsforschung der Universität Luzern vor kurzem den Praxisleitfaden «Ramadan kommt immer so plötzlich» publiziert. Die Broschüre ist das Ergebnis von rund dreissig Workshops, die mit Berufsleuten und jungen Muslimen durchgeführt wurden.

Experte sieht bei Lehrern Unsicherheit mit Islam

Islamwissenschaftler Andreas Tunger-Zanetti, der für das Zentrum Religionsforschung arbeitet, sagt: «Der Umgang mit Schülern verschiedener Religionen läuft an den meisten Schulen gut. Die Lehrpersonen haben als Pädagogen ein gutes Gespür. Dennoch kann es plötzlich zu Situationen kommen, wo sich Lehrer und Schulleiter hilflos fühlen und dann auf die Schnelle eine Lösung suchen müssen.» Der Leitfaden könne zuvor Hinweise geben, damit Schulen gar nicht erst ins Rudern kommen.

Im Workshop wurden von den Teilnehmern laut Tunger wenig konkrete Problemfälle geschildert. «Es hat sich gezeigt, dass viele Lehrpersonen eher allgemeine Unsicherheiten beim Thema Islam hätten.» Dies liege an der medialen Präsenz, die vor allem negative Seiten zeige, und an der allgemeinen Unsicherheit im Umgang mit Religionen.

«Es lässt sich nicht alles in Regeln fassen»

Bei konkreten Problemen betont Tunger die Bedeutung des Gesprächs, damit Betroffene ihr Verhalten erklären und die Schule Regeln erläutern und ihren Spielraum aufzeigen könne. Er sagt aber: «Nicht alles lässt sich in Regeln fassen. Jeder Fall liegt anders. Doch gerade beim Ramadan ist es relativ einfach: Die Schule hat hoffentlich bereits Regeln, bis wann Dispensationsgesuche einzureichen sind und was bei unentschuldigten Absenzen geschieht.» Ob der Anlass ein religiöses Fest, privates Fasten oder etwas anderes sei, bleibe nebensächlich. Es bringe mehr, über die Folgen zu reden, als über die angemessene Interpretation religiöser Vorschriften.

Das Wichtigste ist für den Experten, dass sich die Schulen der Religionsvielfalt bewusst werden und sich Gedanken über die Auswirkungen auf den Schulalltag machen. Dann kommt laut Tunger auch für die Schulen der Ramadan nicht unerwartet.

Hinweis: Den Leitfaden des Zentrums für Religionsforschung finden Sie als PDF via folgenden Link: Ramadan_kommt_immer_so_ploetzlich WEB_DEF.pdf.

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