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Kriens erhält dank neuem Sozialzentrum 700 Arbeitsplätze – Ebikon geht leer aus

Das neue Sozialversicherungszentrum WAS wird auf dem Areal Eichhof West in Kriens realisiert. Auch Ebikon hat sich um das Zentrum bemüht. Der Gemeindepräsident ist «extrem enttäuscht».
Stefan Dähler
Das derzeit brache Areal Eichhof West liegt, wie der Name sagt, westlich der Brauerei Eichhof. (Bild: Pius Amrein, Kriens, 17. Oktober 2019)

Das derzeit brache Areal Eichhof West liegt, wie der Name sagt, westlich der Brauerei Eichhof. (Bild: Pius Amrein, Kriens, 17. Oktober 2019)

Die Würfel sind gefallen: Das neue Sozialversicherungszentrum WAS entsteht auf dem Areal Eichhof West in Kriens. Ab 2021 wird gemäss einer Medienmitteilung ein Neubau für 700 Arbeitsplätze realisiert. Spätestens Anfang 2024 werden alle Dienstleistungen der IV, Ausgleichskasse sowie von Wirtschaft und Arbeit Luzern zusammengeführt (siehe Infotext unten).

Drei Institutionen werden vereint

Die Abkürzung WAS steht für Wirtschaft, Arbeit und Soziales. Zu dieser öffentlich-rechtlichen Institution haben sich per Anfang Jahr die Ausgleichskasse, die IV sowie die Dienststelle Wirtschaft und Arbeit Luzern zusammengeschlossen. Wobei die einzelnen Stellen eigenständige Organisationseinheiten bleiben. Der nächste Schritt ist die Realisierung des gemeinsamen Sozialversicherungszentrums in einem Neubau in Kriens. Derzeit sind die Stellen an verschiedenen Orten in der Stadt Luzern untergebracht.

17 Standort-Bewerbungen seien eingegangen, acht habe man vertieft geprüft. Welche das sind, gibt WAS nicht bekannt. «Den Ausschlag für Eichhof West hat einerseits die sehr gute Erreichbarkeit für die Kundinnen und Kunden sowie für die Mitarbeitenden mit ÖV und Individualverkehr gegeben», sagt Urs Kneubühler, Vizepräsident des WAS-Verwaltungsrats sowie Leiter Infrastruktur und Bau. Bushaltestelle und Autobahnanschluss befinden sich in unmittelbarer Nähe. «Andererseits war es auch eine Bedingung, das Grundstück kaufen und nicht nur im Baurecht erwerben zu können.» Ein Kauf biete mehr Sicherheit. «Wir wollen sehr langfristig am Standort bleiben und ein Kauf kommt im Verlauf der Jahre günstiger.»

Kaufpreis: 18 Millionen Franken

Weiter sei das Grundstück baureif, so Kneubühler. «Es muss nichts abgerissen werden.» Ein Bebauungsplan existiert bereits. «Nun suchen wir einen Projektleiter, danach startet ein Architekturwettbewerb.» Für das rund 6300 Quadratmeter grosse Grundstück innerhalb des Areals Eichhof West bezahlt WAS der Eigentümerin, der Zürcher Pensionskasse BVK, 18 Millionen Franken. Für den Bau rechnet WAS mit Gesamtkosten von rund 120 Millionen Franken inklusive Landkauf. Im Gegenzug könne man dank der Zusammenführung pro Jahr 4,8 Millionen Franken einsparen.

Für WAS wird es 130 bis 160 Parkplätze geben. «Wir empfangen täglich rund 450 Personen, auch aus ländlichen Gebieten, und benötigen daher eine gewisse Anzahl Parkplätze», sagt Kneubühler. Die Mitarbeiter jedoch sollen grösstenteils mit dem ÖV oder dem Velo anreisen. Derzeit arbeiten 570 Personen für WAS. Der Neubau soll aber Platz für 700 bieten. «Wir rechnen eine Reserve ein», sagt Kneubühler. «Einerseits dürften wir angesichts der Alterung der Gesellschaft künftig mehr zu tun haben. Andererseits ist denkbar, dass der Kanton uns mittelfristig weitere Aufgaben überträgt.» Bei WAS handelt es sich um eine gemeinnützige Aktiengesellschaft, die soziale Aufgaben im Auftrag des Kantons, der Gemeinden sowie des Bundes übernimmt. Gewinn werde keiner erwirtschaftet, WAS bezahlt auch keine Firmensteuern.

Kriens wollte Ebikon den Vortritt lassen

Der Zuschlag für Kriens kommt etwas überraschend. Denn im Frühling gab der Stadtrat im Rahmen einer CVP-Interpellation bekannt, dass er sich nicht aktiv um das Sozialversicherungszentrum bemüht (wir berichteten). «Dem war auch so», sagt der Krienser Stadtpräsident Cyrill Wiget (Grüne). Er fügt an:

«Wir haben uns als Nachbarn abgesprochen, um uns nicht gegenseitig zu konkurrenzieren. Die Gemeinde Ebikon hat sich mit einem sehr geeigneten Standort darum bemüht.»

Dass das WAS nun doch in Kriens baut, sei insbesondere auf das Bemühen der BVK zurückzuführen. Nichtsdestotrotz freut sich Wiget sehr über den Zuzug. «Die neuen Arbeitsplätze dürften neue Bewohner anziehen, die hier Steuern zahlen.» Ausserdem belebe das WAS mit 700 Arbeitsplätzen das gesamte Eichhof-Projekt.

In Ebikon stand ein Areal in der Nähe des Bahnhofs zur Diskussion. Hier ein Foto des Gebiets, auf dem eine Bauruine steht:

(Bild: Archiv Luzerner Zeitung)

(Bild: Archiv Luzerner Zeitung)

Das Land gehört zwar einer privaten Firma, doch die Gemeinde hat sich stark für den WAS-Zuzug eingesetzt. Gemeindepräsident Daniel Gasser (CVP) sagt:

«Wir sind extrem enttäuscht.»

Gasser fügt an: «Wir haben uns in den letzten Jahren vergeblich für den Zuzug der Hochschule für Informatik und des Kantonsgerichts eingesetzt. Es ist schade, dass das Rontal als attraktive und dynamische Region erneut nicht berücksichtigt wird, dies trotz bester Verkehrsanbindungen jeglicher Art.»

Der regionale Entwicklungsträger Luzern Nord wiederum setzte sich für den Standort Seetalplatz/Viscosistadt in Emmenbrücke ein. «Auch wenn es mit WAS nicht geklappt hat, sind wir überzeugt, dass Luzern Nord der ideale Standort für Institutionen dieser Art ist», sagt der zuständige Gebietsmanager Christoph Zurflüh.

Hotelfachschule nicht mehr an Bord

Für die Eigentümerin des Areals Eichhof West kommt der Zuzug von WAS sehr gelegen. Denn mit der die Hotelfachschule IMI aus Kastanienbaum ist ein bisheriger Investor abgesprungen. «Aufgrund absehbarer Verzögerungen des Projekts durch Einsprachen sahen wir von einer Konkretisierung unseres Interesses ab», schreibt Heinz Bürki, Präsident IMI, auf Anfrage. Anwohner wehrten sich bis vor Bundesgericht gegen die geplante Grossüberbauung auf dem Areal (wir berichteten). Man wolle nun die bestehenden Räumlichkeiten modernisieren und «moderat» ausbauen.

Mit dem Zuschlag von WAS ist die BVK nun sehr zufrieden, wie sie mitteilt. Sie will auf dem Areal Eichhof West zwischen 2022 und 2025 selbst noch 270 Wohnungen realisieren. «Der genaue Projektfahrplan ist noch offen», teilt die BVK auf Anfrage mit. Sie sucht noch weitere Partner. «Eine Bildungsinstitution ist nach wie vor willkommen», auch ein Hotel sei denkbar.

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