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«Was machen Pornos mit mir?» – Männerpalaver wird zehn Jahre alt

Seit zehn Jahren organisiert das Mannebüro Luzern Männerpalaver. Dabei reden ein Dutzend Männer «über wesentliche Lebensthemen». Das Angebot ist noch immer gefragt.
Hugo Bischof
Das Jubiläumsgespräch des Männerpalavers fand beim Konservatorium im Dreilindenpark statt. (Bild: PD)

Das Jubiläumsgespräch des Männerpalavers fand beim Konservatorium im Dreilindenpark statt. (Bild: PD)

«Palavern heisst, mit verschiedenen Männern über wesentliche Lebensthemen reden.» Unter diesem Motto bietet das Mannebüro Luzern seit zehn Jahren Männerpalaver an. Das Jubiläum wurde vergangene Woche mit einem Anlass im Park des Konservatoriums Luzern gefeiert.

«Das Angebot ist nach wie vor gefragt», sagt Stefan Gasser-Kehl, einer der Organisatoren. Rund sechs Männerpalaver organisiert das Mannebüro von Oktober bis März. Sie finden an diversen Standorten statt – vom Barfüesser-Zentrum über das Neubad bis zum «Hello Welcome», einem Treffpunkt für Migranten, Einheimische und Flüchtlinge.

Einer spricht, die anderen hören zu

In den letzten beiden Saisons machten jeweils rund ein Dutzend Männer mit. «Das entspricht etwa den Besucherzahlen in anderen Städten», sagt Gasser-Kehl: «Männer zwischen 35 und 60 Jahren sind in der Mehrheit. Im Neubad konnten wir auch mehr jüngere Männer ansprechen. » Die berufliche und kulturelle Herkunft ist breit gefächert.

So funktioniert das Palaver: «Das Wort wandert beliebig im Männerkreis. Es spricht immer nur einer, alle andern hören zu. Themen werden weiter entwickelt. Persönlich Erlebtes, spontan Aufgetauchtes kann sich zu erstaunlichen Erkenntnissen zusammenfügen.» Das zweistündige Palaver wird von zwei verantwortlichen Männern eingeleitet. Gasser-Kehl: «Sie erklären die Gesprächsregeln, führen ins Thema und sorgen dafür, dass beides nicht vergessen wird.» Dann laufe das Palaver selbstständig:

«Jeder ist frei, daraus zu entnehmen, was er will. Eine offene, interessierte, zuhörende Grundhaltung ist entscheidend.»

Die Verantwortlichen des Mannebüros bestimmen die Themen – und beweisen dabei Mut und Kreativität. Am 18. November 2018 lautete das Thema «Der Stier in mir. Oder (vielleicht) doch eher das Schosshündchen?» Am 4. Dezember hiess es: «Der Blick des Adlers. Meine Erfahrung mit Ritualen». Das nächste Männerpalaver findet am 18. Februar im Barfüesser-Zentrum an der Winkelriedstrasse 5 statt. Thema: «Pfau oder Wal. Mein Schönheitsideal». Am 12. März palavern die Männer über «Was machen Pornos mit mir?»

Beim Palavern geht's nicht um Ratschläge

Das Männerpalaver sei keine Selbsthilfegruppe, «deshalb sprechen wir nicht von Problemen, sondern von Themen», betont Gasser-Kehl: «Uns geht es um den Austausch und die gegenseitige Bereicherung mit Erfahrungswerten. Jeder Mann kann, wenn er will, von sich erzählen – was er wie erlebt. Ein anderer kann den Ball aufnehmen oder auch eine ganz andere Erfahrung mitteilen.» Gibt es Situationen, in denen man Männer an weiterführende Institutionen verweisen muss? «Bei der Palaverkultur geht es nicht um Ratschläge», sagt dazu Gasser-Kehl.

Beim Apéro oder anschliessenden Umtrunk könne es aber «schon vorkommen, dass jemand einen Impuls gibt oder erhält». Was, wenn es um Konflikte in Paarbeziehungen geht? Sucht man danach das Gespräch mit der Partnerin oder dem Partner? «Bei der Palaverkultur teilt sich jeder in Selbstverantwortung mit – und zieht auch allfällige Konsequenzen selber», so Gasser-Kehl.

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