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Gastkommentar

Was smarte Technologien mit Goethes Zauberlehrling zu tun haben

In unserer Gastkolumne zur Stadtentwicklung schreibt Peter Schwehr von der Hochschule Luzern über smarte Technologien – und die Grenzen der Technik.
Peter Schwehr
Peter Schwehr, Leiter des Kompetenzzentrums Typologie & Planung in Architektur an der HSLU. (Bild: PD)

Peter Schwehr, Leiter des Kompetenzzentrums Typologie & Planung in Architektur an der HSLU. (Bild: PD)

Smart sein ist in! Smart sein ist Lifestyle, smart sind unsere Technologien und smart sollen auch bald schon unsere Häuser und Städte sein. Und in der Tat ist es eine verlockende Vorstellung, dass sich zukünftig Roboter und Algorithmen um unseren Lebensalltag kümmern. Auch Goethes Zauberlehrling begeisterte sich für diese Idee. Allerdings musste er dann frustriert feststellen: «Herr, die Not ist gross! Die ich rief, die Geister, werd’ ich nun nicht los!»

Schon einmal haben wir uns in diese Zauberlehrling-Situation gebracht: In den 70er-Jahren galt es als zukunftsträchtig, die Entwicklung der Städte von den Anforderungen der Technik abhängig zu machen. War es doch modern, an der Autobahn zu wohnen, und dieser Logik folgend, führten wir stark befahrene Strassen mitten durchs Wohnquartier. Heute verwenden wir enormen Aufwand darauf, die Strassen für die Menschen zurückzuerobern. Denn als die Technikeuphorie abklang, wurde wieder klar: Eine Stadt ist Lebensraum. Ihre Qualität bemisst sich nicht primär an einer abstrakten «Modernität», sondern an der Dichte und Charakteristik gemeinschaftlicher Interaktionen.

Um nicht wieder in die gleiche Falle zu tappen, müssen wir innehalten und uns fragen, welchen Mehrwert die neuen Technologien für den Lebensalltag in der Stadt der Zukunft bringen. Denn sie können und sollen nicht Selbstzweck sein. Sehr wohl haben sie, intelligent eingesetzt, das Potenzial, die Interaktionen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern zu unterstützen, Initiativen zur Gestaltung des Lebensraumes zu fördern und so die Entwicklungs- und Lernfähigkeit der Stadt zu stärken. Jedoch darf ihre Verwendung die Handlungsfähigkeit und Unabhängigkeit eines Gemeinwesens nicht einschränken.

Voraussetzung dafür sind robuste Strukturen, Bedienerfreundlichkeit und Austauschbarkeit. Dem jedoch stehen die Interessen der Techfirmen entgegen; sie sind interessiert am Verkauf von Updates und an Gewinnmaximierung. Wer kennt die Situation im Privatleben nicht: Der Computer wäre noch funktionstüchtig, doch wird leider die passende Software nicht mehr angeboten, aber ich kann ja updaten. Von Wahlfreiheit kann dabei keine Rede sein. Ist das ein Szenario für die Stadt, das wir wollen? Wenn nicht, gehören Energie, Wasser, Mobilität und Datenschutz nicht in fremde Hände. Hier müssen Bund und Kantone bei der Digitalisierung der Stadt Verantwortung übernehmen. Eine Privatisierung dieser Aufgaben schafft Abhängigkeiten und schränkt die Handlungshoheit und Funktionstüchtigkeit einer Stadt massiv ein.

In einer Stadt der Zukunft sollte die Intelligenz den Bewohnerinnen und Bewohner zugestanden werden und nicht einer übergeordneten Technik. Geben wir sie also nicht aus der Hand, denn wie sagte doch gleich der alte Meister in Goethes Zauberlehrling: «In die Ecke Besen, Besen! Seid’s gewesen! Denn als Geister ruft euch nur, zu seinem Zwecke, erst hervor der alte Meister.»

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