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Putziger Pelzträger zufällig in Weggis fotografiert

Noch ist er ein seltener Gast in unseren Gefilden: der Waschbär. Andreas Zwimpfer aus Weggis hat den Einwanderer im vergangenen Jahr als einziger in der Zentralschweiz vor die Linse bekommen – per Zufall.
Urs-Ueli Schorno
Zufällig vor die Linse gekommen: Ein Waschbär in Weggis im Kanton Luzern. (Bild: Andreas Zwimpfer/PD)

Zufällig vor die Linse gekommen: Ein Waschbär in Weggis im Kanton Luzern. (Bild: Andreas Zwimpfer/PD)

Andreas Zwimpfer hat ungebetene Gäste: Unter dem Dach seiner Wohnung in Weggis fühlt sich eine Familie Siebenschläfer offenbar pudelwohl. Weil er wissen will, wie die Tiere den Weg in sein Haus fanden, installiert er eine Videofalle, die sich automatisch einschaltet, sobald etwas an ihrem Sensor vorbei kreucht oder fleucht. Vor die Linse kriegte er bisher einen Dachs, Marder und ein Tier, das beiden ähnelte, aber keines von beiden sein sollte.

Zwimpfer schickte die Aufnahmen an den Tierpark Goldau, wo man diese zur Überprüfung ans Kora, die Fachstelle für Raubtierökologie und Wildtiermanagement, weiterleitete. «Eine erste Rückmeldung war, dass es sich um einen Marderhund handeln könnte – es wäre die erste Sichtung in der Schweiz gewesen», so Zwimpfer. Doch weil man sich nicht sicher war, ging das Videomaterial an das Schweizerische Zentrum für die Kartografie der Fauna nach Neuenburg. «Nach diesem langen Weg wurde bestätigt, dass es sich um einen Waschbären handeln muss.» Die Kleinbären sind Einwanderer aus Nordamerika. Es gibt sie bei uns in freier Wildbahn, wohl, weil die nachtaktiven Räuber dereinst aus einem Zoo oder einer privaten Tierhaltung ausgebüxt sind.

Wahrscheinlich sei deshalb, dass das besagte Exemplar aus der Ostschweiz eingewandert ist, wo es schweizweit am meisten von ihnen gäbe, wurde Zwimpfer mitgeteilt. Durch sein Amt als Rigiwächter bei Pro Rigi ist ihm dann zu Ohren gekommen, dass das Tier an der Königin der Berge kein unbekanntes ist. «Es liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei früheren Sichtungen um dasselbe Tier handelt.» Bereits 2013 und 2007 sind in der Region Weggis Waschbärensichtungen verbrieft. Waschbären können bis zu 20 Jahre alt werden, in der freien Natur ist ihre Lebenserwartung allerdings deutlich geringer.

Letzte Sichtung im Gigeliwald

Um einen Waschbären in unserer Region zu Gesicht bekommen, braucht es, wie auch der Fall von Andreas Zwimpfer zeigt, etwas Glück. In den vergangenen zehn Jahren wurden nur wenige Beobachtungen lebender Waschbären gemeldet. Die Jagdstatistik des Kanton Luzerns weist drei Tiere aus – in der Saison 2015/2016 wurde ein Tier von einem Jäger erlegt. Als fremde Art ist der Waschbär nicht geschützt. Zwischen 2012 und 2014 wurden zudem zwei Tiere als Fallwild gemeldet.

Die aktuellste Meldung, die beim Amt für Landwirtschaft und Wald Luzern eingegangen ist, kommt aus der Stadt Luzern. «Im Raum Gigeliwald wurde ein glaubwürdiger Nachweis auf zwei Tiere erbracht», berichtet Peter Ulmann, Leiter der Abteilung Natur, Jagd und Fischerei auf Anfrage. Allerdings gehe man nicht davon aus, dass es in der Region selbsterhaltende Populationen gibt. Man schätze den Bestand auf rund ein halbes Dutzend lebender Tiere im Kanton. «Es sind immer nur Einzeltiere registriert worden ohne klare örtliche oder zeitliche Häufung.» Das sei typisch für jede Wildart, die ein Territorium neu besiedelt.

Vermehrt er sich zu stark, gehts ihm an den Kragen

Der bisher unauffällige Petz steht aber unter Beobachtung, so Ulmann: «Wir befinden uns in der sogenannten Anlaufphase. Bei den unerwünschten Neozooen, also ursprünglich nicht heimische Tierarten, ist es das Ziel, zu verhindern, dass die Tiere sich vermehren und sich das Bestandeswachstum auf einmal exponentiell verläuft.» In diesem Falle würde man gemäss Auftrag aus der Bundes-Jagdverordnung mit gezielter Bejagung und dem Fang von Tieren dafür sorgen, dass der Waschbär sich nicht weiter vermehren kann. «Dazu braucht es auch das Verständnis der Bevölkerung, dass invasive, nicht einheimische Tiere zur Bedrohung der einheimischen Artenvielfalt werden können», merkt Ulmann an. Denn an eine Bedrohung denkt man bei dem sympathisch wirkenden Allesfresser mit Vorlieben für Obst, Insekten, Krebstieren, Amphibien, Nüssen und Mais, zunächst nicht. Doch in Deutschland ist man regional mit regelrechten Waschbär-Plagen konfrontiert, denen Jäger und Wildhut, seit sich grössere Bestände etabliert haben, kaum mehr Herr werden. Der anpassungsfähige Säuger fühlt sich nämlich in Städten genauso wohl wie in Wäldern oder in der Nähe von landwirtschaftlichen Anbaugebieten, gar auf Mülldeponien. So weit soll es bei uns nicht kommen.

Seit der Sichtung im Juni vergangenen Jahres hat Zwimpfer den Waschbären nicht wieder gesehen. «Die Kamera bleibt im Winter auch meist ausgeschaltet», erklärt er. Er wird sie aber sporadisch wieder in Betrieb nehmen, auch, weil sich der eigentliche «Täter», die Siebenschläferfamilie bisher noch rarer macht als der putzige Pelz.

Im Kanton Luzern wird rund ein halbes Dutzend Waschbären vermutet. (Bild: Patrick Pleul/Keystone)

Im Kanton Luzern wird rund ein halbes Dutzend Waschbären vermutet. (Bild: Patrick Pleul/Keystone)

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