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WASSERFLORA: «Armleuchter» erobern den See

Nach fast 30 Jahren werden Wasserpflanzen im Vierwaldstättersee wieder erfasst. Das Ergebnis ist überraschend.
Andreas Babst
Im Vierwaldstättersee wimmelt es von Wasserpflanzen. Im Bild: die Armleuchteralgenart Chara globularis. (Bild: pd)

Im Vierwaldstättersee wimmelt es von Wasserpflanzen. Im Bild: die Armleuchteralgenart Chara globularis. (Bild: pd)

Wer vor den sommerlichen Temperaturen in den Vierwaldstättersee flüchtet, hat in den letzten Wochen Bekanntschaft mit ihnen gemacht: den Algen und Wasserpflanzen, die sich sanft um die Fussfesseln legen und den Schwimmer erschaudern lassen. Doch sind diese Pflanzen nur die obersten Vorboten einer reichen Vegetation der Flachwasserzone.

Die Aufsichtskommission Vierwaldstättersee (AKV), bestehend aus den für Gewässerschutz zuständigen Departementsvorstehern der Zentralschweizer Kantone, liess diese Vegetation im Jahr 2007 erfassen und kartografieren. Bis 2011 dauerte das Projekt, jetzt liegt ein Bericht vor. Es ist der erste seit 1982.

Aufwendige Erfassung

«Die Erfassung erstreckte sich über vier Jahre, da die Untersuchung jeweils nur während zweier Monate im Sommer möglich war», sagt Tino Stäheli von der Firma Aqua Plus, welche die Arbeit im Auftrag der AKV ausführte. Die Erfassung aller Wasserpflanzen gestaltete sich aufwendig. «Je ein sachkundiger Taucher, ein Ökologe und ein Bootsführer standen im Einsatz. Der Taucher erfasste die Pflanzen, und der Ökologe auf dem Boot sammelte die Daten und kartografierte die Bestände.» So sei im besagten Zeitabschnitt der ganze Vierwaldstättersee abgetaucht worden.

Die Ergebnisse des Berichts überraschen. Drei Viertel aller Pflanzen im gesamten See lassen sich den Armleuchteralgen zuordnen. «Diese Algen nehmen ihre Nährstoffe übers Wasser auf und sind nur durch Pseudowurzeln mit dem Boden verbunden.» Sie geben Aufschluss über die Qualität des Wassers. Beim letzten Bericht 1982 machte diese Algenart nur gerade mal 8 Prozent aller vorkommenden Arten aus. Der rasante Anstieg sei an der besseren Wasserqualität festzumachen, so Stäheli. «Es ist in den letzten drei Jahrzehnten gelungen, die Phosphorbelastung des gesamten Sees extrem zu reduzieren.» Geschuldet sei dies den verbesserten Kläranlagen und auch dem Verbot von phosphathaltigen Waschmitteln. «Mit diesen Massnahmen konnte die Überdüngung des Sees mit Nährstoffen gestoppt und die naturnahen Bedingungen wiederhergestellt werden.»

Artenvielfalt in Horw

Doch ist die Pflanzensituation nicht im ganzen Vierwaldstättersee einheitlich. Das Luzerner Seebecken weist im Vergleich die höchste Bewuchsdichte auf. Das liegt an den ausgedehnten Flachwasserzonen. Ist das Wasser nicht zu tief, profitieren die Pflanzen auf dem Grund von einer erhöhten Sonneneinstrahlung und können besser wachsen. Die grösste Artenvielfalt unter den Wasserpflanzen findet sich im Horwer Seebecken. «Warum das so ist, können wir nicht abschliessend beantworten, da hier verschiedene Faktoren spielen», sagt Experte Stäheli. Die natürlichen Lebensraumbedingungen würden wohl verhindern, dass sich wenige Pflanzenarten gegenüber den anderen durchsetzten.

Machtlos gegen Wasserpest

Bereits etabliert hat sich unglücklicherweise die Wasserpest, ein Eindringling in die heimische Pflanzenwelt. «Diese invasiven Neophyten sind konkurrenzstark und verdrängen einheimische Arten», so Tino Stäheli. «Im Moment ist kein Trend zu erkennen, und wir wissen noch nicht, wie dieser Umstand zu interpretieren ist: Vielleicht nehmen sie ab, vielleicht kommt es aber auch zu einer explosionsartigen Zunahme.» Doch eine spezielle Bekämpfung zum Schutz der einheimischen Pflanzen ist im See kaum möglich. «Wir vertrauen darauf, dass sich die Wasserpest in den phosphorarmen Becken nicht noch weiter ausbreitet.»

Am meisten Sorgen bereitet den Forschern aber die Verbauung der Ufer. Stäheli: «Dadurch wurden viele Lebensräume in der Flachwasserzone zerstört, die Tieren und Pflanzen als Lebensgrundlage dienten. Von den verbleibenden Lebensräumen befinden sich nur 10 Prozent in einem guten ökologischen Zustand.» Der Forscher hofft hier auf das Gewässerschutzgesetz, das 2011 in Kraft getreten ist und die Kantone verpflichtet, zu solchen Zonen besondere Sorge zu tragen und die beeinträchtigten Seelebensräume zu revitalisieren.

Experte beruhigt Schwimmer

Schwimmer, die das Kitzeln der Wasserpflanzen an den Füssen nicht als prickelnd empfinden, beruhigt Tino Stäheli: Trotz des warmen Sommers seien die Pflanzen nicht stärker gewachsen als auch schon. «Die Temperaturen haben keinen Einfluss auf das Wachstum der Pflanzen. Nur Sonneneinstrahlung spielt für die Pflanzen eine Rolle.

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