Wassersicherheit
Schwimmen lernen im See: Pilotprojekt der SLRG in Hochdorf soll schweizweit Schule machen

In Gemeinden ohne Hallen- oder Freibad sollen die Primarschüler künftig in offenen Gewässern schwimmen lernen: Das fordert die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft. Auftrieb erhält die SLRG durch Erfahrungen aus Hochdorf.

Alexander von Däniken
Drucken
Schülerinnen und Schüler von Hochdorf im Seebad Baldegg beim Start des Pilotversuchs.

Schülerinnen und Schüler von Hochdorf im Seebad Baldegg beim Start des Pilotversuchs.

Pius Amrein (23. August 2017)

Ufer statt Beckenrand, trübes statt gechlortes Wasser: Geht es nach der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft (SLRG), sollen Primarschüler künftig in möglichst vielen Gemeinden Schwimmunterricht in Seen oder Flüssen erhalten. Das hat laut einer Medienmitteilung zwei Gründe. Erstens definiert der im Herbst 2014 verabschiedete Lehrplan 21 für den Fachbereich Bewegung und Sport sowohl zu erreichende Schwimmfähigkeiten als auch Kompetenzen zum richtigen Verhalten am, im und auf dem Wasser. Da Wasserfläche in Hallen- oder Freibädern Mangelware ist, sind die Gemeinden in der Schweiz mit einer Herausforderung konfrontiert.

Zweitens braucht es laut der SLRG mehr Risikokompetenz und Handlungskompetenz im Umgang mit dem offenen Gewässer, wie die Ertrinkungsstatistik zeigt. Im Zehnjahresschnitt ertrinken 46 Menschen, grösstenteils in offenen Gewässern wie Fluss und See. Ein Grossteil davon sind junge Männer zwischen 15 und 30 Jahren.

Norwegen, Neuseeland, Hochdorf

Zusammen mit der SLRG lancierte darum die Schulgemeinde Hochdorf 2017/2018 einen Pilotkurs, der den Schülerinnen und Schülern das Schwimmen nicht in der gewohnten Umgebung, sondern im See vermittelt. In diesem Kurs wurde 120 Schülerinnen und Schülern aus sechs Viertprimarklassen das Schwimmen beigebracht. Beeinflusst wurde das Vorhaben durch das Vorbild im Ausland. In Norwegen, Neuseeland oder Australien wurden bereits früher Pilotprojekte mit dem gleichen Ziel durch die nationalen Rettungsschwimmorganisationen erfolgreich durchgeführt.

Der damals geschaffene Pilotkurs ist nun in den regulären Betrieb überführt worden und findet in Hochdorf nach wie vor statt. Die SLRG sieht die erfolgreiche Umsetzung als Alternative für andere Gemeinden mit knappen Wasserflächen in Hallen- und Freibädern. Laut Stéphanie Bürgi-Dollet, Projektleiterin des Pilotprojekts in Hochdorf seitens SLRG, sind «die Erfahrungen aus dem gemeinsamen Projekt mit der Schulgemeinde Hochdorf absolut zur Nachahmung empfohlen». Die SLRG hoffe darauf, dass das Hochdorfer Beispiel schweizweit «Schule» macht. Dabei helfen soll auch eine Studie von Interface, in welcher das Pilotprojekt untersucht worden ist und zur Nachahmung empfohlen wird. In Hochdorf wird die SLRG derweil im September einen neuerlichen Pilotkurs anbieten. Diesmal für Lehrpersonen.