WASSERTURM: Ein neuer Tisch nach alter Kunst

Eine Sehenswürdigkeit, versteckt in einem Wahrzeichen: Der neue Tisch in der Turmstube des Luzerner Wasserturms ist ein Kunstwerk.

Lena Berger
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Kunstschreiner Ernst Christen (links) und der Turmvogt Renato Steffen in der Turmstube des Wasserturms. (Bild Pius Amrein)

Kunstschreiner Ernst Christen (links) und der Turmvogt Renato Steffen in der Turmstube des Wasserturms. (Bild Pius Amrein)

Wenn der Artillerieverein an einen grossen runden Tisch lädt, dann ist das wörtlich gemeint. Mit 3,20 Metern Durchmesser nimmt die neue Möblierung in der Turmstube des Luzerner Wasserturms fast den ganzen Raum ein. Drei Monate hat Kunstschreiner Ernst Christen daran gearbeitet. Lerchen-, Ahorn-, Nuss-, aber auch Kirschbaum-, Apfelbaum- und Birnbaumholz verwendete er dafür. Das Ergebnis überrascht mit eindrücklicher Detailstreue. «Die Familienwappen der Sponsoren sind auf dem Tisch verewigt. Sie sehen aus wie aufgemalt. Tatsächlich aber wurden die filigranen Figuren – wie Drachen oder Löwen – ausgefräst und ins Holz eingelegt. Es ist eine wundervolle Intarsien-arbeit», schwärmt Turmvogt Renato Steffen. Einen solchen Tisch zu bauen, sei sehr aufwendig. «So arbeiten heute nur noch ganz wenige Schreiner. Aber wir wollen die Geschichte bewahren. Es sollte deshalb ein Tisch sein, der den Stil früherer Zeiten aufgreift – und nach alter Handwerkskunst gebaut wurde.» Entsprechend hoch fielen auch die Kosten aus. Der Tisch dürfte weit über 10 000 Franken gekostet haben. Genaue Zahlen nennt Steffen nicht.

Für Jahrhunderte gebaut

Die enorme Grösse des Tisches erklärt sich dadurch, dass die Ritter früher Platz brauchten, um ihre Schwerter sternförmig zur Mitte hin ablegen zu können. Für Ernst Christen, auch unter dem Künstlernamen «Holzbengel» bekannt, war dieser Auftrag allein deshalb etwas ganz Besonderes. «Ich war schon als kleiner Junge ein grosser Mittelalter-Fan.» Der Tisch konnte nur die schmale Wendeltreppe den Turm hinauf transportiert werden, weil er sich – wie Kuchenstücke – in Einzelteile zerlegen lässt. Der Aufbau dauerte mehrere Stunden. «Der Tisch ist sehr massiv. Auch das gibt mir ein gutes Gefühl. Er wird mich noch Jahrhunderte überleben. Meine Urururenkel werden diesen Turm besichtigen und sich diesen Tisch ansehen können», schmunzelt Christen.

Grosser Auftritt an Hochzeiten

Der Wasserturm an der Luzerner Kapellbrücke wird vom Artillerieverein Luzern in Stand gehalten. Die über 500 Mitglieder investieren jährlich 30 000 bis 50 000 Franken in dessen Unterhalt. Der Verein macht den Wasserturm an Führungen auch für die Öffentlichkeit zugänglich – zudem können die Räumlichkeiten gemietet werden. So könnte der neue Tisch schon bald als Hochzeitstafel einen grossen Auftritt haben.

Hinweis

Weitere Informationen finden Sie unter www.avluzern.ch