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WASSERVOGEL: Fischer am Sempachersee ärgern sich über Kormorane

Am Sempachersee steigt die Zahl der Kormorane. Fischer fürchten um ihre Erträge, der Biologe hat eine ganz andere Sicht.
Sie sind majestätische Vögel und zugleich begnadete Fischer: Die Kormorane am Sempachersee sind allerdings nicht bei allen erwünscht. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Sie sind majestätische Vögel und zugleich begnadete Fischer: Die Kormorane am Sempachersee sind allerdings nicht bei allen erwünscht. (Bild: Keystone / Sigi Tischler)

Am Sempachersee lebten 2014 insgesamt 42 Kormorane, also 21 Brutpaare. Der Brutbestand der Wasservögel am Sempachersee stieg innerhalb eines Jahres von 2013 auf 2014 von 6 auf 21 Brutpaare an. Dies geht aus der jüngst veröffentlichten Zählung der Schweizerischen Vogelwarte Sempach hervor. In der Schweiz beobachtete man die erste Brut der Vögel, die knapp die Grösse einer Gans erreichen, im Jahr 2001. Am Sempachersee zum ersten Mal 2010. Jährlich werden es mehr: 2014 betrug der Schweizer Brutbestand total 1504 Paare.

Das ärgert Berufsfischer, die um ihre Erträge fürchten. Denn der Kormoran ernährt sich fast ausschliesslich von Fisch. Und sein Appetit ist beachtlich: Gemäss Bundesamt für Umwelt (Bafu) frisst ein Kormoran pro Tag 400 bis 500 Gramm Fisch. Ausserdem ist er äusserst geschickt. Sein wasserdurchlässiges Gefieder ermöglicht ihm ein rasches Abtauchen in mehr als 30 Meter Tiefe.

Kaum noch Seeforellen

Der aktuelle Brutbestand ist laut Peter Schürmann, Präsident des Fischervereins Sempachersee, nicht das grösste Problem. «Eine massive Schädigung haben wir im Herbst, wenn sich zwischen 400 und 500 Kormorane aus dem See ernähren.» In dieser Jahreszeit steigt die Zahl so stark an, weil die Kormorane vom kalten Norden in den warmen Süden kommen. Auch wenn der Sempachersee als einer der ertragreichsten für Fischer gelte, gebe es Fischarten, die in dem Gewässer praktisch nicht mehr existierten. Wie etwa die Seeforelle. «Ich kann es zwar nicht beweisen, aber ich bin davon überzeugt, dass das an den Kormoranen liegt», sagt Schürmann, der auch im Vorstand des kantonalen Fischereiverbands ist. Zudem habe man immer wieder Fische, die verletzt sind. «Der Kormoran pickt sie an, erwischt sie dann aber nicht.» Das führe dazu, dass diese Fische für die Berufsfischer nicht mehr verkäuflich seien.

Kormoran ist geschützt

Schürmann fordert Massnahmen: «Der Kormoran ist ein fremder Vogel. Und normalerweise bekämpft man alles, was nicht in die Schweiz gehört.» Allerdings ist er laut Schürmann geschützt. «Den Kormoran einfach zu jagen, wäre auch nicht nachhaltig. Es muss eine andere Lösung gefunden werden.»

Die Statistik zeigt, dass die Zahl der Kormoran-Brutbestände jährlich schwankt. Gemäss Matthias Kestenholz von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach hat das natürliche Gründe, wie etwa das Wetter. Der Biologe widerspricht zudem den Fischern: «Dass die Kormorane den Fischbestand beeinflussen, ist ein Märchen gewisser Angler und Fischer.» Die Wasservögel würden von dem natürlichen Angebot schöpfen. Als Beispiel nennt er den Neuenburgersee. «Dort haben Kormoranbestand und Fischertrag in den letzten Jahren gleichzeitig zugenommen.» Für Kestenholz greifen die Argumente der Fischer zu kurz. «Das wäre, wie wenn man einem Förster vorwirft, dass er den ganzen Wald kaputt macht, nur weil er Bäume fällt.» Kestenholz sieht das Problem woanders. «Die schlechte Wasserqualität und verbaute Ufer sind das Hauptproblem für den Rückgang der Fischbestände. Gerade in Gewässern im Kanton Luzern haben wir zum Beispiel sehr viele Gülleunfälle zu beklagen.»

Rhein: Boote vertreiben Kormorane

Fischer Schürmann gibt dem Biologen Kestenholz zwar recht, dass der Kormoran vom natürlichen Angebot schöpft. «Das trifft beim Sempachersee zu, ja.» Er befürchtet jedoch, dass die Wasservögel über dieses Angebot hinaus Fische fressen. «Wir wissen, dass beispielsweise am Rhein extra eine Kormoran-Wacht eingesetzt wird.» Diese würde mit schnellen Booten auf die Kormorane zufahren, um sie zu vertreiben. Die Gülleunfälle als Hauptproblem für den Rückgang der Fischbestände verantwortlich zu machen, ist laut Schürmann falsch. «Gülleunfälle hat man vor allem in Bächen und Flüssen. Diese werden aber von Menschenhand produziert. Diese beiden Dinge darf man nicht gegeneinander ausspielen.»

Sarah Weissmann

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