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WAUWIL: «Durchbeissen war die einzige Option»

Pascal Bättig (20) hat den Paul-Hürlimann-Preis erhalten. Trotz schwieriger Umstände hat er seine Lehre bravourös abgeschlossen.
Roseline Troxler
Pascal Bättig aus Wauwil ist stolz, seinen Lehrabschluss als Zeicher EFZ in der Tasche zu haben. (Bild Boris Bürgisser)

Pascal Bättig aus Wauwil ist stolz, seinen Lehrabschluss als Zeicher EFZ in der Tasche zu haben. (Bild Boris Bürgisser)

Roseline Troxler

Der Lehrabschluss ist für alle Lehrlinge ein wichtiger Meilenstein. Stolz, Erleichterung und Freude – diese Emotionen sind eng damit verknüpft. Ganz besonders bei Pascal Bättig aus Wauwil. Er hat seine Lehre als Zeichner EFZ mit der Fachrichtung Ingenieurbau gegen viele Widerstände absolviert. Obwohl er mehrmals kaum mehr daran geglaubt hatte, kann der heute 20-Jährige das Abschlusszeugnis in den Händen halten. «Ich fühle mich gelöst und freue mich, dass nun ein neues Kapital beginnt», sagt er, auf seinen Abschluss angesprochen.

Mathe war das Lieblingsfach

Seit seiner Geburt hat Pascal Bättig nur einen Unterarm. Dies macht für ihn das Zeichnen von Hand zu einer Herausforderung. Umso geschickter ist er allerdings bei der Arbeit mit dem CAD-Konstruktionsprogramm am Computer. «Da ich in der Firma alle Zeichnungen am Computer anfertige, bin ich hier kaum eingeschränkt.» Anders in der Schule: Das Fach Handzeichnen gehörte nicht zu seinen Favoriten – ganz im Gegensatz zur Mathematik. Abgesehen vom Hand­zeichnen bereitete ihm die Schule aber keine Mühe, wie Bättig betont. «Ich lerne gerne und ring.»

Freude am Resultat

Für die Lehre als Zeichner hat sich Bättig entschieden, weil der Beruf vielseitig ist und ein Grossteil der Arbeit am Computer ausgeführt werden kann. Das Schönste sei, wenn er das Resultat seiner Arbeit sehe – «wenn etwas in Kleinformat geplant wurde und dann in voller Grösse vor mir steht». Sein grösstes Projekt war die Planung einer Halle mit einem Fitnesscenter und einer Garage für Reisecars in Malters. «Daran habe ich gut ein halbes Jahr gearbeitet, teils unter hohem Zeitdruck.»

Krankheit zwang ihn zur Pause

Unter keinem guten Stern stand damals vor fünf Jahren sein Lehrbeginn. Drei Tage bevor er in der Berufswelt loslegen wollte, wurde er mit dem Velo unterwegs von einem Auto angefahren. Die Folge: gerissene Bänder und eine Gehirnerschütterung. Mit einer Woche Verspätung konnte er dann schliesslich mit der Lehre beginnen. Die vierjährige Lehre konnte er dennoch nicht am Stück durchziehen. Denn Pascal Bättig leidet an Psoriasis-Arthritis – Schuppenflechte mit äusserst schmerzhaftem, entzündlichem Rheuma. Die Krankheit, deren Ursachen unklar sind, ist nicht heilbar. Bättig testet verschiedenste Methoden aus, um die Schmerzen zu lindern, wird von Arzt zu Arzt geschickt. «Als die Schmerzen unerträglich wurden, musste ich die Lehre unterbrechen.»

Ein halbes Jahr ist nicht an Schule und Arbeit zu denken. Er habe in dieser Zeit oft daran gezweifelt, dass er die Lehre beenden könne. «Durchbeissen war für mich schliesslich die einzige Option.» Durch den Unterbruch verlängert sich seine Lehre um ein Jahr. Heute habe er einen guten Rheumatologen und sei in guter Betreuung bei seinem Hausarzt.

Er wollte keine Sonderbehandlung

Für seinen Durchhaltewillen und seine aussergewöhnliche Leistung erhält Pascal Bättig vom Luzerner Gewerbeverband den Paul-Hürlimann-Preis. Er ist mit 1000 Franken dotiert. «Baff» sei er gewesen, als er von der Auszeichnung erfahren habe, aber auch stolz, sagt Pascal Bättig. Daniel Jaeggi vom Luzerner Gewerbeverband sagt zur Auszeichnung, die seit 15 Jahren verliehen wird: «Pascal Bättig hat sehr viel Engagement aufgebracht, um sein Ziel zu erreichen.» Was die Jury besonders beeindruckt hatte: «Eine Sonderbehandlung kam für ihn nicht in Frage.» Pascal Bättig wäre ein Nachteilsausgleich zugestanden. Das heisst: Für die praktische Lehrabschlussprüfung hätte er mehr Zeit erhalten als seine Mitschüler. Pascal Bättig aber hat darauf verzichtet – und dennoch erfolgreich bestanden.

Familie und Firma geben Halt

Pascal Bättig steht immer wieder auf, wenn er hinfällt. Doch er unterstreicht: «Meine Familie und meine Freunde haben mir viel Kraft gegeben.» Bättig ist auf einem Bauernhof in Wauwil aufgewachsen. Einen besonders engen Draht hat er zu seinem Bruder. Unterstützt haben ihn aber auch seine Eltern und die jüngere Schwester.

Ein wichtiger Halt war für ihn aber auch sein Arbeitgeber, das Bauingenieurbüro Woodtli GmbH in Obernau. «Ohne meine Firma hätte ich die Lehre nicht geschafft.» Der Firmeninhaber war für ihn viel mehr als ein Chef. «Er und seine Partnerin haben mich enorm unterstützt.» Einmal in der Woche konnte er sogar bei seinem Chef mittagessen gehen. «Ich bin ihnen extrem dankbar», sagt Bättig. «Kaum ein anderes Unternehmen hätte mir so viel Verständnis entgegengebracht.» So erstaunt es nicht, dass Bättig seinem Arbeitgeber auch nach Lehrabschluss die Treue halten wird.

«Rückschläge gemeistert»

Markus Woodtli, Geschäftsführer der Bauingenieurbüro Woodtli GmbH, sagt zum Preisträger: «Ich habe mich sehr für ihn gefreut. Er hat den Preis verdient.» Woodtli bezeichnet Pascal Bättig als sehr hilfsbereiten und sehr freundlichen jungen Menschen, der sich innerhalb der Lehrzeit mehr und mehr geöffnet habe. «Es gab gesundheitlich immer wieder Rückschläge und dadurch mentale Tiefs, aber Pascal hat sie gemeistert und kann heute viel besser damit umgehen.» Es freue ihn sehr, dass Pascal Bättig seinen Arbeitsweg weiterhin in seinem Unternehmen bestreite.

Bevor es nun zurück an die Arbeit geht, macht Bättig erst mal Pause. Freizeit und Hobbys seien in den letzten Jahren zu kurz gekommen. Zunächst schweift er in die Ferne. Das Ziel: vier Wochen Bali.

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