WAUWIL: Kampfwahl um das Präsidium

Am 28. Februar wählt der Stimmbürger den neuen Gemeindepräsidenten. Zwei wollen den vakanten Sitz: Unter anderem eine amtierende Gemeinderätin.

Ernesto Piazza
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Wauwil wählt ein neues Gemeindepräsidium. (Symbolbild Boris Bürgisser  / Neue LZ)

Wauwil wählt ein neues Gemeindepräsidium. (Symbolbild Boris Bürgisser / Neue LZ)

In Wauwil ist das Gemeindepräsidium neu zu besetzen. Während die CVP Gemeinderätin Annelies Gassmann (60) für das Amt nominiert hat, tritt das überparteiliche Komitee «Demokratie am Santenberg» mit Hans Schöpfer (71) an. Brisant ist: Er gehört auch der CVP an.

Schöpfer bezeichnet sich unter anderem als teamfähig und bürgernah. Seit 1993 dirigiert er den Jodlerclub Sempach. Da müsse man führungserprobt und kommunikativ sein. Dass der Kirchenratspräsident der Pfarrei Wauwil-Egolzwil auch noch für das Amt des Gemeindepräsidenten kandidieren soll, erachtete er bis vor kurzem «als eher unwahrscheinlich». Doch nun sei er bereit und will vor allem seine grosse Lebenserfahrung einbringen. «Zudem fühle ich mich gesund und möchte sachlich politisieren.» Vor der Herausforderung habe er zwar Respekt. «Angst wäre aber ein schlechter Begleiter.»

Annelies Gassmann sagt, gefragt nach ihrer Motivation: Als Vizepräsidentin sei es naheliegend, dass man bei einer Vakanz im Präsidium entsprechende Überlegungen anstelle. «Seit Jahren arbeite ich bei strategisch wichtigen Gemeindegeschäften mit und darf für mich in Anspruch nehmen, mit diesen gut vertraut zu sein.» Mit ihrer Kandidatur signalisiere sie die Bereitschaft, künftig vermehrt Führungsverantwortung zu übernehmen.

Dass es zur Kampfwahl kommt, ist im Rücktritt von Jakob Lütolf begründet. Er hatte Mitte Oktober nach diversen Fusionsquerelen als Gemeindepräsident demissioniert. Seither führt Annelies Gassmann seine Geschäfte ad interim.

«Entwicklung vorantreiben»

Sollte Schöpfer am 28. Februar gewählt werden, setzt er sich unter anderem zum Ziel, den guten, aber angeschlagenen Ruf der Gemeinde wiederherzustellen. Zugleich sei er bestrebt, die Entwicklung der Gemeinde voranzutreiben. Und vor allem will er die Bevölkerung wieder näher zusammenbringen. Hier ortet er aufgrund der Querelen rund um die abgebrochenen Fusionsgespräche mit Egolzwil eine dringende Aufarbeitung. «Es muss uns gelingen, den entstandenen Graben wieder zuzuschütten.» Und Schöpfer beabsichtigt, eine Lanze für die Jugend zu brechen. «Sie verdienen es, weil sie sich mit der Petition für eine Fusionsabstimmung einsetzten. Man kann sie nicht in eine Schublade schliessen.»

Beklemmende Stimmung vermeiden

Gassmann sieht im Dorf keinen unmittelbaren Handlungsbedarf. «Die Stimmberechtigten tragen die Ziele und Massnahmen, die im Gemeindeleitbild definiert, periodisch überprüft und der Bevölkerung kommuniziert werden, voll mit.» Dies zeige die Tatsache, dass seit Jahren Geschäfte an den Gemeindeversammlungen – wie im letzten Dezember – oft einstimmig unterstützt würden.

Und wie sieht Gassmann eine künftige Fusion? «Eine erneute Abstimmung muss ein Erfolg werden. Das erwartet auch eine Mehrheit unserer Stimmberechtigten. Denn diese haben bereits einmal mit 84 Prozent der Fusion mit Egolzwil zugestimmt.» Eine beklemmende Stimmung über mehrere Jahre wie nach der Abstimmung 2006 wolle der Wauwiler Gemeinderat der Bevölkerung kein zweites Mal zumuten. Damals wurde die Vorlage von den Egolzwiler Stimmberechtigten überraschend abgelehnt. Es brauche daher eine Fusionsvorlage, in der zu den relevanten Fragen klare Aussagen gemacht würden. Dieses Ziel habe bei der 2015 abgeschlossenen Prüfung «trotz sehr viel Geduld» leider nicht erreicht werden können. «Auch wenn in der Öffentlichkeit von Einzelpersonen immer wieder das Gegenteil behauptet wird, ändert sich diese Tatsache nicht.»

«Kommunikation trägt Mitschuld»

Gassmann räumt aber ein, sie habe in Gesprächen mit der Bevölkerung gespürt, dass der Wissensstand in Bezug auf die Fusionsprüfung unterschiedlich sei. Daran trage die vom Gemeinderat Wauwil gewählte Kommunikationsstrategie eine Mitschuld. Aus Rücksicht auf involvierte Personen und im Interesse der Sache als Ganzes habe man es vorgezogen, mit der Bevölkerung durch verschiedene Gesprächsangebote direkt zu kommunizieren. «Das Risiko, dass damit nicht alle gleichzeitig erreicht werden können und so Unsicherheiten entstehen, nahm der Gemeinderat nach einer Güterabwägung in Kauf.»

«Karten für alle offen auf den Tisch»

Hans Schöpfer sagt: «Die Bevölkerung beider Gemeinden hat sich mit einem überwältigenden Mehr für die Fusionsverhandlungen ausgesprochen. Wenn es Gründe für einen Abbruch gab, müssen die Fusionskarten für alle offen auf den Tisch. Dafür würde ich mich einsetzen.» Schöpfer sagt aber auch: «Als Gemeindepräsident würde ich bis am 1. September – und somit bis zum Beginn der neuen Legislatur – das Zusammenschlussdossier nicht in die Hand nehmen.» Denn er möchte wissen, mit wem er künftig im Gemeinderat zusammenarbeitet. Klar ist aber: Er will einen Weg finden, um die Gespräche mit Egolzwil wieder in Gang zu bringen: mit einem neuen Projektleiter und auf einer möglichst breit abgestützten Basis.

Sollte Gassmann gewählt werden, sieht Schöpfer ihr Doppelmandat «als höchst problematisch». Sie sagt: Eine Verkleinerung des Rates auf vier Mitglieder stehe nicht zur Diskussion.

Beide rechnen mit «intakten Chancen». Wenn einer der Kandidaten am 28. Februar das absolute Mehr erreicht, tritt er das Amt per sofort an. Ob sich Schöpfer bei einer Wahl für die vierjährige Legislatur – sie beginnt am 1. September – zur Verfügung stellt, lässt er im Moment offen. Gassmann kann sich vorstellen, weitere vier Jahre im Gemeinderat mitzuarbeiten. «Aus Erfahrung weiss ich, dass die Wauwiler Stimmberechtigten nicht schwarz-weiss malen, sondern sehr wohl mit komplexen Sachverhalten umgehen und diese beurteilen können.»

Ernesto Piazza