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WAUWILER EBENE: Die Ränder rücken ins Zentrum

Der Siedlungsdruck nimmt zu – und jener auf das Naherholungsgebiet auch. Den Rändern zwischen bebautem und unbebautem Gebiet kommt deshalb eine besondere Bedeutung zu.
Vom Beobachtungsturm aus sieht man über die Moorlandschaft (Bild: Leserin Irene Wanner)

Vom Beobachtungsturm aus sieht man über die Moorlandschaft (Bild: Leserin Irene Wanner)

Wäre der See im vorletzten Jahrhundert nicht trockengelegt worden, gäbe es die Wauwiler Ebene nicht. Und wenn es diese nicht gäbe, bräuchte es keinen Verein, der sich um dieses umkämpfte Stück besten Luzerner Mittellandes kümmert. So einfach ist das. Doch danach beginnen die Probleme oder – wie die Fachleute sagen –die Nutzungskonflikte «in dieser rationell durchmeliorierten Landschaftskammer», wie die Vogelwarte Sempach das Gebiet, das eine Landschaft von nationaler Bedeutung ist, einst treffend bezeichnete.

Die Vogelwarte ist seit Mitte der 1990er-Jahre damit befasst, den Lebensraum mit Massnahmen zur Erhöhung der Biodiversität aufzuwerten und die Artenvielfalt zu fördern. Was nötig war und ist, nachdem die Moorlandschaft durch Torfabbau und intensive Landwirtschaft gezeichnet ist, die Ron begradigt und das Land bis in die 1970er-Jahre zunehmend urban gemacht wurde. Immerhin: Das Raffinerieprojekt, das in den 1960er-Jahren für Furore sorgte, blieb eine verrückte Idee.

Die Anstrengungen, die Ebene zu revitalisieren, sind zwar durchaus erkennbar – am Ziel sind die Schützer von Flora und Fauna allerdings noch nicht. Der Kiebitz etwa, der Sumpfrohrsänger und die Feldlerche haben einen schweren Stand. Aber da sind nicht nur die Vogelliebhaber. Da ist Landwirtschaft, da ist Industrie, da ist Gewerbe, da sind Freizeitsportler, da sind Archäologen und Prähistoriker – und da sind auch die Ränder der Siedlungen jener sieben Gemeinden, welche die Ebene umschliessen.

Verein will unterschiedliche Anliegen verbinden

Just diesem Thema widmet sich im zweiten Jahr seines Bestehens der Verein Freunde der Wauwiler Ebene. Dem Verein geht es dabei gerade nicht um partikuläre Interessenvertretung, sondern vielmehr darum, ökologische, ökonomische und gesellschaftliche Anliegen miteinander zu verbinden – und für den Lebensraum insgesamt das Beste herauszuholen. Oder, wie es Vereinspräsident Urs Niffeler, früherer Gemeindepräsident von Mauensee, an einer Veranstaltung in der Wauwiler «Mangerie» sagte: «Wir wollen Brückenbauer am Übergang von Siedlung und Landschaft sein.»

Klar ist für den Verein, dass er sich um die Ebene an sich kümmern will. Aber auch um deren Ränder – um die sensiblen Berührungspunkte von Siedlung und Landschaft. Das Jahresthema der Freunde der Wauwiler Ebene ist vor diesem Hintergrund der Siedlungsrand, im tatsächlichen ebenso wie im übertragenen Sinn ein Randthema der kommunalen und kantonalen Raumplanung. In der «Mangerie» versammelten sich deshalb nicht nur Planungsfachleute, sondern auch Behördenvertreter von Gemeinden sowie Nutzer der Ebene.

Peripherie im Fokus des kantonalen Richtplans

Für den Egolzwiler Gemeindepräsidenten Urs Hodel war dabei klar, dass es sich bei Verbesserungen an den Siedlungsrändern um einen Prozess handelt – und nicht um etwas, das von heute auf morgen zu realisieren sein wird. Seine Gemeinde werde die Entwicklung aufmerksam verfolgen und nach Möglichkeiten von Erfahrungen anderer profitieren. Ähnlich äusserte sich der Knutwiler Gemeindeammann Peter Boog – als Bauer mit einem besonderen Augenmerk für die Herausforderungen an die Landwirtschaft.

Deutlich zu spüren: Sowohl die Gemeinden als auch die Bauern sind durch neue Bestimmungen von Bund und Kanton in der Raumplanung stark gefordert. Was sich in den bis 2023 zu überarbeitenden Ortsplanungen niederschlagen wird. Für ein «Miteinander» plädierte dabei der Leiter der Dienststelle Raum und Wirtschaft, Sven-Erik Zeidler. Der kantonale Richtplan habe den Fokus bewusst von den Ortskernen an die Peripherie der Siedlungen verschoben – mit der Folge, dass nun auch die Ränder des bebauten Gebietes Aufmerksamkeit beanspruchten. Zeidler brach dabei eine Lanze für die Schaffung von Siedlungsleitbildern, um den wertvollen Rändern den Stellenwert zu geben, den sie verdienten.

Was zu beweisen war: Der «gute» Siedlungsrand bemisst sich nicht nur an seinem ökologischen Wert, sondern auch an seiner Qualität als Begegnungsraum, als ästhetischer Faktor am Übergang von bebautem zu unbebautem Gebiet und als Mittler zwischen unterschiedlichen Nutzungen. Wenn der Kiebitz dabei auch seinen Platz hat, freut es nicht nur die Vogelwarte.

Balz Bruder

balz.bruder@luzernerzeitung.ch

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