WAUWILERMOOS: Als die Wärme aus dem Boden kam

Heute ist er in Vergessenheit geraten, aber früher war der Rohstoff Torf im Kanton Luzern von grosser Bedeutung. Ein Grund war der Zweite Weltkrieg.

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Ein Torfstecher legt die Stücke im Wauwilermoos der 1940er-Jahre zum Trocknen aus. (Bild Hans Marti/hansmartiarchiv.ch)

Ein Torfstecher legt die Stücke im Wauwilermoos der 1940er-Jahre zum Trocknen aus. (Bild Hans Marti/hansmartiarchiv.ch)

So sieht das ehemalige Torfgebiet heute aus. (Bild: Maria Schmid)

So sieht das ehemalige Torfgebiet heute aus. (Bild: Maria Schmid)

Auf den ersten Blick könnte man die Arbeit auf dem Bild mit einer üblichen Tätigkeit in der Landwirtschaft verwechseln. Aber bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass hier für die heutigen Begebenheiten im Kanton Luzern etwas Ungewöhnliches passiert. Hier wird ein aus dem Boden gewonnener, aber mittlerweile in Vergessenheit geratener Rohstoff ausgelegt: Torf.

Torf als Holzersatz

Die Idee, Torf aus Mooren der Schweiz zu nutzen, kam Anfang des 18. Jahrhunderts auf. Dies ergeben die Recherchen von Thomas Schönenberg vom Staatsarchiv Luzern. Das unter Luftabschluss nicht oder nur teilweise zersetzte Pflanzenmaterial wurde als Brennstoff verwendet. Eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung hatte der Torf im Zeitalter der Industrialisierung. Der Torfabbau war eine Folge der intensiven Nutzung der Wälder für die entstehende Industrie, die mehr Brennstoff brauchte, aber zu wenig Holz zur Verfügung hatte.

Den Abschwung des Abbaus brachte mit der Zeit importierte Kohle, die billiger zu haben war. Schönenberg: «Möglicherweise führte auch der zunehmende Import von Erdöl zum Rückgang.» Eine letzte grössere Abbauphase gab es während des Zweiten Weltkriegs. Als die Kohle rationiert werden musste, wurde auf diese Weise für Ersatz gesorgt.

Energie für die Glasi Wauwil

Im Kanton Luzern stellte vor allem das Wauwilermoos ein lohnendes Torfabbaugebiet dar, seltener wurde er auch im Uffikoner-Buchsermoos gewonnen. «Der Torf aus dem Wauwilermoos wurde vor allem von der Glasi Wauwil als Brennmittel verwendet», sagt Ferdinand Andermatt, Verantwortlicher für das Hans-Marti-Archiv. Davon zeugen auch die beiden Bronzestatuen «Torfstecher» und «Glasbläser», die auf dem Areal des Zentrums Linde in Wauwil stehen. Andermatt war 1945 selbst als Torfstecher im Kanton Zug tätig. «So verdiente ich mir zwischen Schulabschluss und Lehre ein Sackgeld», sagt er.

Der Torf wurde aus einer Tiefe von etwa zwei Metern gestochen. Dabei habe man einen schmalen Spaten brauchen müssen, um die ungefähr 60 Zentimeter langen Stücke herzustellen. Andermatt: «Dabei musste man aufpassen, da der Torf schnell zerbröselte.» Die Stücke wurden kreuzweise übereinander aufgeschichtet, um zu trocknen. Dies sieht man auch auf dem Bild, welches in den 1940er-Jahren entstanden ist. Das Trocknen dauerte je nach Witterung sechs bis acht Wochen. «Zum Teil hat man den Torf auch mit Stroh zermahlen, bis er eine Konsistenz von Sägemehl hatte. Mit Gülle vermischt, wurde daraus ein grossartiger Dünger», sagt Andermatt.

Anstrengende Arbeit

An die Zeit erinnert sich Ferdinand Andermatt noch gut. «Es war eine strenge Arbeit. Acht bis neun Stunden lang den Torf stechen und herumtragen – da kam man schon ins Schwitzen. Ein zweites Jahr hätte ich nicht mehr mitgemacht. »

In Erinnerungen geblieben ist ihm vor allem das Kriegsende in Europa 1945. Andermatt: «Auf einmal läuteten die Friedensglocken in der Kirche. Man gab uns zu diesem Anlass eine Pause von 15 Minuten. Es herrschte grosse Freude, und wir begannen zu singen.»

Abbau ist heute verboten

Nach 1945 nahm die Torfproduktion stark ab. Mit der angenommenen Rothenthurminitiative wurde der Abbau in der Schweiz 1987 verboten. Das Material wird heute nur noch im Gartenbau zur Aufbesserung des Bodens verwendet. Das Wauwilermoos ist vor allem als Naturschutzgebiet bekannt. Zudem steht im Gebiet nun die Strafanstalt Wauwilermoos, die Ende der 1940er-Jahre als Ersatz für die Stadtluzerner Einrichtung etabliert worden war.