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Weg mit Wegwerfen: Mehrweggeschirr ist in Take-Aways auf dem Vormarsch

Jeden Tag landet haufenweise Take-Away-Geschirr nach einmaligem Gebrauch im Abfall. Das will Recircle ändern. Das Unternehmen lässt Mehrweggeschirr für Take-Aways produzieren. In der Schweiz machen 520 Betriebe mit, in Luzern sind es 26.
Sandro Renggli

Fast jeder hat sein Essen schon mal zum Mitnehmen bestellt. Das Take-Away-Prinzip ist vor allem eines: schnell. Man kann sein Menu zu Hause, im Freien oder auf dem Weg geniessen. Das ist praktisch und unkompliziert:

(Bild: Pius Amrein, Luzern, 30. April 2019)

(Bild: Pius Amrein, Luzern, 30. April 2019)

Allerdings werden so Unmengen an Abfall produziert – weil die Behälter und Verpackungen aus Plastik, Alu oder Karton nach einmaligem Gebrauch einfach in den Abfall geworfen werden. Das junge Berner Unternehmen Recircle will das ändern. Mit seinem Mehrweggeschirr sagt es dem Wegwerfverhalten den Kampf an und fördert bei Konsumenten ein Umdenken.

Und so funktioniert Recircle: Man bekommt sein Menu in einer so genannten «Rebox», einem Essbehälter des Unternehmens. Für die Rebox zahlt man in der Regel zehn Franken Depot. Danach kann man die Rebox zurückbringen und erhält das Geld zurück. Oder man erhält anstatt dem Depot eine frische Rebox. Die gebrauchten Reboxen werden gewaschen und wiederverwendet.

Ein Koch füllt im Restaurant Basilico in Luzern Teigwaren in ein Mehrweggeschirr ab. (Bild: Pius Amrein, 30. April 2019)

Ein Koch füllt im Restaurant Basilico in Luzern Teigwaren in ein Mehrweggeschirr ab. (Bild: Pius Amrein, 30. April 2019)

Das Unternehmen garantiert, dass man die Boxen mindestens 100 Mal brauchen kann, sie würden meist aber noch viel länger halten. Natürlich kann man seine Rebox auch selber waschen und fürs nächste Menu wieder mitbringen.

Die Reboxen sind aus dem Kunststoff Polybutylenterephthalat gefertigt und auberginen-farbig. Produziert werden sie von der Stefan Kälin AG in Einsiedeln. Der Kunststoff habe sich in Tests gegenüber anderen Materialien wie Glas, Aluminium oder Holz durchgesetzt. Die Farbe sorge dafür, dass die Boxen herausstechen, ausserdem passe sie zu allen Gerichten und sei zudem geschlechterneutral, so das Unternehmen.

Schweizweiter Erfolg – auch in Luzern

Die Idee dazu hatte 2014 Jeannette Morath. Sie hat das Prinzip in Bern in einer Arbeitsgruppe als Pilotprojekt getestet, und konnte dieses im Rahmen ihrer Masterarbeit gleich auswerten. Moraths Schlussfolgerung: mit Recircle kann sie etwas bewirken.

Das hat sie dann auch: Heute sind 520 Unternehmen in der Schweiz sogenannte Recircle-Partner, 26 davon in Luzern. 120'000 Reboxen befinden sich derzeit im Umlauf. Damit spart die Firma nach eigenen Angaben rund 30'000 Wegwerfgeschirreinheiten – pro Tag entspricht dies 1000 gefüllten Abfallsäcken.

Begeistert von der Idee ist auch das Restaurant Basilico an der Hirschmattstrasse in Luzern:

(Bild: Pius Amrein, 30. April 2019)

(Bild: Pius Amrein, 30. April 2019)

«Wir wollen als Gastrobetrieb mit einem guten Beispiel vorangehen», erklärt Geschäftsführer Jeff Sezer. «Schliesslich müssen wir alle unseren Beitrag zur Umwelt leisten.» Auf Alu und Wegwerfplastik verzichte Basilico ohnehin schon seit Jahren. Und jetzt würden schon rund 70 Prozent der Stammkunden die Reboxen nutzen, obwohl das italienische Restaurant erst seit zwei Monaten Recircle-Partner ist. «Während des Mittags füllen wir jetzt schon mal gut und gerne 20 Reboxen. Wenn Recircle dann auch Pizza-Behälter anbietet, können wir diese Zahl sogar verdoppeln», versichert Sezer. Momentan gibt es zwar noch keine Pizza-Boxen von Recircle, eine entsprechende Lösung befindet sich aber in der Entwicklungsphase.

Diese Recircle-Partner finden Sie im Kanton Luzern:

(Mit Refill gekennzeichnete Partner füllen Reboxen auf, verkaufen sie aber nicht selber)

  • Claudias Kiosk Shop, Luzern (Refill)
  • Korea Town, Luzern (Refill)
  • Tibits, Luzern (Refill)
  • Amma’s Immo, Luzern
  • Basilico Pizza Pasta, Luzern
  • Bäckerei Kreyenbühl, Luzern
  • Bäckerei Moos, Luzern
  • D'ouro Restaurante & Pastelaria, Luzern
  • Ehliger Bäckerei (Hochdorf)
  • Erwins Bio Imbiss-Stube, Luzern
  • Feines aus Luzern
  • Gut's Genuss (Kriens), Luzern
  • Hobergs Gourmetbus & Catering GmbH, Luzern
  • IG Arbeit Nylon 7 (Emmenbrücke)
  • June's Thai Küche (Kriens)
  • Karls Kraut, Luzern (ab Juni)
  • Melissa’s Kitchen, Luzern
  • Memories of Asia, Luzern
  • Pastarazzi, Luzern
  • Phoenix Takeaway, Luzern
  • Prizzi, Luzern
  • Restaurant Oasis (Root)
  • Rosalie Bio-Imbiss (Buttisholz)
  • S-Tisch (Malters)
  • Shanghai Asiatische Waren AG, Luzern
  • Takrai - Thai Food Take Awa, Luzern
  • Ueli-Hof (Ebikon)
  • World Café und Dock 14 by KKL Luzern

Laut Jeannette Morath ist vor allem wichtig, dass die Idee des Mehrweggeschirrs zur Normalität wird. «Momentan ist Wegwerfgeschirr noch selbstverständlich. Wir wollen, dass Mehrweggeschirr zur Selbstverständlichkeit wird», so Morath. «Wenn in einem Büro zum Beispiel jemand eine Rebox benutzt, werden vielleicht immer mehr dasselbe tun. Irgendwann könnte die Idee zum Selbstläufer werden.» Wichtig sei auch, dass das Konzept von den Partnern aktiv beworben wird.

Den aktuellen Diskurs um den Klimaschutz hat Recircle natürlich auch gespürt. «Die Nachfrage nach verantwortungsvolleren Alternativen zum Wegwerfgeschirr ist definitiv gestiegen. Das kommt uns zugute», bestätigt Morath.

Auch Marktriesen beteiligen sich

Einer der grössten Kunden von Recircle ist die Migros. Bei Migros Take-Away und Restaurants gibt es Reboxen allerdings in grün, passend zum internen Nachhaltigkeitsprogramm Generation M. Und wie sieht's bei der Konkurrenz aus? Coop hat Anfang März in Basel einen Testlauf mit Recircle gestartet. Sollte die Idee bei der Kundschaft gut ankommen, will man die Reboxen im Sommer schweizweit in anbieten.

Jeannette Morath ist optimistisch, dass auch die Coop-Kunden Recircle positiv bewerten – so wie die meisten anderen Nutzer: «Das Feedback ist grösstenteils sehr positiv», erklärt sie. «Natürlich passt nicht allen, was wir machen. Manche finden, ein anderes Material für die Boxen wäre besser. Oder man solle doch einfach recyceln. Vielleicht gibt es auch noch Luft nach oben, was die Nachhaltigkeit anbelangt. Aber für uns ist klar: wir müssen jetzt etwas tun, und irgendwo anfangen.»

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