Wegen Biberschäden: Eichen am Emmer Adligenweiher müssen weichen

Beim Adligenweiher in Emmen wurden drei Bäume wegen Biberschäden gefällt. Der Kanton registriert immer wieder Konflikte zwischen Mensch und Biber. Obwohl Letzterer unter Schutz steht, bestehen mehrere Handlungsmöglichkeiten.

Stefan Dähler
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Eine der Eichen vor der Fällung – zuvor werden noch die Fledermauskästen in Sicherheit gebracht. Der Biberschaden ist am Stamm erkennbar.

Eine der Eichen vor der Fällung – zuvor werden noch die Fledermauskästen in Sicherheit gebracht. Der Biberschaden ist am Stamm erkennbar.

Bilder: Philipp Schmidli (Emmen, 17. Dezember 2019)

Die Vegetation rund um den Adligenweiher bei der Kaserne Emmen hat sich gelichtet. Am Dienstag wurden aus Sicherheitsgründen drei Eichen gefällt. Sie wiesen Biberschäden auf und drohten, auf ein Bienenhäuschen beziehungsweise in den Weiher zu fallen. Letzteres wäre ebenfalls nicht gut, weil das Gewässer als Retentionsbecken dem Hochwasserschutz dient, wie Pirmin Petris vom Natur- und Vogelschutzverein Emmenbrücke sagt. Dieser betreut den Weiher im Auftrag der Stiftung Viscosuisse, die das Grundstück wiederum im Baurecht vom Kanton übernommen hat.

Der Biber habe sich vor rund drei Jahren beim Weiher eingenistet, so Petris. Wie viele es sind, ist nicht klar. Beim Kanton ist von einem Einzeltier oder einem Paar die Rede; der Verein schätzt den Bestand auf drei Tiere. Zunächst seien kleinere Bäume gefällt worden, die Schäden an den Eichen seien kürzlich innerhalb weniger Tage entstanden, so Petris. Er bedauert die Fällung der Bäume, die ihm ans Herz gewachsen sind, sehr. Besonders markant war diese schätzungsweise 70 Jahre alte Eiche mit einer Höhe von rund 25 bis 30 Metern:

Der Biber ist bundesrechtlich geschützt. Über den Umgang mit dem Nagetier ist Petris gespalten. «Das muss letztlich die Gesellschaft entscheiden.» Beim Weiher habe man nun verbliebene Bäume mit einem Drahtgeflecht geschützt und lasse Holz über den Winter liegen, damit der Biber Nahrung hat. Wenn dieses weg ist, dürfte sich das Problem aber an einen anderen Ort verlagern, so Petris.

Der Biberbestand nimmt stark zu

Der Biber ist im Kanton Luzern im Vormarsch. Beim letzten Monitoring im Winter 2017/18 wurden 75 Exemplare nachgewiesen. Zehn Jahre zuvor war es erst ein Tier, sagt Miriam Peretti, Projektleiterin der Aktion Biber & Co. für lebendige Gewässer bei Pro Natura Luzern. «Wir erhalten regelmässig Reaktionen. Wenn prägende Bäume einem Wildtier zu Opfer fallen, sind Leute oftmals geschockt, was auch verständlich ist.» Zudem seien die Leute in Luzern noch nicht an den Biber gewöhnt; er war über 200 Jahre in der Schweiz und in fast ganz Europa ausgestorben.

Wenn Bäume gefällt werden, entstünden auch wertvolle Totholzstrukturen, was zu einem Anstieg der Artenvielfalt führe, sagt Peretti. Sie empfiehlt aber, wertvolle Bäume mit einem Drahtgeflecht bis zu einer Höhe von rund 1,5 Metern zu schützen, wie es nun beim Adligenweiher praktiziert wird. «Diese Massnahme ist sehr wirksam.»

Kanton und Pro Natura bieten Beratungen an

Weiter sei es ratsam, in Biberrevieren bei Fällungen über den Winter die Holzreste liegen zu lassen, damit der Biber diese und nicht wieder neue Bäume fresse. Grosse Bäume würden fast nur im Herbst und Winter angeknabbert; im Frühling und Sommer ernähre sich der Biber von Kräutern oder anderen grünen Gewächsen. Tauche der Biber auf, könne man sich bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) oder bei Pro Natura melden und beraten lassen.

Apropos Ernährung: Nach «Lehrbuch» frisst der Biber eigentlich keine Eichen, sondern Weichhölzer wie Weiden, die sich schnell wieder von Nageschäden erholen, so Peretti. «Wir haben nun aber auch andernorts von gefällten Eichen gehört. Eine Erklärung könnte sein, dass der Biber das tut, um für seine bevorzugten Nahrungshölzer Platz zu schaffen.»

Nebeneinander soll möglich sein

Gemäss Lawa gebe es einige ­Fälle von Konflikten zwischen Mensch und Biber. «Diese versuchen wir zu entschärfen, um ein Nebeneinander in unserer dicht besiedelten Schweiz zu ermöglichen», schreibt Christian Hüsler, Fachbearbeiter Jagd und Wildhüter bei der Dienststelle Lawa. Einige Schutzmassnahmen könnten relativ einfach umgesetzt werden.

Es gebe aber auch Fälle, in denen grössere Schäden entstehen können, etwa Überschwemmungen. Massnahmen an Biberdämmen und -bauten dürfen aber nur mit einer Bewilligung des Kantons ergriffen werden. Dann führe die Dienststelle eine Interessensabwägung durch. «Sofern der Schaden dem Schutzinteresse des Bibers überwiegt, bewilligt und begleitet die Dienststelle den entsprechenden Eingriff», so Hüsler. Dabei handelt es sich um technische Massnahmen wie etwa die Reduktion der Dammhöhe oder Biberdammdrainagen.