Kommentar

Wegen Corona: Armutsbetroffene brauchen im Kanton Luzern eine stärkere Lobby

Die Coronakrise hat drastische Auswirkungen auf die Wirtschaft, aber auch auf die Bevölkerung im Kanton Luzern. Für diese braucht es nun zusätzliche Massnahmen.

Roseline Troxler
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Roseline Troxler, Ressort Kanton.

Roseline Troxler, Ressort Kanton.

Bild: PD

5376 Arbeitslose, knapp 97 000 Luzerner, die auf Kurzarbeit gesetzt sind und eine steigende Anzahl an Gesuchen für Sozialhilfe: Die Coronakrise hinterlässt im Kanton Luzern Spuren. Derweil konzentrieren sich die Unterstützungsmassnahmen von Bund und Kanton vor allem auf die Unternehmen. So hilft der Kanton Luzern Start-ups mit Krediten, unterstützt Kitas und greift der gebeutelten Tourismusbranche mit 700 000 Franken unter die Arme.

Die Caritas nimmt mit einem Appell nun den Kantonsrat in die Pflicht, bei Armutsbetroffenen und Armutsgefährdeten genauer hinzuschauen. Das Parlament soll diese rund 60 000 Luzerner besser unterstützen. Zu Recht. Denn diese Bevölkerungsgruppe profitiert bisher von den staatlichen Massnahmen – wenn überhaupt – nur bedingt. Gleichzeitig hat etwa die Kurzarbeit gerade für Personen mit tiefem Einkommen grosse Folgen, wenn diese bis zu 20 Prozent weniger Lohn erhalten.

Das Parlament tut also gut daran, den Fokus rasch auf Menschen am Existenzminimum zu richten. Anders als Unternehmen mit ihrem mächtigem Gewerbeverband besitzt diese Bevölkerungsgruppe keine starke Lobby. Zwar haben SP und Grüne diverse Vorstösse eingereicht. Doch Unterstützungsmassnahmen für Arbeitnehmer in Tieflohnbranchen, für Kleingewerbler und Familien dürfen nicht ein linkes Anliegen bleiben. Luzern kann es sich nicht leisten, dass Hunderte zusätzlich in die Sozialhilfe rutschen und lange von öffentlichen Geldern abhängig bleiben.

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