Wegen Corona

In der Krienser «Musigturbine» sind nun Bandproben statt Chorgesang angesagt

Die «Musigturbine» für offenes Singen in Kriens passt ihr Angebot coronabedingt an – sie bietet den Raum nun Bands an.

Natalie Ehrenzweig
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Im Januar startete Tamara Kiener mit ihrem Projekt Musigturbine im alten Pförtnerhäuschen auf dem Bell-Areal in Kriens. Unterstützt wurde sie durch Martin Loeffel. Wöchentlich boten die Musikpädagogen ein offenes Singen an: Man konnte sich auf der Website informieren, was wann gesungen wird, und dann – völlig unverbindlich – nach Lust und Laune singen kommen (wir berichteten). «Wir waren total überrascht, wie viele Leute kamen. Unser Raum wurde rasch zu klein», so Kiener.

Doch bereits nach sechs Wochen mussten sie aufgrund der Coronamassnahmen das Projekt auf Eis legen.

«Dass Anfang Jahr hier drin 40 Personen sangen, kann man sich heute fast nicht mehr vorstellen»,

sagt die leidenschaftliche Musikerin und Musiklehrerin und schaut sich im 25 Quadratmeter grossen Raum um.

Initiantin Tamara Kiener beim Musigturbine-Lokal auf dem Bell-Areal.

Initiantin Tamara Kiener beim Musigturbine-Lokal auf dem Bell-Areal.

Bild: Dominik Wunderli (Kriens, 9. Dezember 2020)

Wenn Kiener in Kriens unterwegs ist, kriegt sie das Bedauern der verhinderten Sängerinnen und Sänger mit: «Es gab einige, die fanden, dass es megaschade sei, dass wir uns nicht zum Singen treffen können. Das Singen fehlte ihnen. Ein paar waren auch enttäuscht oder regten sich auf. Aber wir müssen einfach das Beste aus der Situation machen», betont sie. Und das Beste aus der Situation macht Kiener auch bezüglich des Musigturbine-Projekts. «Wir hatten sowieso die Idee, neben dem Singen auch einen offenen Proberaum anzubieten. Das tun wir nun», freut sie sich. Das Angebot erinnert ein bisschen an das Konzerthaus Schüür in Luzern, das coronabedingt ebenfalls zu einem Probelokal umfunktioniert wurde.

Ab Anfang 2021 geht es los

In Kriens können ab 1. Januar Musikerinnen und Musiker, die sich – regelmässig oder sporadisch – zum Musikmachen treffen wollen, das Pförtnerhäuschen mieten. «Im Moment sind wir noch dabei, den Proberaum fertig einzurichten. Wenn wir starten, soll der Raum mit einem E-Piano, einem Schlagzeug, einem Bass, einer Gitarre, Mikrofonen, Mixer, Monitoren und Verstärker ausgerüstet sein», sagt Tamara Kiener. Finanziert werden sollen die Anschaffungen durch Eigenmittel, Gönner und Sponsoren und, so hofft die Initiantin, durch Stiftungen und die öffentliche Hand. Die Miete des Raumes hat sie privat getragen, da ab März ja niemand mehr singen konnte. Der Vertrag läuft noch 1,5 Jahre, dann wird die Musigturbine umziehen.

Kiener will das Angebot der Musigturbine wie bereits beim offenen Chorprojekt so niederschwellig wie möglich gestalten. «Wir haben einen Miettarif für Jugendliche und einen für Erwachsene. Pro Stunde zahlen Jugendliche zehn Franken, wenn sie alle Instrumente nutzen. Wer nur das E-Piano braucht, bezahlt fünf Franken – Erwachsene jeweils das Doppelte.» Den Raum mieten könnten alle – ob man allein oder als Band musizieren wolle. Es werde einen Onlinekalender geben.

Schulbands als mögliche Zielgruppe

Als Zielgruppe sieht Kiener zum Beispiel Schulbands, die jeweils nach den Sommerferien, wenn die Teilnehmenden eine Lehre anfangen, auseinanderfallen: «Das könnte man auffangen, weil dann ein fehlender Raum oder fehlendes Geld keine Hindernisse mehr sind.» Die Musigturbine soll aber keinesfalls eine Konkurrenz zur Musikschule sein, sondern eine Ergänzung.

Für jene, die nicht Teil einer Band sind und trotzdem mit anderen Musik machen wollen, leitet Kiener jeweils am Samstagmorgen eine offene Band. «Alle können mitmachen. Man nimmt sein Instrument mit oder nützt eines der vorhandenen und los geht es.» Spielen werde man am Anfang vor allem Rock und Pop, aber sie könne sich vorstellen, dass sich im Laufe der Zeit auch Kammermusik, ein Orchester, ein Jazzensemble oder ein Akkordeontrio ergeben könne. «Wichtig ist mir, dass es keinen Druck gibt, zu üben. Wir arbeiten mit dem, was die Teilnehmenden können. Es soll keinen Stress erzeugen», betont sie. Obwohl der Raum nur 25 Quadratmeter gross ist, sei es möglich, den zurzeit obligatorischen Abstand einzuhalten. «Sonst benützt man allenfalls halt eine Maske. Aber ja, der Gesang fällt da natürlich weg», bedauert Kiener.

Infos: www.musigturbine.ch