Interview

Wegen Coronafall: Musikzentrum Sedel schliesst für kommendes Wochenende – Besucher müssen aber nicht in Quarantäne

Das Musikzentrum Sedel bleibt am kommenden Wochenende geschlossen. Grund: Am vergangenen Wochenende war ein Musiker aufgetreten, der nun positiv auf das Coronavirus getestet wurde. Sedel-Barchef Boris Rossi erklärt, wieso die rund 90 Besucher nicht in Quarantäne müssen und wie der Veranstalter mit dem Fall umgeht.

David von Moos und Philipp Wolf
Drucken
Teilen

Ein Musiker, der am 3. Oktober im Sedel auftrat, ist am Dienstag positiv auf das Coronavirus getestet worden. Was bedeutet dies für das Publikum des Konzertes? «Da an diesem Abend eine Maskenpflicht in den Innenräumen galt und wir zusätzlich alle Gäste registriert haben, müssen die Besucherinnen und Besucher nicht in Quarantäne – das freut uns sehr», teilt das Musikzentrum auf Facebook mit.

David Dürr, Leiter der Dienststelle Gesundheit und Sport des Kantons Luzern, bestätigt, dass die Sedel-Besucher des besagten Abends nicht in Quarantäne müssen:

«Wenn die Besucher eine Maske tragen, entfällt die Quarantänepflicht.»

Und gemäss des aktuellen Kenntnisstands der Dienststelle habe sich das Publikum an die Maskenpflicht gehalten.

Die Behörden kontaktieren nun die Besucherinnen und Besucher und machen sie auf den Fall aufmerksam. In Quarantäne müssen gemäss Sedel die weiteren Bandmitglieder. Boris Rossi, Barchef und für Vermietungen des Clubs zuständig, nimmt Stellung.

Was bedeutet der Coronafall für das Musikzentrum Sedel?

«Sedel»-Barchef Boris Rossi.

«Sedel»-Barchef Boris Rossi.

Bild: Manuela Jans (Luzern, 18. Mai 2010)

Boris Rossi: Das ist natürlich sehr unschön. Aber bei den steigenden Zahlen kann man das trotz Schutzkonzept nie ausschliessen. Mit den höheren Infektionszahlen steigt auch die Wahrscheinlichkeit solcher Szenarien. Ausserdem haben wir mehrere Desinfektionsstationen im Haus. Wir tun, was wir können. Aber es ist halt leider nicht komplett verhinderbar.

Wurde das Schutzkonzept mit Maskenpflicht und Kontaktliste durchgesetzt?

Es hatten alle Konzertbesucherinnen und -besucher eine Maske auf. Wir haben die Maskenpflicht mit einem Sicherheitsdienst durchgesetzt. Wir haben aber festgestellt, dass seitens der Gäste grösstenteils Verständnis für diese Vorsichtsmassnahme vorhanden ist.

Wie viele Zuschauer haben das Konzert besucht?

Am Konzert waren etwa 90 Zuschauer. Auf der Bühne standen vier Bands mit insgesamt rund 20 Leuten. Auch eine Handvoll Backstage-Personal stand im Einsatz, dieses wurde aber von den Bands selber gestellt.

Wie haben Sie sichergestellt, dass die Besucher ihre Kontaktdaten hinterlassen haben?

Sämtliche Besucher mussten sich vorher auf Swissnite.ch, einem Trackingdienst, der übrigens auch in der Schüür zum Einsatz kommt, registrieren. Nach der Registration wird ein Code generiert, dieser muss beim Eingang vorgewiesen werden. Wir scannen ihn, dann wird automatisch eine SMS als Bestätigung an den Registrierten verschickt, der nur reingelassen wird, wenn er die SMS vor Ort vorweisen kann.

Wie haben Sie vom Coronafall erfahren?

Der betroffene Musiker selbst hat uns am Dienstagabend über seinen positiv ausgefallenen Covid-Test informiert. Laut eigenen Angaben hatte er am Sonntag Symptome gezeigt und sich am Montag testen lassen. Weil der infizierte Musiker vor und während des Konzerts noch keine Symptome zeigte, hätte wohl auch ein Temperaturscan beim Eingang den nun eingetretenen Fall nicht verhindert.

Wie haben Sie reagiert?

Wir haben dann noch am Dienstagabend von uns aus gerade die Bands und ihr Backstage-Personal informiert, weil die ja auf der Bühne und Backstage mit dem Infizierten in Kontakt kamen. Die haben wir proaktiv darüber informiert, dass sie in Quarantäne müssen. Hinsichtlich der Konzertbesucherinnen und -besucher haben wir uns für den Post auf Facebook entschieden, da wir als Veranstalter keinen Zugriff auf die auf Swissnite.ch hinterlegten Personaldaten haben. Das können nur die Behörden, die wir selbstverständlich zuerst in Kenntnis gesetzt haben.

Wie hat Ihr Publikum auf Ihren Aufruf reagiert?

Bis jetzt gab es weder Verwirrung noch Verunsicherung. Einzelne Besucher haben uns mitgeteilt, dass sie über die transparente und schnelle Information froh waren.

Stehen Sie im Kontakt mit den Behörden?

Mit dem Kanton Luzern haben wir uns am Mittwochmorgen ausgetauscht. Da wurde uns mitgeteilt, dass das Contact-Tracing läuft und die Konzertbesucher angerufen und informiert werden.

Wie geht’s jetzt weiter?

Wir desinfizieren nochmals das ganze Lokal. Mehr können wir leider nicht tun. Wir hoffen, dass es bei diesem einen Fall bleibt und sich das Virus durch diesen Vorfall nicht weiter ausbreiten konnte. Auch im Hinblick auf die Anstrengungen für unser Schutzkonzept wäre das natürlich schön.