dierikon

Wegen Durchgangsbahnhof Luzern: Im Rontal entsteht ab 2028 ein riesiger Abstellbahnhof mit 13 Gleisen

Wo werden die Züge aus dem neuen unterirdischen Luzerner Bahnhof die Nacht verbringen? Jetzt ist die Antwort klar: In Dierikon planen die SBB eine grosse Abstellanlage.

Robert Knobel
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Der geplante Durchgangsbahnhof Luzern hat nicht nur in der Stadt Luzern grosse Auswirkungen, sondern auch auf den Zubringerstrecken – insbesondere im Rontal. In Ebikon wird der neue Tunnel unter dem Seebecken in die Stammlinie einmünden:

Die neue Durchmesserlinie zwischen Ebikon und Luzern (rot)

Die neue Durchmesserlinie zwischen Ebikon und Luzern (rot)

Quelle SBB

Und nun wird bekannt, dass auch die Gemeinde Dierikon massiv vom Jahrhundertprojekt Durchgangsbahnhof tangiert ist. Im Bereich des Rontalzubringers soll eine neue Abstellanlage für Züge mit insgesamt 13 Gleisen entstehen. Der Standort eigne sich perfekt dafür, schreiben die SBB in einer Mitteilung. Dies einerseits, weil genügend Platz vorhanden sei und weil der Standort vom Bahnhof Luzern aus gut erschlossen sei. Der Kanton Luzern wird die neue Gleisanlage in Dierikon im kantonalen Richtplan behördenverbindlich verankern.

Auf dieser Landfläche (orange) soll die neue Gleisanlage entstehen.

Auf dieser Landfläche (orange) soll die neue Gleisanlage entstehen.

Quelle: SBB, Karte: let

Doch weshalb braucht es überhaupt eine neue Gleisanlage? Das Problem ist, dass es zwischen dem alten und dem neuen Luzerner Bahnhof keine direkte Verbindung mehr geben wird. Züge, die auf der unterirdischen Durchmesserlinie verkehren, können nicht auf den bisherigen, oberirdischen Gleisanlagen des Bahnhofs Luzern abgestellt werden. Deshalb muss eine neue Anlage gebaut werden. Die Abstellgleise in Dierikon werden dank des neuen Tunnels Luzern-Ebikon nur noch wenige Minuten vom Hauptbahnhof entfernt sein. In Dierikon sollen die Züge während der Nacht parkiert werden sowie in Nebenverkehrszeiten, wenn nicht alle Fahrzeuge gebraucht werden.

Baubeginn schon 2028

Gebaut werden soll die Gleisanlage bereits in den Jahren 2028 oder 2029 – vermutlich also noch bevor die eigentlichen Bauarbeiten für die neuen Tunnels und den Durchgangsbahnhof beginnen.

Evaluiert wurden im Rontal insgesamt drei Standorte. Dass die Wahl auf Dierikon fiel, hat auch damit zu tun, dass das Areal relativ weit entfernt von Wohngebieten liegt. Eigentlich wäre in nächster Nähe mit dem Rontalzentrum eine grosse neue Wohnsiedlung geplant gewesen. Doch Ende 2019 versenkten die Stimmberechtigten von Dierikon diese Pläne.

Der Dierikoner Gemeindepräsident Max Hess (CVP) lässt durchblicken, dass der Gemeinderat nicht gerade begeistert ist von den Plänen der SBB. «Positiv ist aber, dass wir schon sehr früh in die Planung einbezogen werden. Wir haben gegenüber den SBB klar signalisiert, dass wir das Projekt eng begleiten wollen.» Man hoffe, dass es für die Gemeinde neben den Immissionen und dem Landverbrauch doch in irgendeiner Form einen Mehrwert geben wird. Die Pläne der SBB wurden an der Gemeindeversammlung vom Montagabend erstmals der Dierikoner Bevölkerung vorgestellt. Ende März soll es zudem eine Informationsveranstaltung dazu geben.

Eine zweite Abstellanlage für die Züge aus dem Durchgangsbahnhof ist im Norden geplant, konkret in Sursee. Diese soll gemäss den aktuellen Plänen aber wesentlich kleiner werden als in Dierikon und lediglich vier Gleise umfassen.

SBB vergeben Planung des Durchgangsbahnhofs an externe Büros

Die SBB haben die Planergemeinschaft LUx (bestehend aus den Büros AFRY Schweiz, Dürig Architekten, B+S und  Lombardi) mit der Projektierung des unterirdischen Bahnhofs Luzern beauftragt. Die beiden Tunnels, die zum neuen Bahnhof führen (Dreilinden-/Seetunnel und Neustadttunnel), werden durch zwei weitere Planergemeinschaften geplant: TransLu (Büros Gähler und Partner, ILF Beratende Ingenieure und dsp Ingenieure) sowie  Hombrig  (Aegerter & Bosshardt, Locher Ingenieure und Ramboll). Bis 2022 soll für Bahnhof und Tunnels ein Vorprojekt vorliegen. Die Planungskosten betragen rund 100 Millionen Franken. Dieses Geld ist bereits bewilligt – im Gegensatz zu den eigentlichen Baukosten von rund 2,4 Milliarden Franken. Darüber wird das Parlament erst 2026 entscheiden. Der Bau der Durchmesserlinie wird frühestens 2028 beginnen, die Fertigstellung ist gegen 2040 vorgesehen. (rk)