Wegen Fahrplanwechsel: Viele Spital-Angestellte haben künftig längere Arbeitswege

Der Fahrplanwechsel per Mitte Dezember bedeutet für viele ÖV-Pendler mehr Angebot dank neuer Linien. Doch es gibt auch Verlierer – etwa unter den Tausenden Angestellten des Kantonsspitals in Luzern.

Roman Hodel
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Ein 18er-Bus beim Spital-Parkhaus an der Friedentalstrasse. Ab Mitte Dezember wird die Linie 18 eingestellt.

Ein 18er-Bus beim Spital-Parkhaus an der Friedentalstrasse. Ab Mitte Dezember wird die Linie 18 eingestellt.

(Bild: Dominik Wunderli, Luzern 15. Februar 2019)

Wenn Richard A. Fries am Morgen von Rothenburg zum Kantonsspital (Luks) zur Arbeit fährt, nimmt er den Bus. Für diese Fahrt benötigt er heute mit der besten Verbindung, die halbstündlich angeboten wird, gerade mal 19 Minuten. Dabei fährt er zunächst mit dem 52er via Autobahn zum Kasernenplatz, wo er auf den 18er Richtung Spital umsteigt. Doch damit ist bald Schluss. «Der Fahrplanwechsel im Dezember bedeutet für viele Spital-Angestellte eine massive Verschlechterung», sagt er.

Statt 19 Minuten dauerts neu doppelt so lange

Denn künftig fährt der 18er nicht mehr vom Kasernenplatz zum Luks. Fries hat zwar mehrere Alternativen zur Auswahl – doch sie dauern alle deutlich länger. Er könnte beispielsweise um 6.26 Uhr den 50er Bus ab Rothenburg-Lindau nehmen. Dann müsste er in Emmenbrücke-Bahnhof-Süd auf den 5er umsteigen und schliesslich im Kreuzstutz auf den neuen 30er. Fahrzeit total: 26 Minuten. Oder er nimmt den 50er um 6.38 ab Rothenburg-Lindau, trifft um 6.57 Uhr im Bahnhof Luzern ein, wo er dann auf den 19er zum Luks nimmt. Fahrzeit total: 38 Minuten. Beide Varianten überzeugen Fries nicht:

«Entweder muss ich zweimal umsteigen und dabei Wartezeiten in Kauf nehmen oder ich mache unfreiwillig eine Stadtrundfahrt – es ist einfach ein Frust.»

Fries ist nicht der einzige, der unglücklich ist mit der künftigen Situation. Luks-Sprecherin Angela Lötscher bestätigt: «Wir haben zum Fahrplanwechsel diverse negative Reaktionen von Mitarbeitenden betreffend der Aufhebung der Buslinie 18 erhalten.» Betroffen sind längst nicht nur die Rothenburger oder Hildisrieder. Auch wer aus der Richtung Neuenkirch oder Ettiswil-Ruswil kommt, kann künftig am Kasernenplatz nicht mehr auf den 18er umsteigen. Beispiel Ruswil: Heute dauert eine Busfahrt etwa vom Rottalcenter zum Luks in der Regel 35 Minuten. Nach dem Fahrplanwechsel gibt es immerhin eine Verbindung pro Stunde mit sogar 32 Minuten, doch die meisten anderen dauern mindestens 43 Minuten. Wer mit welcher Buslinie zur Arbeit ins Spital fährt, ist dem Luks nicht bekannt. Nur soviel: Gemäss Lötscher arbeiten am Standort Luzern rund 5500 Mitarbeitende – davon benützen 38 Prozent den ÖV.

Ärzte verlieren Direktverbindung ins Stadtzentrum

Beim Verkehrsverbund Luzern (VVL), der den öffentlichen Verkehr im Kanton plant und finanziert, ist ebenfalls eine Reklamation eingegangen, wie Sprecher Romeo Degiacomi sagt. Sie stammt von Ärzten des Luks. Denn das Kantonsspital hat Aussenstationen unter anderem in der Nähe der Busstationen Hirzenhof oder Kantonalbank. Dank des 18ers erreichen die Ärzte diese heute in 6 bis 8 Minuten – künftig sind es 9 bis 12, noch dazu mit Umsteigen im Kreuzstutz. Degiacomi sagt dazu:

«Es ist tatsächlich so, dass einige ÖV-Benutzer ab dem 15. Dezember mit längeren Fahrzeiten rechnen oder mehr umsteigen müssen – das können wir nicht schönreden.»

Gesamthaft gesehen sei das Luks ab dem Fahrplanwechsel jedoch besser erreichbar. «Reisende aus dem Rontal oder Littau gelangen dank der neuen Linie 30 künftig ohne Umsteigen zum Luks», sagt er. Auch das Hinterland sei besser angeschlossen – der 30er warte am Bahnhof Littau die entsprechenden S-Bahnen S6 und S77 ab. Laut Degiacomi wäre es nicht möglich, den 18er neben dem 30er ebenfalls noch fahren zu lassen. «Dafür verkehrt die Linie 19 alle 7.5 Minuten und damit häufiger ab dem Bahnhof Luzern zum Kantonsspital.» Neu gibt es während den Hauptverkehrszeiten pro Stunde 12 Verbindungen aus verschiedenen Richtungen zum Luks. Der Fahrplanwechsel vom 15. Dezember sei eine grosse Nummer, man werde die Auswirkungen genau beobachten . Trotzdem sagt er: «Die optimale Lösung für alle gibt es nicht.»

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