Wegen Hausärztemangel: Wauwil will Idee eines Gesundheitszentrums prüfen

Um dem Hausärztemangel auf dem Land entgegen zu wirken, treibt Wauwil
die Idee eines Gesundheitszentrums voran – in einem pulsierenden Quartier des Dorfs.

Evelyne Fischer
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So soll die erste Etappe der Überbauung des Glasi-Areals in Wauwil künftig aussehen. (Visualisierung: PD/Chance Glasi AG)

So soll die erste Etappe der Überbauung des Glasi-Areals in Wauwil künftig aussehen. (Visualisierung: PD/Chance Glasi AG)

In Wauwil wird kräftig gebaut: Kürzlich erfolgte auf dem früheren Glasi-Areal der Spatenstich für 77 Wohnungen. Auf rund 9100 Quadratmetern werden bis im Sommer 2020 rund 43 Millionen Franken investiert. Es ist die erste von sechs Bauetappen. Insgesamt sollen hier bis in 10, 15 Jahren rund 350 Wohnungen entstehen. Die Einwohnerzahl dürfte damit von heute knapp 2200 auf gegen 3000 ansteigen.

Ein besonderer Fokus liegt auf der letzten Bauetappe auf dem zirka 8000 Quadratmeter grossen Grundstück in der Weiermatt, das der Gemeinde gehört. Zu den dortigen Plänen sagte Gemeindepräsidentin Annelies Gassmann (CVP) im August: «Wir könnten uns in der Überbauung durchaus ein Gesundheitszentrum vorstellen.»

Gesundheitszentrum soll in Bahnhofsnähe entstehen

Dass diese Idee, welche auch die FDP-Ortspartei forciert, weiterverfolgt werden soll, bekräftigt der Gemeinderat im aktuellen «Wauwiler Info»: Es sei nach wie vor das Ziel des Gemeinderats, «die Basis für eine attraktive Alters- und Gesundheitsversorgung in den kommenden Jahren sicherzustellen», heisst es dort.

«Ein Gesundheitszentrum ist ein Standortfaktor und würde gut in die Region passen.»

Annelies Gassmann, Gemeindepräsidentin (CVP) Wauwil

Gemeindepräsidentin Gassmann führt auf Anfrage aus: «Das Dorfarztmodell wird es in Zukunft nicht mehr geben, daher braucht es andere Formen.» Dem Gemeinderat schwebe ein Gesundheitszentrum als Anlaufstelle «für alle medizinischen Belange» vor. Unter dem gleichen Dach sollen eine Gruppenpraxis, die Spitex, der Zahnarzt oder der Physiotherapeut zu finden sein. «In Gehdistanz zum Bahnhof.» Ein Gesundheitszentrum sei ein Standortfaktor «und würde gut in die Region passen».

Denkt man dabei an ein Zentrum wie im Krienser Mattenhof? Dort will das Luzerner Kantonsspital – zusammen mit Medbase – im Herbst 2019 ein ambulantes Angebot eröffnen (Artikel vom 27. März 2018). «Möglich ist alles», sagt Gassmann. «Es wurden noch keine Gespräche geführt.» Klar sei: «Die Gemeinde wird nicht selber als Betreiber eines solchen Zentrums auftreten. Denkbar sind hingegen die Koordination und eine allfällige Mitfinanzierung im Rahmen einer Public-private-Partnership.»

Arbeitsgruppe will im November aktiv werden

Derzeit sind die Parteien aufgefordert, Vertreter für die geplante rund achtköpfige Arbeitsgruppe zu entsenden. Auch Fachpersonen aus dem Medizinbereich sowie ein Delegierter des Seniorenrats sind vorgesehen. Vom Gemeinderat nehmen Präsidentin Gassmann, Lorenz Juchli, Ressort Soziales, und Gisela Wiedmer Billich, Kultur und Umwelt, Einsitz. «Ziel ist es, dass die Arbeitsgruppe im November aktiv wird und im Frühling erste Ergebnisse präsentieren kann.» Zugleich werde ein Altersleitbild erarbeitet und daraus Massnahmen abgeleitet. Auch die Resultate der kürzlichen Bevölkerungsbefragung sollen einfliessen.

«Wie an vielen Orten auf der Landschaft fehlen auch in unserer Region Ärzte. Dieses Problem löst selbst ein neues Gesundheitszentrum nicht.»

Gerhard Klein, Hausarzt aus Wauwil

Aktuell ist die medizinische Versorgung in Wauwil mit der Hausarztpraxis von Gerhard Klein noch sichergestellt. In der Nachbargemeinde Egolzwil hingegen ging kürzlich eine Praxis zu. Das Thema Nachfolgeregelung beschäftigt Klein seit Anfang Jahr. «Erst wollte ich mit 65 aufhören und ein Grottino im Tessin eröffnen, doch daraus wird wohl nichts», sagt der 61-jährige Allgemeinmediziner. Es sei schwierig, eine Nachfolge zu finden. Doch noch gibt er nicht auf. Klein begrüsst die Idee eines Gesundheitszentrums, merkt aber an: «Wie an vielen Orten auf der Landschaft fehlen auch in unserer Region Ärzte. Dieses Problem löst selbst ein neues Gesundheitszentrum nicht.»

Klein findet zudem, ein solches Zentrum sollte auch Angebote für betreutes Wohnen im Alter sowie ein Heim mit Demenzabteilung enthalten. Anders sieht dies der Gemeinderat. Die Nachfrage nach betreutem Wohnen sei zurzeit nicht ausgewiesen. Es müsste eine Bedürfnisabklärung gemacht werden, sagt Gemeindepräsidentin Gassmann. «Und neue Pflegeplätze würde uns der Regierungsrat nicht bewilligen.» Die Mitgliedschaft beim Gemeindeverband Regionales Alters- und Pflegezentrum Feldheim Reiden habe sich bewährt.