Wegen Hochwassergefahr: Ein Biberdamm in Buchrain muss weg

Im Sagenbach beim Buchrainer Industriegebiet Schachen haben Biber einen grossen Damm gebaut. Obwohl Biber und ihre Bauten geschützt sind, wurde der Damm wegen der dadurch entstandenen Hochwassergefahr entfernt.

Beatrice Vogel
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Der Biber ist in der Region Luzern auf dem Vormarsch. Gemäss der letzten kantonsweiten Erhebung lag der Bestand bei etwa 75 Tieren. Er dürfte mittlerweile aber höher sein, da diese Zählung über ein Jahr zurück liegt. Kein Wunder also, hinterlässt der Biber immer mehr sichtbare Spuren.

Auch am Sagenbach in Buchrain leben Biber. Der Sagenbach hat seinen Ursprung im Schiltwald, verläuft durch das Industriegebiet Schachen und mündet nördlich davon, beim Werkhof der Implenia AG, in den Rotbach (der Punkt auf der Karte bezeichnet die Einmündung).

Im Sommer 2018 haben Biber einen Damm im Sagenbach gebaut, 15 Meter vor der Einmündung in den Rotbach. Der Damm war rund 1,5 Meter hoch.

Der Biberdamm im Sagenbach.

Der Biberdamm im Sagenbach.

PD/Kanton Luzern

Der Wasserpegel stieg durch den Damm um über einen Meter. Entsprechend gross war die Stauwirkung, sie reichte bis zum Schiltwald zurück. Aus Sicht des Bibers ist das der erwünschte Effekt: Er staut das Wasser, um den Pegel zu erhöhen. So besteht keine Gefahr, dass die Eingänge zu seinem Bau plötzlich trocken liegen, und er keinen direkten Zugang mehr zum Wasser hat. Zudem schützt er sich dadurch vor Feinden, die bei sinkendem Wasserstand in den Bau eindringen könnten.

Für den Menschen kann ein Biberdamm aber unerwünschte Folgen haben. Staut sich das Wasser schon im Normalzustand, kann heftiger Niederschlag auch bei einem kleinen Bach zu Hochwasser führen. Diese Gefahr bestand beim Sagenbach, wie dem aktuellen Kantonsblatt zu entnehmen ist. «Der erhöhte Wasserpegel im Sagenbach führte zu einem Anstieg der Hochwassergefahr für das Industriegebiet Schachen», heisst es dort. Das mögliche Schadenpotenzial liege im ein- bis zweistelligen Millionenbereich.

Die Betonröhre, die beim Industriegebiet Schachen am Sagenbach eingelassen ist, dient der Ableitung von Niederschlagswasser. Der Pegel hätte nur wenig ansteigen müssen, bis die Röhre mit Wasser gefüllt und es zu Überschwemmungen gekommen wäre. Vor dem Bau des Biberdamms lag die Röhre eineinhalb Meter über dem normalen Wasserstand.

Die Betonröhre, die beim Industriegebiet Schachen am Sagenbach eingelassen ist, dient der Ableitung von Niederschlagswasser. Der Pegel hätte nur wenig ansteigen müssen, bis die Röhre mit Wasser gefüllt und es zu Überschwemmungen gekommen wäre. Vor dem Bau des Biberdamms lag die Röhre eineinhalb Meter über dem normalen Wasserstand. 

PD/Kanton Luzern

Wegen der Hochwassergefahr stellten die im Gebiet Schachen ansässige Wirth & Co. AG sowie die Gemeinde Buchrain bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald (Lawa) den Antrag zur Entfernung von Biberdämmen im Sagenbach. In Anbetracht des Schadenspotenzials entschied die Dienststelle, Biberdämme in diesem Abschnitt dauerhaft zu entfernen. Das bedeutet: Nicht nur der bestehende Damm wird entfernt, sondern alle Dämme, die der Biber innerhalb der nächsten fünf Jahre noch bauen wird. Weil im Sommer die Möglichkeit von Starkniederschlägen gross ist, wurde der Damm bereits im April 2019 abgebrochen. Diese kurzfristige Massnahme wurde nachträglich bewilligt. Die Bewilligung liegt noch bis 5. April beim Lawa zur Einsichtnahme auf, es sind Verbandsbeschwerden möglich.

Biber und ihre Bauten sind geschützt

Bis jetzt gab es allerdings noch keine Beschwerden, wie Christian Hüsler, Fachbearbeiter Jagd und Wildhüter bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, auf Anfrage sagt. «Da wir die Massnahmen vorgängig intensiv mit der Fachstelle des Bundes wie auch mit den Naturschutzorganisationen diskutiert, besprochen und abgewogen haben, erwarten wir auch keine Beschwerde.» Allerdings ist es so, dass der Biber ein geschütztes Tier ist - und ebenso sind seine Bauten geschützt. Deshalb sei es wichtig gewesen, die Verhältnismässigkeit der Damm-Entfernung seriös abzuwägen, so Hüsler. Ausschlag gegeben hatte das hohe Schadenspotenzial durch Hochwasser. «Insbesondere das Produktionsgebäude der Firma Wirth und Co. AG wäre stark betroffen gewesen. Aber auch für umliegende Gebäude bestand ein gewisses Gefahrenpotenzial.»

Die Gefahr für Mensch und Wirtschaft ist mit der Damm-Entfernung abgewendet. Für die Biber bedeutet das aber, dass sie nicht mehr den höheren Wasserpegel zur Verfügung haben. «Dadurch wird ihnen beispielsweise der Transport von Astmaterial auf dem Wasser erschwert und es ist ihnen nicht mehr überall möglich, einen Erdbau unter Wasser in die Böschung zu graben», erklärt Christian Hüsler. Doch:

«Da der Sagenbach abschnittweise auch ohne Biberdamm eine gewisse Wassertiefe aufweist, sind die Biber geblieben und bewohnen den Sagenbach weiter.»

Die Tiere hätten zudem die Möglichkeit in den Rotbach auszuweichen, wo ihnen mehr Wasser und ein grösseres Nahrungsangebot zur Verfügung stünden. Oder sie könnten im Sagenbach weiter stromaufwärts wandern bis in den Schiltwald hinein, wo das Konfliktpotenzial kleiner wäre. Eine Umsiedlung der Biber stand laut Hüsler nie zur Diskussion. «Wenn die Biber in einem Gewässer ausgesetzt werden, das bereits von anderen Bibern besiedelt ist, würde es mit grosser Wahrscheinlichkeit zu tödlich endenden Revierkämpfen kommen.» Zudem wäre es nur eine Frage der Zeit, bis die nächsten Biber auf der Suche nach einem Revier den Sagenbach besiedeln würden.

Biber-Konflikt-Hotspot Reussebene

Die Reussebene ist bezüglich Biber übrigens «ein Konflikt-Hotspot im Kanton Luzern», wie Christian Hüsler sagt. Dies vermutlich aus zwei Gründen: Einerseits besiedeln die Biber den Kanton Luzern unter anderem vom Kanton Aargau her kommend entlang der Reuss. «Da immer mehr Tiere ein eigenes Territorium suchen müssen, wurden die Lebensräume entlang der Reuss und deren Seitenbächen relativ rasch in Anspruch genommen.» Andererseits ist die Reussebene ein äusserst ebenes Gebiet, wodurch Biberdämme eine weitreichende Stauwirkung haben. «Viele Kulturlandflächen sind genau aus diesem Grund drainieren, damit sie überhaupt bewirtschaftet werden können», so Hüsler.

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