Wegen Krankheitsfällen: Kantonsspital leidet an temporärem Ärztemangel und kann nicht alle Operationen stemmen

Weil überdurchschnittlich viele Ärzte erkrankt sind, priorisiert das Luzerner Kantonsspital derzeit Betten für Notfallpatienten. Betroffen ist das Zentrum für Intensivmedizin. Operationen von bis zu 45 Personen pro Woche müssen umdisponiert werden.

Pascal Studer
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Im Zentrum für Notfallmedizin des Luks besteht temporär Ärztemangel. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 8. Juni 2017)

Im Zentrum für Notfallmedizin des Luks besteht temporär Ärztemangel. (Bild: Corinne Glanzmann, Luzern, 8. Juni 2017)

Das Zentrum für Intensivmedizin (ZIM) des Luzerner Kantonsspitals ist überlastet. Hauptgrund dafür sind sowohl ein erhöhtes Patientenaufkommen als auch eine hohe Anzahl erkrankter Ärztinnen und Ärzte. Nun sieht sich das Luks gezwungen, sogenannte «sofortige Enlastungsmassnahmen» einzuleiten. Explizit bedeutet dies: Gewisse geplante Operationen, die Intensivpflege nach sich ziehen, können derzeit nicht durchgeführt werden.

Die Leidtragenden dieser Entlastungsmassnahmen ist ein bestimmter Teil der Patienten. Die betroffenen Personen – es sind wöchentlich bis zu 45 – müssen nämlich ihre Eingriffe entweder nach Sursee oder Wolhusen verlegen. Haben auch diese zwei Spitäler keine personellen oder räumlichen Kapazitäten, müssen die Patienten den OP-Termin verschieben. Welche Patienten betroffen sind, erklärt die Luks-Mediensprecherin Simona Rölli:

«Es geht dabei einzig um Patienten, denen Wahleingriffe mit einer Notwendigkeit einer intensiv-medizinischen Versorgung bevorstehen. Notfälle sind von den Massnahmen nicht betroffen.»

Will heissen: Eine Person, welche in einem schweren Autounfall verwickelt war und davon schwere Verletzungen davontrug, wird weiterhin operiert und folglich ein Bett und eine Behandlung im ZIM erhalten. Ebenfalls nicht tangiert von den Massnahmen sind sämtliche ambulanten Eingriffe, Eingriffe im Kinderspital, in der Augenklinik und grundsätzlich Eingriffe in der Frauenklinik.

Nicht nur Notfälle kommen ins ZIM

Es sind jedoch nicht nur Notfallpatienten, welche im zwei Jahre alten ZIM behandelt werden. Auch andere Patienten, die zwar einen schweren, aber geplanten Eingriff hinter sich haben, kommen in einem ersten Schritt nach der Operation ins ZIM. Rölli erklärt weiter exemplarisch:

«Wenn ein Patient beispielsweise eine schwere Bauchoperation hat, wird er für eine gewisse Zeit im ZIM betreut, bevor er auf die normale Bettenstation kommt.»

Kein Grund für die ergriffenen Sofortmassnahmen sind allerdings die Platzverhältnisse. Die Anzahl Betten im ZIM sind gemäss Rölli auch für das aktuelle Patientenaufkommen ausreichend. Nichtsdestotrotz scheint auch hier Handlungsbedarf vorhanden zu sein: Damit in Zukunft keine Patienten mehr abgewiesen werden müssen, stockt das Luks den Bettenbestand im ZIM um sieben Stück auf.

Dauer der Massnahmen unklar

Damit der Mangel an Fachkräften behoben werden kann, will das Luks neue Ärztinnen und Ärzte einstellen. Dies bestätigt Simona Rölli:

«Damit wir diesen akuten Personalmangel überbrücken können, wollen wir Ärztinnen und Ärzte rekrutieren.»

Abwarten, bis das Personal wieder gesund ist, scheint die Situation also nicht zu verbessern. Der Schluss liegt somit nahe, dass die Situation für einen längeren Zeitraum anhalten könnte. So konnte das Luks auf Anfrage nicht bestätigen, ob die Massnahmen ein paar Wochen oder mehrere Monate dauern würden. Woran die Ärzte erkrankt sind, konnte das Luks aufgrund einer Schweigepflicht nicht mitteilen.

SP besorgt über Personalengpass am Kantonsspital

Die SP des Kantons Luzern zeigt sich in einer Medienmitteilung besorgt um die medizinische Grundversorgung der Bevölkerung aufgrund des Personalengpasses am Zentrum für Intensivmedizin (ZIM) am Luzerner Kantonsspital (Luks). Deshalb fordert die Partei in der Mitteilung rasche Massnahmen, dass möglichst bald wieder der Normalbetrieb aufgenommen werden kann. Mittels einer dringlichen Anfrage verlangt SP-Fraktionspräsident Marcel Budmiger Auskunft über die Ursachen der Personalengpässe sowie deren Auswirkungen. Gleichzeitig soll der Regierungsrat aufzeigen, wie solche Personalengpässe künftig verhindert werden können. (zim)