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Wegen zerstörter Skulptur kommt es im Horwer Einwohnerrat zum Eklat

«Grobe Unterstellung» und «inakzeptabler Stil»: Die zerstörte Eisenplastik am Bahnhof Horw sorgte im Einwohnerrat für einen ungewöhnlich scharfen Ton zwischen Parlament und Gemeinderat. Die wichtigste Frage bleibt allerdings unbeantwortet.
Roman Hodel

Der Fall ist ziemlich skurril: Über Ostern wurde die 40-jährige Eisenplastik des Hergiswiler Künstlers Ernst von Wyl am Horwer Bahnhofsgebäude zerstört – «mit Wissen des Gemeinderats». Dies jedenfalls schrieb der Horwer Einwohnerrat Martin Eberli (L20) in einer Interpellation. Im Vorstoss will er unter anderem wissen, wie es zur Zerstörung dieser Skulptur gekommen ist und was der Gemeinderat im Hinblick «auf die ideelle Wiedergutmachung des schändlichen Aktes» zu tun gedenkt (wir berichteten).

So kannte man die Eisenplastik am Bahnhofsgebäude...:

Screenshot Google Maps.

Screenshot Google Maps.

...und so sah sie während der Abbrucharbeiten des Bahnhofs aus:

Bild: PD

Bild: PD

An der Sitzung des Einwohnerrats vom Donnerstag beantwortete Gemeindepräsident Ruedi Burkard (FDP) nun die Fragen. Wobei: Zuerst einmal massregelte er den erst vor Kurzem ins Parlament eingetretenen Eberli: «Die Art und Weise, wie Sie die Interpellation formuliert haben, ist inakzeptabel», sagte Burkard. Bauvorsteher Thomas Zemp (CVP) setzte gar noch einen drauf:

«Sie unterstellen dem Gemeinderat, er habe das Kunstwerk mutwillig zerstören lassen – das ist ein politischer Stil, den wir nicht akzeptieren.»

Laut Gemeindepräsident Burkard sei nie beschlossen worden, die Skulptur zu zerstören. Zumal diese auch gar nicht der Gemeinde gehöre: «Sie wurde offenbar zur Verschönerung des Gebäudes vor 40 Jahren von Dritten der SBB geschenkt, diese war nach unserem Wissensstand damals Besitzerin des Gebäudes», so Burkard. «Heute gehört es der Zentralbahn.» Angeblich soll das Kunstwerk eine Schenkung der Gemeinde gewesen sein. Doch Burkard sagt dazu: «Aus unseren Unterlagen ist nichts ersichtlich, das auf eine Schenkung der Gemeinde hinweist.»

Gesichert ist hingegen: Die Zentralbahn hat den Gemeinderat angefragt, ob er das Kunstwerk übernehmen möchte. «Wir zeigten uns bereit, die demontierte Plastik abzuholen und in unserem Werkhof zwischenzulagern, wobei die Demontage nicht in unserer Verantwortung lag», so Burkard. Allerdings habe eine Besichtigung ergeben, dass sich die Zwischenlagerung nicht mehr lohne, weil das Kunstwerk zu stark demoliert war. Der Gemeindepräsident fasste es so zusammen: «Der Gemeinderat hat nichts falsch gemacht, trotzdem sind wir bereit, mit dem Sohn des Künstlers das Gespräch zu suchen.»

Bild PD

Bild PD

Bei der Eigentümerin des Gebäudes, der Zentralbahn, bedauert man das Vorgefallene: «Das Kunstwerk musste zwar weg, denn das Bahnhofsgebäude wurde mittlerweile ja abgerissen – wir haben aber definitiv keinen Auftrag zur Demolierung gegeben, sondern zur Demontage», sagt Mediensprecher Thomas Keiser. «Vermutlich handelt es sich um ein Missverständnis bei der ausführenden Unternehmung.»

Für Interpellant Martin Eberli bleibt ein schaler Nachgeschmack: «Zum einen entsteht der Eindruck, jeder will die Verantwortung abschieben, zum anderen antwortete der Gemeinderat auch auf einer sehr persönlichen und nicht sachbezogenen Ebene.» Vor allem aber bleibt unklar: Wer hat wann was getan? «Als ich auf die bereits zu einem Teil zerstörte Plastik aufmerksam gemacht wurde, habe ich bei der Gemeinde und der Zentralbahn interveniert», sagt Eberli und fährt fort:

«Noch am selben Tag erhielt ich die Antwort, man plane eine Zwischenlagerung, dennoch wurde das Kunstwerk zur gleichen Zeit mit dem Schweissbrenner weiter zerstört, das geht für mich nicht auf.»

Seinen Fokus setzt der L20-Einwohnerrat nun auf die beiden Postulate, die er ebenfalls eingereicht hat. Darin fordert er, dass der Gemeinderat die Schaffung eines Kunstwerks beim Bushof prüft, das die historische und aktuelle Situation des Bahnhofplatzes aufnimmt. Zudem soll der Gemeinderat ein Konzept «zum Umgang mit schützenswerten Objekten» vorlegen. Er sagt: «Ich hoffe, wenigstens diese Anliegen werden ernst genommen.»

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