WEGGIS: Das ist die erste Frau im Vorstand des Luzerner Baukaderverbands

Gabriele Knüsel Walz (58) ist die erste Frau im Vorstand des Luzerner Baukaderverbands. Sie hat Hammer und Spachtel inzwischen mit der PC-Tastatur getauscht, ist für ihr Amt aber dennoch bestens gerüstet.

Niels Jost
Merken
Drucken
Teilen
Gabriele Knüsel Walz, Präsidentin des Suva-Personalverbands, an ihrem Arbeitsplatz. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 27. Januar 2017))

Gabriele Knüsel Walz, Präsidentin des Suva-Personalverbands, an ihrem Arbeitsplatz. (Bild: Dominik Wunderli (Luzern, 27. Januar 2017))

Niels Jost

niels.jost@luzernerzeitung.ch

Das hat es in der 103-jährigen Verbandsgeschichte der Luzerner Baukader noch nie gegeben: eine Frau im Vorstand. Gewählt wurde Gabriele Knüsel Walz kürzlich an der Generalversammlung in Malters. Überraschend ist das nicht. Seit 18 Jahren ist Knüsel nun schon Mitglied des Kaderverbands, der rund 260 Mitglieder zählt – und nimmt einen Rucksack voller Erfahrungen in den Vorstand mit.

Über 20 Jahre hat die 58-Jährige auf dem Bau gearbeitet. Weil ihr Vater ein Baugeschäft führte, hatte sie sich schnell für eine handwerkliche Lehre entschieden, zunächst als Tiefbauzeichnerin, dann noch als Maurerin. «Der erste Winter war besonders hart. Ich wusste: Wenn ich diesen überstehe, schaffe ich die ganze Ausbildung», sagt Knüsel rückblickend.

Erste Bauführerin der Schweiz

Die Jahre als Tiefbauzeichnerin und Maurerin legten den Grundstein einer steilen Karriere: Als erste Frau der Schweiz schloss die damals 26-Jährige die Ausbildung zur Bauführerin ab, 12 Jahre später holte sie gar das Meisterdiplom am Campus Sursee, auch dort als erste weibliche Absolventin. Die Weggiserin, die kinderlos ist, weiss daher bestens, wie es sich anfühlt, in dieser männerdominierten Branche hervorzustechen. So sagt sie denn auch zu ihrem jetzigen Amt: «Dass ich die erste Frau im Vorstand bin, ist für mich nichts Spezielles. Wichtig ist, dass ich unsere Mitglieder unterstützen kann.» Damit wolle sie den Bauarbeitern etwas zurückgeben.

Präsidentin der Suva- Gewerkschaft

Erreichen möchte sie das mit dem Dialog zwischen ihren Mitgliedern – den Vorarbeitern, den Polieren oder den Bauführern – und den Baumeistern. Pragmatisch, direkt, unkompliziert – «so, wie auf dem Bau halt miteinander umgegangen wird». Eine Art, die auch Gabriele Knüsel unverhohlen ausstrahlt. Noch immer, muss man sagen. Denn bereits 20 Jahre ist es her, als sie Bauhelm und Baupläne ablegte und in ein Büro an der Luzerner Ufschötti wechselte. Wobei sie sich auch bei ihrem neuen Arbeitgeber, der Suva, indirekt mit Baustellen beschäftigt. Als Sicherheitsingenieurin war sie zunächst lange als Kursleiterin für die Arbeitssicherheit tätig, seit mehr als zehn Jahren präsidiert sie nun schon den Personalverband des Unfallversicherers. Die Hausgewerkschaft zählt 19 Sektionen mit 3600 Mitgliedern, für die sich Knüsel einsetzt. Pragmatisch, direkt, unkompliziert. «Ich bin keine Polemikerin, Dialog muss sein. Ich rede aber lieber über Lösungen als über Probleme», sagt sie in ihrer authentischen Art.

Von der Einsamkeit an der Spitze

Ihre Erfahrungen könne sie nun perfekt in ihrem neuen Engagement bei den Baukadern einbringen, sagt Gabriele Knüsel. «Jetzt bin ich wieder stärker an der Basis dran, spüre, wo der Schuh drückt auf der Baustelle.» Aufgrund ihres Werdegangs wisse sie, dass man in einer Führungsposition oftmals alleine dasteht. Ein Polier sei dem Druck des Arbeitgebers und seinen eigenen Mitarbeitern ausgesetzt. Um die Führungskompetenz zu stärken, organisiert der Verband Weiterbildungen, Besuche auf Baustellen und bietet ein Netzwerk mit anderen Kadern. Soziale Kontakte seien «der beste Puffer», um vom stressigen Alltag Abstand zu gewinnen und Stresssituationen zu reduzieren, sagt Knüsel.

Druck ablassen, das könne sie selber am besten beim Wandern, Langlaufen oder Segeln mit ihrem Mann – oder auf ihrem Weg zur Arbeit. «Ich fahre häufig mit dem Schiff von Weggis nach Luzern zur Arbeit. Eine schönere Art zu pendeln gibts kaum.»