WEGGIS: Der Mann mit der Brille wird gefeiert

Morgen startet das 12. Heirassa-Festival. Mittendrin: der Akkordeonist René Wicky und sein modisches Markenzeichen.

Monika Van De Giessen
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Bereit für seinen grossen Auftritt am diesjährigen Heirassa-Festival: René Wicky (74) bei sich zu Hause in Oberägeri. (Bild Werner Schelbert)

Bereit für seinen grossen Auftritt am diesjährigen Heirassa-Festival: René Wicky (74) bei sich zu Hause in Oberägeri. (Bild Werner Schelbert)

Monika van de Giessen

Das 12. Heirassa-Festival beginnt mit einem Paukenschlag: Am Jubiläumskonzert «75 Jahre René Wicky» (20 Uhr, Pfarreiheim) greifen neben dem Jubilar viele Cracks der Schweizer Volksmusikszene in die Tasten und in die Klappen. Die Kapelle Jost Ribary-René Wicky musiziert mit Gästen wie Carlo Brunner, Dani Häusler, Philipp Mettler, Gabi Näf und Jörg Wiget. Zur besonderen Atmosphäre des Festivals haben seit Beginn des Festivals frühere und heutige Heirassa-Repräsentanten beigetragen. Mit speziellen Konzerten wurden hohe und runde Geburtstage der Heirassa-Gründer Grob, Schilliger und Muther gefeiert.

Weitere Persönlichkeiten hatten ebenfalls ihre Geburtstagskonzerte. Dieses Jahr ist der Akkordeonist René Wicky an der Reihe, der im Dezember seinen 75. Geburtstag feiern wird. Wicky kann etwas ganz Spezielles für sich beanspruchen. Er hat mit allen drei Ribary-Generationen zusammengespielt. Heute steht er mit «Jost dem Dritten», Enkel des legendären Ribary senior (1910–1971), auf der Bühne. Jost Ribary senior ist der Komponist des legendären Schottisch «Steiner Chilbi», der neben der Heirassa-Polka von Alois Schilliger eines der meistgespielten Stücke in der Ländlermusikszene ist.

Aus Wicki wird Wicky

Man kennt den Akkordeonisten auch als «den Mann mit der Brille». Wer ihn erstmals sieht, denkt: «Mein Gott, dieses Brillengestell.» Doch hinter dieser Brille steckt eine Geschichte. Keine Übergangslösung, wie viele meinen, sondern seit mehr als einem halben Jahrhundert Wickys Markenzeichen. Die Brille gehört zum Musiker Wicky wie die Frisur des früheren Fussballtrainers Gilbert Gress. Wicky ist stolz auf seine Brille mit dem Büffelhorngestell. Ja, er liebt sie und kann sich nicht von ihr trennen. «Als dieses Brillengestell auf dem Markt nicht mehr erhältlich war, habe ich es kurzerhand speziell anfertigen lassen», erzählt Wicky stolz. Es gibt aber noch eine Geschichte, die das Leben des Musikers Wicky mit Y am Schluss prägt. Von dieser Sorte gibts nicht viele. Wer im Telefonbuch unter Schüpfheim, dem Heimatort von René Wicky, blättert, entdeckt, dass unter den über 50 Wickis nur gerade einer mit Y auftaucht. Warum Wicky und nicht wie in Schüpfheim üblich Wicki? «Mein Vater hat immer mit einem Schlenker am Schluss unterschrieben. Dieser sah nicht wie ein I, sondern wie ein Y aus», erzählt der gebürtige Entlebucher. Seither hätte er Wicky immer mit einem Y geschrieben. Doch das gab oft Anlass zu Diskussionen. Schlussendlich bedurfte es eines Regierungsratsbeschlusses des Kantons Zug, damit die in Eigenregie eingeführte Namensänderung denn auch offiziell seine Rechtmässigkeit hatte.

Musiker, Arrangeur, Produzent

Zeit zum Kürzertreten hat der bald 75-Jährige, der zusammen mit Gattin Josy hoch über dem Ägerisee wohnt, nicht. «Solange es die Gesundheit zulässt, mache ich gerne weiter», betont Wicky. Er erinnert sich an eine Begegnung mit dem deutschen Bandleader Max Greger (1926–2015). Dieser sagte: «Wir sind zum Auftreten da, nicht zum Abtreten.» Wicky hat sich auch als Komponist und Arrangeur einen Namen geschaffen. Er betreibt in Oberägeri eine eigene Tonträgerfirma, ist Verleger und Musikproduzent mit eigenem Label. Einige hundert Titel hat der Musiker komponiert. «Ich komponiere nicht, ich schreibe Tänzli», stellt er klar. Musik soll Freude bereiten.

Er schreibe fürs Publikum und nicht für sich selber. Es freue ihn, wenn andere Erfolg hätten. Und was möchte der erfahrene Musikant dem Nachwuchs auf den Weg geben? «Sie sollen das spielen, was die Leute gerne hören.»