WEGGIS: Gemeinde appelliert an Vernunft

Mit viel Emotionen wendet sich der Gemeinderat an die Öffentlichkeit. Grund dafür sind die Diskussionen um die Gefahrengebiete der Gemeinde.

Ismail Osman
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Die vier unteren Gebäude (nicht im Bild ist das fünfte Gebäude) liegen in der Gefahrenzone. Das Bild entstand nach einer Waldpflegeaktion im April 2005. (Bild PD)

Die vier unteren Gebäude (nicht im Bild ist das fünfte Gebäude) liegen in der Gefahrenzone. Das Bild entstand nach einer Waldpflegeaktion im April 2005. (Bild PD)

Amtliche Medienmitteilungen, die unsere Zeitungen erreichen, sind in aller Regel eine trockene Angelegenheit. Oft ist es eine emotionslose Weitergabe von öffentlichkeitsrelevanten Informationen. Nicht so das aktuelle Medienbulletin der Gemeinde Weggis: Gemeindeammann Baptist Lottenbach appelliert in sehr direkten Worten gegen eine «Verharmlosung der Naturgefahren».

Hintergrund sei der oft spürbare Widerstand gegen künftige Massnahmen zum Schutz von drei Wohngebieten gegen Naturgefahren, insbesondere die mögliche präventive Umsiedlung von mehreren Bewohnern aus dem Gebiet Horlaui. Die fünf Wohnhäuser in diesem Gebiet befinden sich in einer roten Gefahrenzone. Nach heutigem Raumplanungsgesetz könnten dort keine Wohnhäuser bewilligt werden (siehe Kasten). «Die Gefahren, die da oben im Berg lauern, die leckt keine Geiss weg», heisst es da recht unverblümt. «Sie sind vorhanden, wir dürfen sie nicht einfach übersehen und verharmlosen», schreibt Lottenbach weiter.

Kein russisches Roulette spielen

Er bezieht sich dabei auf einen aktuellen Beitrag im TV-Nachrichtenmagazin «Schweiz aktuell». Im Beitrag wird der Widerstand der Horlaui-Anwohner thematisiert. Zwar nimmt keiner der direkten Anwohner vor der Kamera Stellung, doch der Bericht gibt eines der Argumente der Bewohner wieder: Die Häuser stehen dort seit teilweise über 50 Jahren, und das ohne grössere Zwischenfälle. Das lässt Lottenbach allerdings nicht gelten. «Wenn aber was passiert, steht die Gemeinde in der Pflicht», sagt Lottenbach auf Anfrage. In der Medienmitteilung heisst es: «Wir dürfen nicht einfach russisches Roulette spielen und sagen: ‹Wenn der Berg dann kommt, kommt er halt.›»

Die Gemeinde Weggis hofft darauf, dass die Anwohner einer Umsiedlung freiwillig zustimmen. Dies scheint derzeit unrealistisch, wie mehrere Exponenten in der Vergangenheit gegenüber unserer Zeitung zu Protokoll gaben. Derzeit will man sich aber nicht öffentlich äussern.

Erinnerung ans Jahr 2005

Diese Situation stellt die Möglichkeit eines Zwangsenteignungsverfahrens in den Raum. «Uns ist bewusst, dass man bei diesem Thema als Gemeinde nicht punkten kann», sagt Lottenbach. Es gehe zum einen um die Sicherheit von Sachgütern und andererseits um die Sicherheit von Leib und Leben. Man wehre sich diesbezüglich gegen den Vorwurf der Übertreibung: «Im August 2005 zerstörte ein Erdrutsch im Gebiet Laugneri mehrere Wohnhäuser, und andere Liegenschaften mussten evakuiert werden. Haben wir das wirklich schon vergessen?», fragt der Gemeindeammann.