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Heizen mit Seewasser ist immer beliebter, wie das Beispiel Weggis zeigt

Der Vierwaldstättersee hat ein enormes Potenzial, um Gebäude zu heizen und zu kühlen. Dieses will die Korporation Weggis nun noch stärker nutzen. Neben dem eben erst eröffneten Seewasser-Pumpwerk ist schon ein Neues in Planung.
Niels Jost
Von der Kooperation Weggis: Monika Hofmann, Thomas Lottenbach und Josef Küttel. (Bild: Dominik Wunderli, Weggis, 9. April 2019)

Von der Kooperation Weggis: Monika Hofmann, Thomas Lottenbach und Josef Küttel. (Bild: Dominik Wunderli, Weggis, 9. April 2019)

Seewasser ist in Weggis ein heiss begehrtes Gut. Als die dortige Korporation vor drei Jahren den Bau eines Seewasserpumpwerks plante, wurde sie mit Anfragen überhäuft – das angedachte Projekt musste kurzerhand vergrössert und der von den Korporationsbürgern bereits bewilligte Kredit fast verdoppelt werden. Statt für drei Millionen Franken baute die 350 Mitglieder zählende Korporation ein Seewärmeprojekt für 5,6 Millionen plus 3 Millionen für Netzerweiterung.

Mittlerweile ist das unterirdische Pumpwerk neben dem Hotel Du Lac seit gut einem halben Jahr in Betrieb. Am Samstag ist Tag der offenen Tür (siehe Hinweis am Ende des Textes). 150 Wohneinheiten, darunter alle Dorfschulhäuser, ein Hotel, der Volg und die Kantonalbank, werden heute mit Seewasser geheizt oder gekühlt. Die Nachfrage ist nach wie vor ungebremst. «Wir erhalten fast täglich Anrufe von Interessenten», sagt Thomas Lottenbach, Präsident der Korporation Weggis.

Doch potenzielle Neu-Kunden müssen sich gedulden. Denn das knapp zwei Kilometer lange Fernwärme- und Fernkältenetz erstreckt sich noch nicht durch das ganze Dorf. Da der Bau neuer Leitungen eine kostspielige Angelegenheit ist, rentiert es für die Korporation nicht, das Netz auszubauen, wenn bloss ein oder zwei Häuser neu angeschlossen werden können, sagt Säckelmeisterin Monika Hofmann. Vielmehr müsste gleich ein ganzes Quartier oder eine Strasse die Seewärme nutzen wollen, um die Kosten zu amortisieren.

Lokale Seewärme statt Erdöl aus Afrika

Verhandlungen mit Hausbesitzern laufen. Dabei geht es der Korporation nicht ums Geld – die öffentlich-rechtliche Körperschaft ist nicht gewinnorientiert. Vielmehr gehe es um eine ökologische Alternative zum Heizöl, mit dem derzeit fast 70 Prozent aller Weggiser Haushalte mit Energie versorgt werden, wie Thomas Lottenbach sagt.

«Es ist doch verrückt: Wir schiffen Unmengen an Erdöl aus Afrika und dem Nahen Osten heran, obwohl die sauberste Energiequelle direkt vor unserer Haustür liegt.» Damit spricht Lottenbach den Vierwaldstättersee an. «Dessen Potenzial ist unerschöpflich. Würde ihm nur ein Grad Wärme entzogen, entspräche das ungefähr der Leistung von zehn Atomkraftwerken. Und die Wertschöpfung bleibt hier.»

Tatsächlich ist das Heizen und Kühlen mit Seewärme CO2 frei. Allerdings benötigt auch dieses Verfahren viel Strom. Lottenbach ist dennoch vom nachhaltigen Potenzial überzeugt. Hinzu komme, dass die Heizkosten etwa gleich hoch sind, wie bei herkömmlichen Energiequellen. «Hier sind wir voll konkurrenzfähig.»

Expansion nach Hertenstein geplant

Das Konzept scheint auch die Weggiser zu überzeugen. Um die steigende Nachfrage decken zu können, plant die Korporation, den Wärmeverbund See zu erweitern. Denn bereits ist die zentrale Wärmepumpe, welche im Schulhaus Sigristhofstatt installiert ist, mit ihrer Leistung von einem Megawatt fast ausgelastet. Im Winter 2020 soll dort deshalb eine zweite Wärmepumpe eingebaut werden.

Zudem laufen Abklärungen für den Bau eines zweiten Seewasserpumpwerks beim Lido. «Damit könnte ein weiterer Dorfteil mit Seewärme versorgt werden», sagt Verwalter Josef Küttel. Das Projekt würde frühestens in drei Jahren realisiert.

Zusammen mit dem bereits bestehenden Wärmeverbund im Gebiet Weiher, wo eine Holzschnitzelheizung in Betrieb ist, könnte die Korporation in einigen Jahren ganz Weggis mit sauberer Energie versorgen. «Wenn die ganze Bevölkerung mitmacht, ist Weggis bald schon CO2 frei.»

Hinweis: Tag der offenen Tür am Samstag. 13-17 Uhr Besichtigung Energiezentrale Schulhaus Sigristhofstatt und Pumpwerk Seeleist Oberdorf. 14 Uhr Ansprachen von Ständerat Damian Müller und Nationalrat Peter Schilliger beim Seewasserpumpwerk. Infos: www.korporation-weggis.ch

So wird mit Seewasser geheizt

In 25 Meter Tiefe beträgt die Wassertemperatur des Vierwaldstättersees konstant zirka 4 bis 6 Grad. Mit den Pumpen, welche in dem unter dem Seespiegel liegenden Seewasserpumpwerk stehen, wird über Wärmetauscher die Wärmeenergie in das Kaltwassernetz eingespiesen. Das Wasser wird anschliessend mit rund 2 Grad in 36,5 Meter Tiefe wieder dem See zurückgegeben.

Die Wärmeenergie wird nun über eine Glykol-Wasserleitung in die Wärmepumpe im Schulhaus Sigristhofstatt gepumpt. Die Wärmepumpe entnimmt dem Glykolwasser die Wärmeenergie und erhöht die Temperatur auf 40 bis 70 Grad. Ausserdem kann das Wasser auch zum Kühlen verwendet werden.

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