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WEGGIS: Im Steilhang die Gefahr bannen

Die Arbeiten am 10 Millionen teuren Schutzprojekt im Gebiet Laugneri haben begonnen. 38 Grad Gefälle machen die Aufgabe zur Herausforderung.
Niels Jost
Bauingenieur Alois Käslin (links) und der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach begutachten den Baufortschritt im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild Philipp Schmidli)

Bauingenieur Alois Käslin (links) und der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach begutachten den Baufortschritt im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild Philipp Schmidli)

Niels Jost

Es ist steil, sehr steil sogar im östlichen Gemeindegebiet von Weggis in Richtung Vitznau. Dort, geschätzte 100 Meter vom Ufer des Vierwaldstättersees entfernt, im Gebiet Laugneri, ist man nun seit über einem Monat mit den Vorbereitungsarbeiten und dem Böschungsabtrag beschäftigt.

Die sechs anwesenden Arbeiter können die schöne Aussicht auf ihrem temporären Arbeitsplatz allerdings kaum geniessen – zu steil ist das Gelände, sodass jeder Schritt sitzen muss. «Wäre der Boden heute nicht so trocken, fände man mit diesen Schuhen keinen Halt», sagt Ingenieur Alois Käslin mit Blick auf das Schuhwerk des schreibenden Journalisten.

Neu: 200 Meter langer Schutzbau

Wir stehen mitten im Steilhang, wo in den letzten Wochen bereits gut 1850 Quadratmeter Wald – etwa ein halbes Fussballfeld – gerodet wurden. Nur die abgesägten Baumstrünke sind noch zu sehen – und die zum Teil mannshohen Steinblöcke. Man möchte sich nicht ausmalen, welch Schaden sie anrichten könnten, würden sie in die direkt darunter liegenden Wohnhäuser donnern. Das Zerstörungspotenzial der Natur war im Laugneri bereits im Sommer 2005 zu sehen, als Erdrutsche drei Wohnhäuser komplett zerstörten.

Deshalb wird nun der bereits bestehende Schutzdamm um rund 100 Meter verlängert. Obendrauf kommen zudem Schutznetze, sodass der Bau dereinst rund 6 Meter hoch sein wird. Weiter östlich werden zusätzlich zwei hintereinander stehende, 100 Meter lange Netze für Schutz sorgen. Abschliessend wird ab Sommer 2017 der Fels weiter bergaufwärts gesichert. Somit soll bis im Sommer 2018 rund ein Dutzend Wohnhäuser sicher vor Erdrutschen, Stein- und gar Blockschlägen sein.

Hang um mehrere Meter abtragen

Zunächst muss jetzt aber der gerodete Hang um mehrere Meter abgetragen werden. «An dieser Stelle um 4 Meter», sagt Alois Käslin, während er mit Gemeindeammann Baptist Lottenbach (FDP) die Pläne studiert. Stück für Stück spitzt ein Bagger den bröckeligen Nagelfluhfelsen ab. Der ganze Boden vibriert. Ein GPS-Gerät verrate Baggerführer Andy Schnyder zentimetergenau, wie tief er jeweils noch in den Berg graben müsse, erklärt Käslin.

Bis im Juni wird dadurch ein Unterhaltsweg am unteren Rand des Hanges entstehen. Das künstlich erschaffene Plateau muss anschliessend bis im November mit bis zu 14 Meter langen Pfählen im festen Fels verankert werden, sonst würde bei einem Ereignis der darauf erbaute Schutzdamm gleich mitgerissen. Dieser wird ab 2017 erbaut.

Gestein für Damm wiederverwenden

Der steile Hang bereitet allerdings nicht nur den Gästen dieser Zeitung etwas Mühe. Auch für die Bauarbeiter sei es eine Herausforderung, bei rund 38 Grad Gefälle zu arbeiten. «Die Steilheit ist die grösste Schwierigkeit», so der Bauingenieur von der Schubiger AG. Auch Gemeindeammann Lottenbach sagt erstaunt: «Erst wenn man selber im Hang steht, merkt man, wie steil es hier tatsächlich ist.»

Wegen der ungewohnten Arbeitsumgebung lautet Käslins Credo: «Die Sicherheit unserer Leute steht im Vordergrund.» So wurden vorgängig provisorische Schutznetze am oberen Rand des Hanges befestigt. Zudem stabilisieren schwere Stahlpalisaden das bereits geschaffene Wegstück im Gelände, das genau so breit ist wie der Bagger, der sich in den Hang hineinfrisst. Fürs wirklich unwegsame Gelände kommt ein Helikopter für die erforderlichen Materialtransporte zum Einsatz. «Er wird den Beton für die Fundationen und die Stahlstützen der hinteren Schutznetze einfliegen.»

Erhebliche Schwierigkeiten stellten für die Arbeiter die grossen Felsbrocken im Steilhang dar, so Käslin. Fortlaufend werden sie vom Bagger noch im Gelände abgespitzt und schliesslich abtransportiert oder für den Schutzdamm wiederverwendet. Das geht schnell: Ein mächtiger, gut 3 Meter hoher Brocken spaltet der Bagger in weniger als einer Minute. Dass die tonnenschweren Brocken im nun kargen Steilhang hinunterrutschen könnten, werde laut Käslin durch ein kontrolliertes Vorgehen verhindert.

Anwohner tragen 800 000 Franken

Die Besichtigung zeigt, dass die Arbeiten planmässig voranschreiten – auch dank der guten Wetterbedingungen. Im Trockenen ist seit dem 8. März ebenso die Finanzierung, hat doch die Luzerner Regierung ihren Beitrag von über 2,8 Millionen Franken bewilligt. Insgesamt kostet das Projekt «Laugneri II» rund 10 Millionen. Daran beteiligt sich auch der Bund mit 4,3 Millionen.

Die Gemeinde Weggis trägt Kosten in der Höhe von 2,1 Millionen Franken, die restlichen rund 800 000 Franken gehen zu Lasten der betroffenen rund 50 Anwohner, was im Vorfeld kritisiert wurde (wir berichteten). «Am Montag informieren wir die Bewohner darüber, wer wie viel aufwenden muss», sagt Baptist Lottenbach. Jede Liegenschaft wurde dafür einzeln bewertet. Die meisten Häuser können, nachdem die Schutzbauten erstellt sind, aus der roten Gefahrenzone entlassen werden. «Angesichts dessen, dass die Häuser damit geschützt sind und ihren ursprünglichen Wert wieder erhalten, sind die Restkosten vertretbar.»

Neben dem Gebiet Laugneri wird das Schutzprojekt im Gebiet Linden ^(ab 2017) realisiert.

Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)
Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)
Der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach betrachtet die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)Der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach betrachtet die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)
Das Gebiet Laugneri in Weggis aus der Vogelperspektive. (Bild: Philipp Schmidli)Das Gebiet Laugneri in Weggis aus der Vogelperspektive. (Bild: Philipp Schmidli)
Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)
Bild: Philipp SchmidliBild: Philipp Schmidli
Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser im Gebiet Laugneri in Weggis. (Bild: Philipp Schmidli)
Bauingenieur Alois Käslin (links) und der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach betrachten die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser. (Bild: Philipp Schmidli)Bauingenieur Alois Käslin (links) und der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach betrachten die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser. (Bild: Philipp Schmidli)
Bauingenieur Alois Käslin (rechts) und der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach betrachten die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser. (Bild: Philipp Schmidli)Bauingenieur Alois Käslin (rechts) und der Weggiser Gemeindeammann Baptist Lottenbach betrachten die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser. (Bild: Philipp Schmidli)
Bild: Philipp SchmidliBild: Philipp Schmidli
Die Steinschlaggefahr im Gebiet Laugneri in Weggis ist hoch. (Bild: Philipp Schmidli)Die Steinschlaggefahr im Gebiet Laugneri in Weggis ist hoch. (Bild: Philipp Schmidli)
Bauingenieur Alois Käslin betrachtet die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser. (Bild: Philipp Schmidli)Bauingenieur Alois Käslin betrachtet die Arbeiten gegen Steinschläge und Hochwasser. (Bild: Philipp Schmidli)
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Laugneri-Schutzprojekt in Weggis

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