WEGGIS: Investor Pühringer will sieben Wohnhäuser in Hertenstein bauen

Der österreichische Unternehmer Peter Pühringer plant hinter dem Campus Hotel in Hertenstein eine Überbauung mit sieben Häusern. Kritik kommt bereits vom Landschaftsschutzverband Vierwaldstättersee.

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Aussenansicht des Campus Hotel Hertenstein in Weggis (Archivbild). Dahinter sollen neue Wohnhäuser entstehen. (Bild: Pius Amrein)

Aussenansicht des Campus Hotel Hertenstein in Weggis (Archivbild). Dahinter sollen neue Wohnhäuser entstehen. (Bild: Pius Amrein)

Chantal Gisler

Hertenstein ist als Bade- und Erholungsort weit über Luzern hinaus bekannt. Nun sollen dort neue Wohnungen entstehen. Aktuell liegt der Gemeinde Weggis ein Gestaltungsplan für ein Campus Dorf vor. Dieser sieht vor, dass am Hang des Hügels hinter dem Campus Hotel Hertenstein zwei Einfamilienhäuser, acht Doppelhaushälften sowie ein Mehrfamilienhaus mit vier Wohnungen entstehen. Alle Gebäude sollen zwei Stockwerke aufweisen. Bereits im August 2013 wurde die Vision dem Weggiser Gemeinderat präsentiert. Auf umfangreiche Abklärungen folgte ein Wettbewerb, bei dem Architekten ihre Pläne für das Vorhaben einreichen konnten. Die Christian Eck Architektur GmbH ging daraus als Sieger hervor.

Der Investor dieses Projekts ist kein Unbekannter in Weggis: Schon 2008 erwarb der österreichische Multimillionär Peter Pühringer (siehe Kasten) das bestehende Hotel Campus Hertenstein, das Café, die Wäscherei, das Angestelltenhaus und die Villa Jan an der Bucht. Der ursprüngliche Plan, das Hotel abzureissen und einen Hotelkomplex zu bauen, wurde durch die Landschaftsschutzverbände verhindert. Er liess das Hotel renovieren und versah es mit einem Anbau, der zwölf Seminarräume beinhaltet. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 80 Millionen Franken.

«Die Landschaft in Hertenstein ist sehr geschichtsträchtig», sagt Roger Dähler, Gemeindepräsident von Weggis. Unter anderem besuchten der Dichter Mark Twain, der russische Komponist Sergei Rachmaninow und sogar die englische Königin Viktoria die Bucht bei Weggis. «Daher ist der Ort dort heikel.» Das Vierwaldstätterseeufer ist zudem im Bundesinventar der Landschaften und Naturdenkmäler von nationaler Bedeutung verzeichnet.

Keine Absprache mit Verband

«Die Bauzone ist sehr markant und exponiert, dies ist kaum zu übersehen», erklärt auch Urs Steiger, Präsident des LSVV. «Wir haben in Form von Empfehlungen für die Platzierung und die Strukturierung der Bauten und die Bepflanzung mit den Architekten zusammengearbeitet.» Der Gestaltungsplan wurde jedoch ohne weitere Absprache mit dem Landschaftsschutzband Vierwaldstättersee öffentlich aufgelegt, sagt Steiger. Dieses Vorgehen habe den LSVV enttäuscht: «Das Ziel der Zusammenarbeit in dieser Form wäre, dass ein möglichst weitgehender Konsens erzielt werden könnte.» Einsprachen können bis am 10. Dezember bei der Gemeinde eingereicht werden.

Laut Architekt Christian Eck sei man mit Gemeinde, Nachbarn und den Schutzverbänden in Kontakt. Man sei an einem konstruktiven Austausch interessiert, um Einsprachen zu vermeiden. Dass das Projekt in einem sensiblen Bereich realisiert werden soll, zeigt sich auch im Planungsbericht: Die Bauten seien auf die Umgebung und Landschaft abgestimmt, die Wohnungen bestünden aus einem Sockelgeschoss, das sich aus dem Hügel entwickle. «Mit Treppen und Stützmauern aus Naturstein sollen die Bauten den Charakter des Hügels vermitteln», heisst es im Bericht. Die Hügelkuppe wird weiterhin sichtbar sein. Durch «schlichte Fassaden und Fensterflächen sollen die Wohnungen elegant und zurückhaltend erscheinen». Um eine «gesamteinheitliche Parkanlage» zu schaffen, sind gemäss Eck keine Abgrenzungen durch Hecken oder Zäune geplant.

Über die Kosten ist noch nichts bekannt. Die Bauherrschaft Park-Hotel Vitznau Immobilien AG war gestern für weitere Auskünfte nicht erreichbar.

Vermögen dank Fonds

Peter Pühringer (74) wurde als Sohn eines österreichischen Uhrmachers geboren. Er studierte nach dem Abitur Bauingenieurwesen und war dann in Fertigteilwerken in Saudi-Arabien tätig. In den 1980er-Jahren investierte er in Mietshäuser in Berlin. Sein Vermögen – er gilt als einer der reichsten Österreicher – machte er an den Finanzmärkten mit Fonds, die in Schwellenländer investierten und auf Währungen und Zinsschwankungen setzten. Pühringer ist verheiratet und hat drei Töchter.
Nach dem Erwerb des Hotels Hertenstein 2008 kaufte Pühringer, der sein Steuerdomizil in Vitznau hat, 2009 auch das Park Hotel Vitznau. Für Schlagzeilen sorgte er 2011, als er der Gemeinde 5 Millionen Franken für eine Steuersenkung schenkte. (red)