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WEGGIS: Russland will Rachmaninoff-Villa nicht

Die Villa des Komponisten Rachmaninoff soll ein Kulturzentrum werden. Russland bietet sich «nur» als Partner an. Bis Ende 2017 hat eine Stiftung Zeit, um Millionen aufzutreiben.
Alexander von Däniken
Die Villa zu Rachmaninoffs Zeiten: Das Bild zeigt das Anwesen in Herthenstein 1935. (Bild PD)

Die Villa zu Rachmaninoffs Zeiten: Das Bild zeigt das Anwesen in Herthenstein 1935. (Bild PD)

Alexander von Däniken

Lange war es ruhig um die Villa von Sergej Rachmaninoff (1873–1943). Das Gebäude im Bauhausstil auf dem 20 000 Quadratmeter grossen Grundstück war zwischen 1934 und 1939 das Zuhause des weltweit bekannten Komponisten und Pianisten. Letzter Besitzer der Villa mit Seeanstoss in Hertenstein war der Enkel Alexander Rachmaninoff Conus. Als dieser am 1. November 2012 verstarb, hielt er in seinem Testament fest, dass die Villa bis Ende 2017 öffentlich zugänglich werden soll. Würden seine Erben nicht einig, ginge das Anwesen automatisch an den Kanton Luzern über. Alexander ist noch immer im Grundbuch als Eigentümer eingetragen.

2013 wurde die Tragweite des Testaments einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Russland bekundete ein Interesse an der Villa (Ausgabe vom 29. Oktober 2013). Denn wie viele russische Persönlichkeiten wanderte auch Rachmaninoff nach Ausbruch der russischen Revolution in die USA aus. Russland bemüht sich seit einigen Jahren, dass das kulturelle Erbe als russisches – und nicht etwa als jenes des ehemaligen Erzfeindes – anerkannt wird.

Eine Stiftung – vier Erben

Was ist seit 2013 geschehen? Um das Werk von Sergej Rachmaninoff zu fördern, gründete Alexander Rachmaninoff 2000 eine Stiftung. Nach seinem Tod musste sich die Stiftung mit den vier rechtmässigen Erben über das weitere Vorgehen einigen, wie Urs Ziswiler, Vizepräsident der Stiftung, gegenüber unserer Zeitung erklärt. «Einigkeit besteht darüber, den testamentarischen Willen von Alexander umzusetzen», sagt Ziswiler, ehemaliger Schweizer Botschafter in den USA und Trägervereinsvorstand des Luzerner Sinfonieorchesters.

Über Details, etwa über die Gegenleistungen, werde derzeit verhandelt. Fakt sei, «dass weder Wladimir Putin noch Russland beabsichtigen, die Villa zu kaufen». Das Interesse von Rachmaninoffs Heimatland bestehe einzig darin, dafür zu sorgen, dass die Villa als russisches Kulturerbe bestehen bleibe. Für eine allfällige Partnerschaft für ein Kulturzentrum sei Russland indes offen. Die Rachmaninoff-Stiftung steht laut Ziswiler über Stiftungsrat und Pianist Denis Matsuev mit der russischen Botschaft in der Schweiz und dem russischen Kulturministerium in Kontakt. Der in diesem Zusammenhang kolportierte Verkaufspreis von 18 Millionen Franken ist hypothetisch, da ein Verkauf an eine Privatperson praktisch unmöglich ist. Ein Grund: Die Villa ist unter kommunalen Denkmalschutz gestellt – Um- oder Neubauten sind darum fast unmöglich.

Einstelliger Millionenbetrag

Ob sich Russland dereinst finanziell beteiligt, ist noch offen. Die russische Botschaft wollte sich auf Anfrage nicht in die Karten blicken lassen. Klar ist, dass die Stiftung und die vier Erben auf Geld angewiesen sind, um einerseits allfällige Erbanteile auszuzahlen und andererseits die Villa zu sanieren. Es dürfte sich um einen Betrag in einstelliger Millionenhöhe handeln. Immerhin ist die Stiftung mit verschiedenen potenziellen Gönnern in Kontakt. Aus seiner Zeit in den USA gehe er immer von einem halb vollen Glas aus, sagt Ziswiler. Also auch wenn es um die Frage geht, ob die Villa noch vor Ende 2017 zu einem Kulturzentrum mit Schwerpunkt Rachmaninoff umfunktioniert werden kann.

Immerhin: Was die Deckung der künftigen Betriebskosten betrifft, können die Tantiemen helfen, die anfallen, wenn irgendwo auf der Welt ein Rachmaninoff-Stück gespielt wird.

Kanton: «Interesse» an Einigung

Finanzdirektor Marcel Schwerzmann erklärt gegenüber unserer Zeitung, dass der Kanton im Testament nicht berücksichtigt wurde. «Wir haben ein Interesse daran, dass sich die Stiftung und die Erben einigen und unterstützen die Stiftung dabei.» Die Gemeinde Weggis ist derweil nicht in die Verhandlungen involviert, wie Gemeindevizepräsident Philipp Christen auf Anfrage erklärt. Entsprechend gespannt sei der Gemeinderat auf den Ausgang der ausstehenden Verhandlungen. Der Stolz auf die Villa sei indes ungebrochen: «Nicht umsonst haben wir eine öffentliche Badestelle in Hertenstein nach Rachmaninoff benannt, den Rachmaninoff-Quai.» Nachdem das Haus letztes Jahr am Tag des Denkmalschutzes für die Bevölkerung geöffnet war, plant die Gemeinde eine weitere Öffnung: Im kommenden Herbst soll die Villa im Rahmen des 900-Jahr-Jubiläums von Weggis für die Dorfbevölkerung zugänglich sein.

Die Villa wurde 1934 von den Luzerner Architekten Alfred Möri und Karl-Friedrich Krebs erbaut, welche auch die Lukaskirche in der Stadt Luzern entwarfen. Die Villa heisst Senar, abgeleitet von Sergej und dessen Frau Natalja Rachmaninoff.

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