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WEGGIS: Sennenchilbi: ein Fest für das ganze Dorf

Alle fünf Jahre findet in Weggis die fünftägige Sennenchilbi statt. Am Sonntag stand mit dem Festumzug der Höhepunkt auf dem Programm. Ein lebendiges Stück Dorftradition.
Natalie Ehrenzweig
Der Umzug in Weggis. (Bild: Roger Grütter)

Der Umzug in Weggis. (Bild: Roger Grütter)

Die «wilden Mannen», die Tschämeler, mit Maske und einer Art Waldkleider bekleidet, betten auf der Bühne den Sennenammann Mischa Hasler in ein Waldbett, während das Publikum sich amüsiert und der Duft von Raclette, Bratwurst und Kafi Schnaps in der Luft liegt: Die Weggiser Sennenchilbi ist gestern Mittag in vollem Gange. Offenbar hatte sich der Sennenammann im Vorfeld der Chilbi über die Tschämeler-Frau und ihre behaarten Beine lustig gemacht, denn die Retourkutsche bestand aus Rasierschaum und einem glatten Wädli. Die Tschämeler, die Fabelwesen, die den Sennenammann beschützen sollen, treiben ihren Schabernack auch später am Umzug.

Drinnen in der voll besetzten Turnhalle wird derweil das Mittagessen eingenommen, und auf der Bühne gibts Volksmusik. Die vielen fröhlichen Gesichter egal welchen Alters bestätigen, was Erich Lottenbach erzählt: «Mir gefällt an der Sennenchilbi, dass das ganze Dorf an einem Strick zieht, alle helfen mit. Gerade, weil sie nur alle fünf Jahre stattfindet, haben die Leute auch genug Motivation, mitzumachen. Ich wohne seit 20 Jahren in Luzern, komme aber für die Sennenchilbi immer nach Hause», erklärt er.

Ein Goldvreneli wartet auf der Tanne

Auf dem Dorfplatz machen die Fahnenschwinger und Jodler unterdessen den Kletterern Platz. 40 Meter hoch ist die Tanne, die es zu erklimmen gilt, um das Goldvreneli zu gewinnen. Der Erste, dem das gelingt, ist Roger Niederberger aus Merlischachen. Mit zwei Pausen, der richtigen Ausrüstung – Gummistiefel und mit Harz eingeriebene Kleider – und dem richtigen Training an einer Esche im Wald hat der 27-Jährige sich das erste Vreneli ergattert: «Das leg ich für harte Zeiten zur Seite», sagt er lachend. Die Kinder, die mit Grimassen beim Chäs-Zänne ein Stück Käse gewinnen, werden dies wohl nicht tun.

Das ganze Dorf ist auf den Beinen, das Fest ist ein Treffpunkt. «Die Sennenchilbi ist Tradition, damit bin ich aufgewachsen, und ich war auch in der Trachtengruppe. Hier treffe ich meine Freunde und auch Leute, die ich schon länger nicht mehr gesehen habe», freut sich Fabien Joller (24) aus Vitznau. Dass sich das ganze Dorf so engagiere, liege sicher auch daran, dass man genug weit weg von Luzern sei. So gebe es noch ein richtiges Dorfleben.

Am Umzug, der nach dem Mittagessen beginnt, hat das OK rund 16 000 Besucher gezählt. 44 Nummern, liebevoll und mit Humor gestaltet, ziehen durchs Dorf. «Überall sah man seit Wochen, wie die Leute bastelten und sich Mühe gaben, so schöne Nummern zu bauen», erklärt Stefanie Nigg. Selber zugezogen, ist sie mit einem Weggiser verheiratet, der während des Umzugs mit der Feuerwehr unterwegs ist.

Der Umzug zeigt getreu dem Motto «Tourismus, Gwärb und Landwirtschaft mit Nostalgie und Muskelchraft» einerseits viele schöne Tiere. Geschmückte Schafe, Pferde, Kühe, aber auch Jagdhunde und Ziegen sind dabei. Doch bei den Ziegen schränkt der Kommentator ein: Nicht alle seien aus Weggis, denn man habe hier nicht so viele – vierbeinige – Ziegen.

Auf den Wagen wird geschwungen, getanzt, gesungen, gebadet. Verschiedene alte Handwerke wie eben das Schmieden oder das Käsen werden thematisiert. «Wir sind mit den ersten Tagen sehr zufrieden. Die Besucherzahlen haben unsere Erwartungen übertroffen», erklärt Hans-Peter Bättig, Medienverantwortlicher. Von den 16 000 Festbesuchern seien zudem nur 1200 mit dem Auto gekommen. «Unser Konzept mit dem ÖV geht auf», freut er sich.

Heute haben die Weggiser Schulkinder frei, denn auch heute gilt es, mit einer gruseligen Grimasse ein Stück Käse zu gewinnen, Goldvreneli zu erklettern – kurz: weiterzufeiern. Am Dienstag werden dann noch alle Festutensilien versteigert.

Natalie Ehrenzweig

Familie Winter scheut keinen Aufwand. (Bild: Roger Grütter (LZ))Familie Winter scheut keinen Aufwand. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Sie sind überall: die Muotithaler Wetterschmöcker. (Bild: Roger Grütter (LZ))Sie sind überall: die Muotithaler Wetterschmöcker. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Die Familien Appert und Schmid am Festumzug. (Bild: Roger Grütter (LZ))Die Familien Appert und Schmid am Festumzug. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Kinder von der Kindertrachtengruppe Weggis bei er Vorführung in der vollen Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (LZ))Kinder von der Kindertrachtengruppe Weggis bei er Vorführung in der vollen Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Familie Winter zeigt viel Käse. (Bild: Roger Grütter (LZ))Familie Winter zeigt viel Käse. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Die Familien Appert und Schmid in traditioneller Kleidung; die Herren rauchen wie üblich 'Krumme'. (Bild: Roger Grütter (LZ))Die Familien Appert und Schmid in traditioneller Kleidung; die Herren rauchen wie üblich 'Krumme'. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Familie von Rickenbach brachte Schafe ins Dorfzenturm mit. (Bild: Roger Grütter (LZ))Familie von Rickenbach brachte Schafe ins Dorfzenturm mit. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Am Festumzug wurden die Zuschauer beschenkt. (Bild: Roger Grütter (LZ))Am Festumzug wurden die Zuschauer beschenkt. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Junge Frauen zeigen stolz die traditionelle Tracht. (Bild: Roger Grütter (LZ))Junge Frauen zeigen stolz die traditionelle Tracht. (Bild: Roger Grütter (LZ))
An der Weggiser Sennenchilbi gibts allerhand Traditionelles zu sehen. (Bild: Roger Grütter (LZ))An der Weggiser Sennenchilbi gibts allerhand Traditionelles zu sehen. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Die Familie Mathis am Umzug. (Bild: Roger Grütter (LZ))Die Familie Mathis am Umzug. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Im Bild die Muotithaler Wetterschmöcker. (Bild: Roger Grütter (LZ))Im Bild die Muotithaler Wetterschmöcker. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Familie Hofmann vom Riedtli bringt ihr Vieh mit an den Umzug. (Bild: Roger Grütter (LZ))Familie Hofmann vom Riedtli bringt ihr Vieh mit an den Umzug. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Kinder von der Kindertrachtengruppe Weggis tanzen vor vollen Rängen in der Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (LZ))Kinder von der Kindertrachtengruppe Weggis tanzen vor vollen Rängen in der Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Im Bild Roger Niederberger aus Merlischachen, der als erster Kletterer die 40 Meter hohe Tanne hochgeklettert ist. (Bild: Roger Grütter (LZ))Im Bild Roger Niederberger aus Merlischachen, der als erster Kletterer die 40 Meter hohe Tanne hochgeklettert ist. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Familie von Rickenbach brachte Schafe ins Dorfzenturm mit. (Bild: Roger Grütter (LZ))Familie von Rickenbach brachte Schafe ins Dorfzenturm mit. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Roger Niederberger aus Merlischachen ist als erster Kletterer oben. (Bild: Roger Grütter (LZ))Roger Niederberger aus Merlischachen ist als erster Kletterer oben. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Roger Niederberger beim Klettern. (Bild: Roger Grütter (LZ))Roger Niederberger beim Klettern. (Bild: Roger Grütter (LZ))
Kinder von der Kindertrachtengruppe Weggis bei er Vorführung in der vollen Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (LZ))Kinder von der Kindertrachtengruppe Weggis bei er Vorführung in der vollen Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (LZ))
19 Bilder

Sennechilbi in Weggis

Mit Klettern, einem Umzug und der Kindertrachtengruppe ging es in Weggis an der Sennenchilbi dieses Wochenende traditionell und mitunter spektakulär zu und her. Bild: Roger Grütter (Weggis, 13. November 2016)

Mit Klettern, einem Umzug und der Kindertrachtengruppe ging es in Weggis an der Sennenchilbi dieses Wochenende traditionell und mitunter spektakulär zu und her. Bild: Roger Grütter (Weggis, 13. November 2016)

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